Eine Stadt am Rand zwischen Fels, Adria und einem Lied, das alle kennen
Polignano a Mare wurde buchstäblich auf die Kante gebaut. Die Altstadt sitzt auf einem Kalksteinvorsprung, den das Meer seit Jahrtausenden unterhöhlt – unter den Häusern öffnen sich Grotten und Hohlräume, in die bei Schirokko die Brandung schlägt. Schon die Römer kamen hier vorbei: Die Via Traiana, die Rom mit Brindisi verband, überquerte die Schlucht der Lama Monachile, und noch heute führt die im 19. Jahrhundert unter den Bourbonen erneuerte Brücke den Blick direkt auf die berühmteste Badebucht Apuliens. Durch den Arco Marchesale, das alte Stadttor, betritt man ein Gassengewirr, in dem Wäscheleinen, Bougainvillea und handgeschriebene Verse an Türen und Treppen den Ton angeben.
Berühmt gemacht haben die Stadt zwei Söhne: Domenico Modugno, 1928 hier geboren, dessen „Nel blu dipinto di blu“ – die Welt kennt es als „Volare“ – 1958 das Sanremo-Festival gewann und zur meistgesungenen italienischen Melodie überhaupt wurde; seine bronzene Statue breitet am Lungomare die Arme aus wie im legendären Auftritt. Und der Künstler Pino Pascali, dessen Familie aus Polignano stammt – ihm ist am südlichen Ortsrand die Fondazione Museo Pino Pascali gewidmet, eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst in Süditalien.
Den Rhythmus der Stadt lernt man in einem Tag: früh hinunter zur Lama Monachile, bevor die Tagesgäste kommen, mittags Orecchiette oder ein rohes Meeresfrüchte-Plateau, nachmittags eine Bootstour unter die Klippen und in die Höhlen, die vom Wasser aus noch einmal ganz anders wirken. Am Abend gehört die Bühne der Passeggiata: ein Caffè Speciale an der Piazza, der Blick von den Balkonen über das dunkle Meer – und irgendwo singt immer jemand „Volare“. travelperfect empfiehlt, mindestens eine Nacht zu bleiben: Polignano nach 19 Uhr ist eine andere, viel leisere Stadt.
