Die schönsten Sehenswürdigkeiten Sardiniens
Von der Terrasse des Bastione Saint Remy in Cagliari siehst du auf einen Blick, worum es auf dieser Insel geht – Hafen, Lagune, Berge, und dazwischen 3.000 Jahre Geschichte in Schichten.
Der eine Ort, den du nicht auslassen solltest, liegt nicht am Meer: Su Nuraxi bei Barumini, gut eine Stunde nördlich von Cagliari, ist die am besten erhaltene Nuraghen-Anlage der Insel und seit 1997 UNESCO-Welterbe. Ein Zentralturm aus der Bronzezeit, umringt von vier Ecktürmen und einem Dorf aus Steinhütten – besichtigt wird ausschließlich mit Führung, die Gruppen starten in kurzen Abständen, und du kletterst dabei tatsächlich durch die engen Gänge ins Innere. Rund 7.000 solcher Türme stehen über die Insel verteilt; viele kleinere erreichst du frei am Straßenrand, die großen Anlagen wie Santu Antine bei Torralba im Norden sind wie Su Nuraxi bewirtschaftet und ticketpflichtig. Wer einmal verstanden hat, wonach er sucht, sieht sie danach überall.
Cagliari selbst verdient mehr als den Umsteigetag: Im Castello-Viertel drängen sich Dom, pisanische Wehrtürme und Adelspaläste auf einem Kalkhügel, und von der Terrasse des Bastione Saint Remy überblickst du die Stadt bis zur Sella del Diavolo, dem Felsrücken über dem Poetto-Strand. Unten in der Marina reihen sich Trattorien und Weinbars, in der Cittadella dei Musei am oberen Ende des Castello liegt das archäologische Nationalmuseum mit den rätselhaften Giganten von Mont'e Prama – überlebensgroße Steinkrieger, die erst in den 1970ern auf der Sinis-Halbinsel ausgegraben wurden. Und in der Lagune von Molentargius, zwischen Stadt und Strand, stehen ganzjährig Flamingos, die hier seit den 1990ern auch brüten.
An der Westküste gehört das Kap Capo Caccia bei Alghero zum Pflichtprogramm: eine Kalksteilwand, die senkrecht ins Meer fällt, mit der Neptungrotte am Fuß. Du erreichst die Tropfsteinhöhle auf zwei Wegen – per Ausflugsboot ab Alghero oder über die Escala del Cabirol, eine in den Fels gehauene Treppe mit 654 Stufen, die du danach wieder hinaufsteigen musst. Der Abstieg ist der spektakulärere Weg, das Boot der bequemere; bei Wellengang fallen die Bootsanleger aus, also prüfe morgens die Lage. Alghero selbst, mit katalanischen Gassen hinter den Bastionen, füllt den Rest des Tages mühelos.
Das wilde Herz der Insel liegt im Osten, im Supramonte: Die Gola su Gorropu, eine der tiefsten Schluchten Europas, erwanderst du am einfachsten vom Passo Ghenna Silana an der SS125 – gut anderthalb Stunden bergab bis zum Schluchteingang, zurück entsprechend bergauf, festes Schuhwerk und viel Wasser vorausgesetzt. In der Nähe liegt Tiscali, ein nuraghisches Dorf in einer eingestürzten Karsthöhle, nur zu Fuß erreichbar. Und in Orgosolo, tiefer in der Barbagia, erzählen über 150 Murales an den Hauswänden von Politik und Hirtenleben – ein Dorf als Freiluftgalerie, das du gut mit einer Gorropu-Wanderung kombinierst.


























