Das Dorf, das es nie gab und das trotzdem zum Maßstab einer ganzen Küste wurde
Porto Cervo wurde nicht entdeckt, sondern beschlossen: 1962 gründete Fürst Karim Aga Khan IV. mit Partnern das Consorzio Costa Smeralda, um einen nahezu unbewohnten Küstenstrich der Gallura in das exklusivste Feriengebiet des Mittelmeers zu verwandeln. Architekten wie Luigi Vietti, Jacques Couëlle und Michele Busiri Vici erfanden dafür einen eigenen Stil – geschwungene, wie vom Wind geschliffene Baukörper in Naturfarben, kaum ein rechter Winkel, kein Haus höher als die Pinien. Strenge Bauvorschriften des Consorzio wachen bis heute darüber, dass sich jeder Neubau der Landschaft aus Granit und Macchia unterordnet.
Das Zentrum dieses erfundenen Dorfes ist die Piazzetta mit ihren Cafés und Boutiquen, von der Treppen und Bogengänge zur Sottopiazza und hinunter zum alten Hafen führen. Gleich daneben wacht die weiße Kirche Stella Maris mit ihrem El-Greco-Gemälde über die Bucht, deren geweihartige Form dem Ort den Namen gab – Cervo, der Hirsch. Unten in der Marina, einer der bestausgestatteten des Mittelmeers, residiert seit 1967 der Yacht Club Costa Smeralda: Im Juni trifft sich die Superyacht-Szene zur Loro-Piana-Regatta, im September segelt beim Maxi Yacht Rolex Cup die Königsklasse vor der Küste.
Jenseits des Glamours bleibt diese Küste vor allem Landschaft: rosa Granit, Wacholder und Buchten wie Grande Pevero, Spiaggia del Principe oder die lange Liscia Ruja, deren Wasser jedem Südsee-Vergleich standhält. Dahinter beginnt die Gallura mit dem Künstlerdorf San Pantaleo, den Vermentino-Lagen der Cantina Surrau und den prähistorischen Stätten um Arzachena. travelperfect empfiehlt Mai, Juni oder September: Dann sind Meer und Dorf warm, die Preise verhandelbarer und die Strände wieder das, was sie im August nur frühmorgens sind – still.
