Vom Hirtendorf zum schönsten Kap des Südostens eine Küste, die lange niemand wollte – und heute alle suchen
Dass Villasimius einmal zu den begehrtesten Adressen des Mittelmeers gehören würde, hätte hier lange niemand geglaubt. Jahrhundertelang lebte das Dorf – bis ins 19. Jahrhundert hieß es schlicht Carbonara – von Hirten und Feldern im Hinterland des Sarrabus, während die Küste gemieden wurde: Nordafrikanische Korsaren überfielen die Buchten so regelmäßig, dass die Spanier das Kap mit Wachtürmen und der Fortezza Vecchia befestigten. Die Geschichte reicht noch weiter zurück – am Riu Foxi gruben Archäologen die phönizische Siedlung Cuccureddus mit den Resten eines Astarte-Heiligtums aus, deren Funde heute das Archäologiemuseum im Ort zeigt.
Erst mit dem Tourismus drehte sich der Blick zum Meer. Ab den 1960er-Jahren entdeckten erst Italiener, dann der Rest Europas, was um das Capo Carbonara liegt: Strände aus quarzweißem Sand, rund geschliffene Granitfelsen, eine Wasserfarbskala, für die das Wort Türkis zu kurz greift. Seit Ende der 1990er-Jahre schützt die Area Marina Protetta Capo Carbonara das Revier samt der vorgelagerten Inseln Isola dei Cavoli und Serpentara – mit Seegraswiesen, Zackenbarschen und der versenkten Madonna del Naufrago, die der sardische Bildhauer Pinuccio Sciola aus Granit schlug.
Das Beste an Villasimius ist, dass es trotz allem ein Ort geblieben ist: niedrig gebaut, granitgrau, mit einer Fußgängerzone, in der abends die passeggiata kreist, und Trattorien, die seit Jahrzehnten dieselben Familien führen. Die Strände verteilen sich auf gut zehn Kilometer Küste – wer sie erkunden will, nimmt sich ein Auto, startet früh und hebt sich den Sonnenuntergang für die Westseite bei Campulongu auf. travelperfect empfiehlt die Randsaison: Im Juni und September gehört einem der Südosten fast allein.
