◆ REGION · ITALIEN
Die Abruzzen liegen gut eine Autostunde östlich von Rom und sind doch das genaue Gegenteil der Ewigen Stadt: ein Land der Berge, in dem mit dem Corno Grande der höchste Gipfel des Apennin über die weite Hochebene von Campo Imperatore aufragt, die man wegen ihrer kargen Schönheit „Klein-Tibet“ nennt. Mehr als ein Drittel der Region steht unter Schutz – in den drei Nationalparks Gran Sasso, Majella und Abruzzo streifen noch Apenninwölfe und die letzten Marsicanischen Braunbären durch alte Buchenwälder. In verlassenen Steindörfern wie Santo Stefano di Sessanio ist aus dem Verfall ein Albergo diffuso geworden, über der Festung Rocca Calascio drehte Hollywood. An der Adria spannen die Trabocchi, bizarre Fischerstege aus Holz, ihre Netze über das Wasser, viele heute Restaurants über dem Meer. Dazu kräftiger Montepulciano d'Abruzzo, Arrosticini vom Kohlegrill, Safran aus Navelli und die Zuckermandeln von Sulmona – die Abruzzen sind ein Italien für alle, die Stille, Höhe und ehrliche Küche dem Gedränge vorziehen.

Die Abruzzen sind die grünste Region des italienischen Festlands und zugleich die gebirgigste Mittelitaliens. Über alles wacht das Gran-Sasso-Massiv mit dem Corno Grande, mit 2.912 Metern der höchste Gipfel des gesamten Apennin; an seinem Fuß liegt der Calderone, der südlichste Gletscherrest Europas. Davor breitet sich Campo Imperatore aus, eine baumlose Hochebene auf rund 1.800 Metern, deren Weite und Stille ihr den Beinamen „Klein-Tibet“ eingetragen hat. Im Sommer grasen hier Pferde und Schafe, deren Milch zum würzigen Pecorino wird; im Winter liegt Schnee, und über die Serpentinen geht es zum kleinen Skigebiet hinauf.
Dass die Abruzzen ihre Wildnis behalten haben, ist kein Zufall. Mehr als ein Drittel des Territoriums ist Schutzgebiet: Der Parco Nazionale d'Abruzzo, Lazio e Molise, 1923 gegründet, gehört zu den ältesten Nationalparks Italiens und ist das letzte sichere Refugium des Marsicanischen Braunbären, einer endemischen Unterart, von der nur noch wenige Dutzend Tiere leben. Dazu kommen der Apenninwolf, der hier nie ausgerottet wurde, Gämsen und Steinadler. In den Buchenwäldern um Pescasseroli, in den Schluchten der Majella und auf den Hochweiden des Gran Sasso findet man eine Natur, die in Europa selten geworden ist.
Und dann sind da die Menschen und ihre Steine. Erdbeben haben die Region immer wieder geprägt – zuletzt 2009 die Hauptstadt L'Aquila, deren Zentrum bis heute saniert wird. Doch zugleich entstand aus dem Niedergang der Bergdörfer eine leise Renaissance: In Santo Stefano di Sessanio verwandelte ein Unternehmer halb verlassene Häuser in ein „verstreutes Hotel“, ein Albergo diffuso, das zum Modell für ganz Italien wurde. Über dem Tal thront Rocca Calascio, eine der höchsten Festungen des Landes und Kulisse von Filmen wie „Der Name der Rose“. Wer durch die Abruzzen reist, reist durch ein Italien, das sich Zeit lässt.
· Entdecken & Buchen
02 · Themen-Routen
Das Dach des Apennin
Von L'Aquila führt die Straße hinauf nach Campo Imperatore, der weiten Hochebene auf 1.800 Metern, die man „Klein-Tibet“ nennt. Über allem ragt der Corno Grande auf, der höchste Gipfel des Apennin. Wer höher hinaus will, nimmt die historische Seilbahn oder wandert zu den Hochweiden, auf denen aus Schafsmilch Pecorino entsteht. Abstecher zum Bergdorf Castel del Monte und zur Festung Rocca Calascio runden die Tour ab.
Die hölzernen Fischerstege
Südlich von Pescara säumen die Trabocchi die Adria – bizarre Fischerstege aus Holz, von denen aus früher mit großen Netzen gefischt wurde. Viele sind heute Restaurants, in denen man direkt über dem Meer Fisch isst. Die stillgelegte Küstenbahn ist zum Radweg geworden, der von San Vito Chietino über Fossacesia bis Vasto führt – einer der schönsten Küstenradwege Italiens, vorbei an Buchten und Olivenhainen.
Bären, Wölfe & alte Wälder
Der 1923 gegründete Nationalpark um Pescasseroli ist das letzte Refugium des Marsicanischen Braunbären und Heimat von Apenninwolf, Gämse und Steinadler. Geführte Wanderungen durch die Buchenwälder und zu den Hochtälern lassen die Tierwelt erahnen, ohne sie zu stören. Bergdörfer wie Pescasseroli, Civitella Alfedena und Opi sind ruhige Basislager für mehrtägige Touren in eine der ursprünglichsten Naturlandschaften Europas.
Steindörfer & Süßes
Eine Genussroute durch das Innere der Abruzzen: Santo Stefano di Sessanio, dessen Albergo diffuso verlassene Häuser zum Hotel macht, die Hochebene von Navelli, wo einer der edelsten Safrane Italiens geerntet wird, und Sulmona, Ovids Geburtsstadt, berühmt für die confetti – Zuckermandeln, die zu Blumensträußen gebunden werden. Dazu Arrosticini vom Kohlegrill und ein Glas Montepulciano d'Abruzzo.
03 · Wann
Die Abruzzen sind ein Land zweier Klimazonen: An der Adria herrscht mildes Mittelmeerklima mit warmen, badetauglichen Sommern, im Gebirge dagegen kühlt es schon im Herbst rasch ab, und der Gran Sasso trägt bis ins Frühjahr Schnee. Wer Berg und Meer verbinden will, ist im späten Frühling und Frühherbst am besten dran – dann blühen die Hochweiden, die Küste ist warm, aber nicht überlaufen, und die Nationalparks zeigen sich von ihrer schönsten Seite.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Die Abruzzen verbinden Hochgebirge und Adriaküste, abgelegene Nationalparks und stille Bergdörfer – eine Region, die sich nicht von selbst zu einer Route fügt. Unser Reiseplaner bringt sie in Ordnung: Er stimmt Bergetappen und Küstentage auf die Jahreszeit ab, warnt davor, dass auf Campo Imperatore noch im Mai Schnee liegen kann, plant die Trabocchi-Küste für warme Tage und schlägt vor, wann sich für die Nationalparks ein Mietwagen lohnt und wann der Küstenradweg. Sag uns, worauf du Lust hast – Wölfe und Wandern im Parco Nazionale, Festungen wie Rocca Calascio, ein Albergo diffuso in Santo Stefano di Sessanio oder Fischessen über dem Meer – und travelperfect entwirft daraus einen Tag-für-Tag-Plan mit echten Orten, Dörfern und Reservierungen.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Für einen ersten Eindruck reichen 4 bis 5 Tage, um etwa den Gran Sasso mit Campo Imperatore, ein, zwei Bergdörfer und einen Tag an der Trabocchi-Küste zu verbinden. Wer zusätzlich den Parco Nazionale d'Abruzzo mit seinen Wanderungen, die Majella und Städte wie Sulmona und L'Aquila erleben will, sollte eine gute Woche einplanen. Die Wege durch die Berge sind kurvig – plane großzügig Fahrzeit ein.
Für das Innere der Region praktisch ja. Pescara und die Küste sind per Bahn erreichbar, doch die Nationalparks, Campo Imperatore, die Bergdörfer und Orte wie Santo Stefano di Sessanio oder Rocca Calascio sind mit öffentlichem Verkehr kaum zu erschließen. Wer Berge und Wildnis sehen möchte, ist mit einem Mietwagen deutlich freier; an der Costa dei Trabocchi ersetzt der Küstenradweg streckenweise das Auto.
Der Parco Nazionale d'Abruzzo, Lazio e Molise ist das letzte sichere Refugium des seltenen Marsicanischen Braunbären, und der Apenninwolf lebt in mehreren Schutzgebieten. Beide sind jedoch scheu – eine Begegnung in freier Wildbahn ist Glückssache. Geführte Wanderungen mit Parkrangern, etwa von Pescasseroli aus, erhöhen die Chance, Spuren und manchmal Tiere zu sehen, und vermitteln viel über die Tierwelt der Region.
Trabocchi sind hölzerne Fischerstege, die wie Spinnen mit langen Auslegern und Netzen über die Adria ragen – ein Wahrzeichen der süd-abruzzesischen Küste zwischen Ortona und Vasto. Früher diente diese „Maschine zum Fischen“ dem Fang ohne Boot; heute sind viele restauriert und beherbergen Restaurants, in denen man bei Meeresrauschen frischen Fisch isst. Tische sind in der Saison gefragt – reserviere vorab.
Allen voran die Arrosticini – kleine Lammspieße, die über schmalen Kohlegrills gegart werden und das Nationalgericht der Region sind. Dazu Pecorino aus Schafsmilch, Maccheroni alla chitarra (auf einem Saitengerät geschnittene Nudeln), Lammgerichte aus den Hochweiden und an der Küste frischen Fisch sowie das brodetto, einen Fischeintopf. Zum Süßen die confetti aus Sulmona. Begleitet wird das alles von kräftigem Montepulciano d'Abruzzo.
Für Liebhaber stiller, ursprünglicher Orte unbedingt. Das mittelalterliche Steindorf auf rund 1.250 Metern im Gran-Sasso-Park war einst fast verlassen, bis es behutsam zu einem Albergo diffuso restauriert wurde – einem über das Dorf verteilten Hotel ohne Eingriffe ins historische Bild. Heute ist es ein Ziel für alle, die Ruhe, Architektur und Sterne über den Bergen suchen, und ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen zur nahen Festung Rocca Calascio.
05 · Weiter im Land
Sagen Sie uns, was Sie suchen — wir entwerfen Ihre Reise durch die Abruzzen.