Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Abruzzen
Auf dem Grat über Calascio steht eine Burgruine so allein im Wind, dass Hollywood hier gleich mehrfach das Mittelalter gedreht hat.
Rocca Calascio ist das Wahrzeichen der Region: eine Burgruine auf 1.460 Metern, die frei auf einem Felsgrat über dem Tal von Navelli steht – Drehort von „Ladyhawke“ und einer der meistfotografierten Punkte des Apennin. Vom Parkplatz unterhalb des Dorfs Calascio läufst du in einer knappen halben Stunde hinauf; das beste Licht fällt am späten Nachmittag, wenn die Mauern glühen und die Hochflächen des Gran Sasso hinter der achteckigen Kapelle Santa Maria della Pietà liegen. Zehn Fahrminuten weiter duckt sich Santo Stefano di Sessanio an den Hang, ein Medici-Dorf aus grauem Stein, das mit seinem Albergo diffuso zum Modellfall für sanfte Dorfrettung wurde.
L'Aquila verlangt einen halben bis ganzen Tag: Die Basilika Santa Maria di Collemaggio mit ihrer rot-weiß gemusterten Fassade ist das wichtigste Bauwerk der Region – hier wurde 1294 der Eremit Pietro da Morrone zu Papst Coelestin V. gekrönt, und die von ihm gestiftete Perdonanza Ende August zählt heute zum immateriellen UNESCO-Erbe. Dazu kommen die Fontana delle 99 Cannelle, ein mittelalterlicher Brunnen mit 99 steinernen Wasserspeiern, das mächtige Castello Cinquecentesco und eine Altstadt, in der sich seit dem Erdbeben von 2009 restaurierte Palazzi und letzte Baustellen abwechseln – gerade dieses Nebeneinander macht den Besuch eindrücklich.
Sulmona, Geburtsstadt des Dichters Ovid, ist die eleganteste Kleinstadt der Abruzzen: Über die weite Piazza Garibaldi zieht sich ein mittelalterlicher Aquädukt, in den Gassen verkaufen Manufakturen die berühmten Confetti – kunstvoll zu Blumen gebundene Zuckermandeln, die in ganz Italien zu Hochzeiten gehören. Von hier lohnt der Abstecher nach Scanno: Das Bergdorf mit seinen Fotografen-Gassen liegt über einem See, der vom Wanderweg „Sentiero del Cuore“ aus tatsächlich die Form eines Herzens zeigt – einer der bekanntesten Aussichtspunkte der Region.
Unterirdisch und abgelegen wird es bei den Grotte di Stiffe: Bei San Demetrio ne' Vestini schießt ein aktiver Höhlenfluss durch die Tropfsteinhallen, im Frühjahr mit tosendem Wasserfall – Besuch nur mit Führung. In der Majella wiederum halten sich die Einsiedeleien von Coelestin V. an die Felswände: Der Eremo di San Bartolomeo in Legio und Santo Spirito a Majella sind in den Stein gebaute Kapellen, die du nur zu Fuß erreichst, und gehören zu den stillsten Orten Italiens.

























