
◆ STADT · ABRUZZEN
L'Aquila ist eine Stadt, die ihre Wunden offen trägt und doch nie aufgehört hat, schön zu sein. Auf 720 Metern unter dem Gran Sasso gegründet, war die Abruzzen-Hauptstadt einst eine der reichsten Städte Süditaliens – ein Renaissance-Juwel aus rosa Stein, das nach dem Erdbeben von 2009 Gerüst um Gerüst zurückkehrt. Wer heute durch die Gassen geht, erlebt einen seltenen Moment: die Fontana delle 99 Cannelle plätschert wie seit Jahrhunderten, die Basilika von Collemaggio steht restauriert in ihrer rosa-weißen Geometrie, und in den wiedereröffneten Cafés der Piazza Duomo trifft sich eine Stadt, die sich neu erfindet. Über allem ragt der höchste Gipfel des Apennins.

Die Legende will es so: Im 13. Jahrhundert taten sich 99 Burgen und Dörfer der umliegenden Berge zusammen und gründeten eine einzige Stadt. Jedes brachte seine Kirche, seinen Platz und seinen Brunnen mit – daher die magische Zahl, die in L'Aquila überall wiederkehrt: 99 Brunnenmasken, 99 Glockenschläge am Abend, der Mythos von 99 Plätzen. Aus diesem Zusammenschluss erwuchs eine der mächtigsten Städte des Königreichs Neapel, reich durch Safran, Wolle und den Handel über die Apennin-Pässe. Im 15. Jahrhundert war L'Aquila eine Hochburg der Renaissance, der heilige Bernhardin von Siena predigte hier, und Verleger druckten einige der ersten Bücher Süditaliens.
Doch die Stadt steht auf einer der aktivsten Erdbebenzonen Europas, und ihre Geschichte ist auch eine der Katastrophen und des Wiederaufbaus. Das schwerste Beben der jüngeren Zeit traf L'Aquila in der Nacht des 6. April 2009: Es zerstörte weite Teile der Altstadt und kostete über 300 Menschen das Leben. Was folgte, ist eine der größten Restaurierungsbaustellen Europas. Wer heute kommt, sieht beides – die Gerüste und Kräne, aber auch zurückgekehrte Pracht: die Basilika von Collemaggio, mit modernster Technik wiederaufgebaut, das geöffnete Castello, die belebten Cafés rund um Piazza Duomo.
L'Aquila ist deshalb kein Ort für eilige Abhaker, sondern für Reisende, die Geschichte im Werden sehen wollen. Man trinkt einen Espresso unter der Loggia, hört dem Brunnen zu, wandert vom Stadtrand in die Wälder des Gran Sasso und versteht: Diese Stadt hat sich schon mehrfach neu erfunden und tut es gerade wieder. travelperfect empfiehlt, L'Aquila mit der Hochebene Campo Imperatore zu verbinden – Altstadt am Morgen, Bergpanorama am Nachmittag.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Sakrale Pracht & Wiederaufbau
Die beiden großen Basiliken erzählen L'Aquilas Goldenes Zeitalter und seine Wiederauferstehung. Santa Maria di Collemaggio mit ihrer geometrischen Fassade aus rosa und weißem Stein war nach 2009 schwer beschädigt und ist heute mustergültig restauriert – Schauplatz der Perdonanza. Wenige Gassen weiter ragt San Bernardino mit der Renaissance-Fassade des Cola dell'Amatrice und der barocken Cosimo-Fanzago-Decke auf.
Brunnen, Burg & Altstadt
Im tiefer gelegenen Borgo Rivera plätschert die Fontana delle 99 Cannelle, ein mittelalterliches Brunnenrätsel mit 99 steinernen Masken – jede angeblich für eines der Gründungsdörfer. Von dort führt der Weg hinauf über die Piazza Duomo zur spanischen Festung Castello Cinquecentesco, die heute das Nationalmuseum MuNDA beherbergt. Eine Stadtführung verbindet Brunnen, Plätze und Baustellen zu einer Lektion in Stadtgeschichte.
Berge vor der Haustür
L'Aquila ist das Tor zum höchsten Massiv des Apennins. Über die Seilbahn oder per Auto erreicht man Campo Imperatore – das „kleine Tibet“ Italiens, eine weite Hochebene auf rund 2.100 Metern, über der der Corno Grande aufragt. Hier wandert man im Sommer durch Almwiesen mit grasenden Pferden, fährt im Winter Ski und genießt ein Panorama, das in Italowestern und Bergfilmen Kulisse war.
03 · Wann
L'Aquila liegt auf 720 Metern in einem Hochtal des Zentralapennins – das Klima ist deutlich kontinentaler und kühler als an der nahen Adriaküste. Die Sommer sind angenehm warm und meist trocken, die Winter kalt und schneereich, mit Skibetrieb am Gran Sasso. Frühling und Herbst sind ideal für Stadt und Berge gleichermaßen; der August steht ganz im Zeichen der Perdonanza.
04 · Häufige Fragen
Ja – gerade deshalb. Viele zentrale Monumente wie die Basilika von Collemaggio, das Castello Cinquecentesco und die Piazza Duomo sind restauriert und wieder zugänglich, und die belebten Cafés und Gassen vermitteln eine Stadt im Aufbruch. Reisende sollten wissen, dass an manchen Stellen weiter Gerüste und Baustellen stehen – wer sich darauf einlässt, erlebt eine seltene Geschichte von Verlust und Rückkehr aus nächster Nähe.
Am bequemsten mit dem Auto über die Autobahn A24, das dauert ab Rom rund 1,5 Stunden. Schnellbusse (etwa von TUA oder Gran Sasso) fahren mehrmals täglich von Rom Tiburtina nach L'Aquila und brauchen je nach Verbindung 1,5 bis 2 Stunden. Die Bahnanbindung ist langsam und für Reisende kaum praktisch.
Für die Altstadt mit den beiden Basiliken, der Fontana delle 99 Cannelle und dem Castello reicht ein voller Tag. Wer den Gran Sasso und die Hochebene Campo Imperatore mit Wanderung oder Seilbahn dazunimmt – was sehr zu empfehlen ist – sollte zwei bis drei Tage einplanen. L'Aquila eignet sich auch gut als ruhige Basis für die ganze Bergregion.
Die Perdonanza Celestiniana ist das älteste Ablassfest der Welt, eingesetzt 1294 von Papst Coelestin V. Jedes Jahr Ende August wird in der Basilika von Collemaggio die Heilige Pforte geöffnet; wer hindurchschreitet, erhält nach katholischer Lehre einen vollkommenen Ablass. Das Fest mit Prozessionen und der Fackel des Morrone gehört zum UNESCO-Erbe und ist L'Aquilas größter Termin im Jahr.
Die abruzzesische Bergküche ist deftig und aromatisch: handgemachte Maccheroni alla chitarra mit Lammragout, Arrosticini – kleine Lammspieße vom Holzkohlegrill –, Pecorino aus den Bergen und Linsen aus dem nahen Santo Stefano. Eine lokale Besonderheit ist der Safran von Navelli, der teuerste Italiens. Dazu trinkt man Montepulciano d'Abruzzo, den kräftigen Rotwein der Region.
Ja, das ist einer der Hauptgründe für einen Besuch. Der Gran Sasso d'Italia mit dem Corno Grande, dem höchsten Gipfel des Apennins, liegt direkt vor der Stadt. Über Fonte Cerreto erreicht man per Seilbahn oder Auto die Hochebene Campo Imperatore auf rund 2.100 Metern – im Sommer ein Wanderparadies, im Winter ein Skigebiet.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in L'Aquila und am Gran Sasso.
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