Wer Pescara zum ersten Mal besucht, erwartet vielleicht eine typische italienische Küstenstadt. Was man stattdessen findet, ist ein Ort mit echter Persönlichkeit: eine Stadt, die sich zwischen Adria und den schneebedeckten Gipfeln der Abruzzischen Apenninen aufspannt und dabei weder das eine noch das andere vergisst. Früh morgens, wenn die Fischer am Canale Pescara ihre Netze sortieren und der Dunst noch über dem Wasser liegt, spürt man, dass hier das Leben nicht für Touristen inszeniert wird, sondern einfach stattfindet.
Das Herz der Stadt schlägt in zwei Rhythmen. Auf der einen Seite des Kanals liegt Pescara Vecchia, das ältere, ruhigere Viertel mit dem Geburtshaus von Gabriele D'Annunzio – dem Dichter, der Pescara in die Weltliteratur schrieb. Das Museo Casa Natale di Gabriele D'Annunzio ist heute ein viel besuchter Erinnerungsort, der einen unerwarteten Einblick in das späte 19. Jahrhundert bietet. Auf der anderen Seite liegt das moderne Pescara mit der Piazza della Rinascita, von den Einheimischen schlicht Piazza Salotto genannt, wo abends Familien, Studenten und ältere Herren in einem entspannten Durcheinander zusammenkommen.
Die Lungomare Matteotti, die lange Strandpromenade, ist das soziale Rückgrat der Stadt. Im Sommer verwandelt sie sich in eine endlose Abfolge von Strandbädern, Bars und Liegestühlen, während sie im Frühling und Herbst zum langen Abendspaziergang einlädt, bei dem die untergehende Sonne das Wasser in Orangetöne taucht. Der Strand selbst ist breit, gepflegt und erstreckt sich über mehrere Kilometer – ein Umstand, der Pescara zu einem der beliebtesten Badeorte der Adria-Küste macht.
Kulturell überrascht die Stadt immer wieder. Das Teatro Massimo und das Teatro d'Annunzio bieten ein anspruchsvolles Programm, und das Museo delle Genti d'Abruzzo erzählt mit echter Sorgfalt die Geschichte der Region – von der Antike bis zur Gegenwart. Wer Pescara als Ausgangspunkt nutzt, hat das Glück, binnen kurzer Fahrtzeit sowohl den Gran Sasso als auch die Maiella-Nationalparks zu erreichen, was die Stadt zu einer seltenen Kombination aus Strand- und Bergurlaub macht.
Die Gastronomie folgt der Logik des Ortes: Fisch und Meeresfrüchte dominieren, aber die Küche der Abruzzen – mit Arrosticini, Chitarra-Pasta und Pecorino – ist nie weit. Im Viertel um den Mercato Ittico, den Fischmarkt, findet man die ehrlichsten Restaurants der Stadt, wo der Fang des Tages tatsächlich der Fang des Tages ist.

Museo delle Genti d'Abruzzo
Volkskundemuseum über das bäuerliche und hirtische Abruzzen, im alten Pescara.






