Wer Pescara besucht, landet früher oder später am Lungomare – und bleibt länger als geplant. Die breite Strandpromenade zieht sich kilometerlang entlang der Adriaküste, gesäumt von Pinien, Strandbädern und Cafés, deren Plastikstühle noch vor dem Frühstück in der Sonne stehen. Hier beginnt der Tag mit dem Geruch von Salz und frisch gebackenem Cornetto, und er endet oft erst weit nach Mitternacht, wenn die Discotheken und Strandclubs noch immer Musik über das Wasser schicken.
Die Riviera di Pescara ist kein aufgeräumtes Postkartenmotiv, sondern ein lebendiger Ort mit echtem Charakter. Zwischen den Strandbädern – lokal Stabilimenti balneari genannt – drängen sich Familien, Sportler und Touristen gleichermaßen. Der Viale della Riviera, die Hauptachse parallel zum Meer, ist im Sommer eine einzige Flaniermeile: Eisdielen wechseln sich mit Fischrestaurants ab, Mopeds überholen Radfahrer, und überall hört man das Klacken von Bocce-Kugeln aus dem Schatten der Pinienhaine.
Das Viertel lebt vom Kontrast zwischen entspanntem Strandleben und urbanem Treiben. Wer morgens früh am Wasser joggt, hat die Promenade fast für sich allein – nur Fischer, die ihre Netze sortieren, und Rentner mit Thermoskanne bevölkern dann die Bänke. Gegen Mittag füllt sich der Strand, und die Stabilimenti öffnen ihre Küchen für frittierte Meeresfrüchte und kalten Weißwein. Abends verwandelt sich der Lungomare in eine der beliebtesten Ausgehmeilen der Adria-Küste: Restaurants wie die traditionellen Fischtrattorie nahe der Foce del Fiume Pescara ziehen Einheimische und Besucher gleichermaßen an.
Für Kulturinteressierte lohnt sich der Blick auf das Museo delle Genti d'Abruzzo, das zwar etwas weiter ins Stadtzentrum rückt, aber die Geschichte der Region in direktem Zusammenhang mit der Küste erzählt. Am Strand selbst erinnern Skulpturen und Installationen entlang der Promenade daran, dass Pescara auch die Geburtsstadt von Gabriele D'Annunzio ist – dem Dichter, dessen Werk so sehr von Meer und Leidenschaft durchdrungen ist wie dieser Küstenstreifen selbst.
Das Viertel eignet sich für alle, die das Strandleben in seiner unkompliziertesten Form schätzen: keine Inszenierung, kein Hochglanz, aber echte Atmosphäre und das Beste der abruzzesischen Küche direkt am Wasser.

Riviera di Pescara
Der kilometerlange Sandstrand mit der breiten Stadtpromenade – Pescaras Schaufenster zur Adria.