Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Amsterdam
Vom Dam bis zum Museumplein läufst du eine gute halbe Stunde – das gesamte Pflichtprogramm passt in einen Halbkreis von rund zwei Kilometern.
Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist der Stadtplan selbst. Ab 1613 legten die Amsterdamer drei neue Grachten in konzentrischen Halbkreisen um die mittelalterliche Stadt – Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht –, nach außen vor den älteren Singel, der die Stadt seit dem 15. Jahrhundert als Stadtgraben umschloss. Sie verbanden die neuen Kanäle mit Querkanälen und verkauften die Parzellen am Ufer stückweise. Weil die Abgaben nach Fassadenbreite berechnet wurden, entstanden Häuser, die vorn schmal und hinten tief sind, mit Lastenhaken unter dem Giebel, über die bis heute Möbel durchs Fenster gehievt werden. Der teuerste Abschnitt ist die Gouden Bocht an der Herengracht zwischen Leidsestraat und Vijzelstraat, wo Kaufleute doppelte Parzellen kauften und Sandsteinfassaden statt Backstein aufziehen ließen. Seit 2010 steht der Grachtengürtel auf der UNESCO-Welterbeliste.
An der Prinsengracht sieht das Anne Frank Huis von außen aus wie jedes zweite Haus der Straße, und genau das war der Punkt. Hinter dem Vorderhaus, in dem die Firma von Otto Frank arbeitete, verbargen sich von Juli 1942 bis August 1944 acht Menschen im Hinterhaus – gut zwei Jahre, getrennt vom Rest der Welt durch ein Bücherregal vor der Tür. Der Rundgang führt durch die leer belassenen Räume, vorbei an den Bleistiftstrichen, mit denen die Körpergrößen der Kinder an der Tapete markiert wurden, und endet beim originalen Tagebuch. Tickets gibt es ausschließlich online mit festem Zeitfenster – kümmere dich darum, bevor du die Reise buchst, nicht danach. Direkt daneben steht die Westerkerk, deren Turm mit der Kaiserkrone der höchste Kirchturm der Stadt ist und den Anne Frank im Tagebuch schlagen hörte.
Der zweite Schwerpunkt liegt gut einen Kilometer weiter südlich am Museumplein. Das Rijksmuseum, 1885 von Pierre Cuypers als Backsteinpalast gebaut und nach zehn Jahren Umbau 2013 wieder eröffnet, zeigt in der Ehrengalerie das Goldene Zeitalter am Stück: Vermeers Milchmädchen, Frans Hals, Jan Steen – und am Ende der Achse Rembrandts Nachtwache in ihrem eigenen Saal, wo sie seit 2019 im Rahmen der Operatie Nachtwacht in einer gläsernen Kammer vor Publikum restauriert wird. Quer durch das Erdgeschoss führt eine öffentliche Passage, durch die Radfahrer fahren dürfen; das ist keine Kuriosität, sondern das Ergebnis eines jahrelangen Streits mit dem Fahrradverband. Zweihundert Meter weiter hängt im Van Gogh Museum die weltweit größte Sammlung seiner Werke, von den erdfarbenen Kartoffelessern über die Sonnenblumen bis zur Mandelblüte. Nebenan zeigt das Stedelijk moderne Kunst hinter einem weißen Anbau, den in Amsterdam alle die Badewanne nennen.
Im Zentrum bleiben drei Orte, die du zwischen den großen Museen einbaust. Der Dam ist der Platz, an dem die Stadt entstand – hier wurde die Amstel gestaut –, heute gerahmt vom Koninklijk Paleis, das Jacob van Campen ab 1648 als Rathaus der reichsten Handelsstadt Europas errichten ließ, von der Nieuwe Kerk und vom Nationaldenkmal. Ein paar Schritte weiter öffnet sich hinter einer schmalen Pforte am Spui der Begijnhof, ein Wohnhof aus dem 14. Jahrhundert, in dem bis heute gewohnt wird: Rasen, Bänke, zwei Kirchen und das Houten Huys von etwa 1528, eines der beiden ältesten erhaltenen Holzhäuser Amsterdams. Sprich dort leise, es ist ein Wohnhof und kein Museum. Am Singel zieht sich der Bloemenmarkt entlang, wo längst mehr Souvenirs als Blumen verkauft werden – Zwiebeln für den Garten zu Hause lohnen trotzdem – innerhalb der EU brauchst du dafür keine Formalitäten, achte lieber auf die Sortenangabe und die richtige Pflanzzeit, weil viele Stände vor allem Souvenirware verkaufen; das Ausfuhrzertifikat auf der Packung zählt nur für Reisen in Länder außerhalb der EU. Und am Oosterdok schiebt sich das NEMO Science Museum wie ein grüner Schiffsrumpf aus dem Wasser; drinnen wird experimentiert, oben liegt eine frei zugängliche Dachterrasse mit dem besten Blick über den Hafen.















