Stadt · Niederlande

Den Haag

Zwischen dem im Hofvijver gespiegelten Backstein des Binnenhofs und dem Riesenrad über der Nordsee liegen in Den Haag keine zwanzig Tramminuten.

6 Stadtviertel8 Sehenswürdigkeiten5 Hotels
Überblick

Deine Den Haag-Reise auf einen Blick

Beste Zeit
Mai bis September; Strandsaison in Scheveningen im Sommer
Anreise
Per Zug über Amsterdam oder Rotterdam; Den Haag Centraal und Hollands Spoor zentral gelegen
Sprache
Niederländisch; Englisch durchgehend, Deutsch oft verständlich
Vor Ort
Dichtes Tram-Netz, u. a. direkt nach Scheveningen; Zentrum gut zu Fuß
Region
Südholland (Zuid-Holland), Regierungssitz der Niederlande
Über Den Haag

Reisen nach Den Haag

Den Haag regiert die Niederlande, ohne Hauptstadt zu sein. Am Hofvijver spiegelt sich der Binnenhof, seit dem 13. Jahrhundert das politische Zentrum des Landes, und gleich nebenan hängen im Mauritshuis auf zwei Etagen eines Stadtpalais Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring, seine Ansicht von Delft und Rembrandts Anatomie des Dr. Tulp. Ein paar Straßen weiter arbeitet der König im Paleis Noordeinde, am Carnegieplein tagt im Vredespaleis der Internationale Gerichtshof, und über dem Lange Voorhout stehen im Sommer Antiquitätenstände unter den Linden. Das Besondere ist die zweite Hälfte der Stadt: Vom Zentrum bringt dich die Tram in einer knappen Viertelstunde nach Scheveningen, an einen kilometerlangen Nordseestrand mit Pier, Kurhaus und Fischereihafen, und dahinter beginnen Dünengürtel, in denen von der Stadt nichts mehr zu hören ist. Dazu kommen die größte indo-niederländische Gemeinschaft des Landes samt der Esskultur, die daraus entstanden ist, die weltweit umfangreichste Mondrian-Sammlung im Kunstmuseum und ein Zentrum, das du an einem Tag zu Fuß abläufst.

Den Haag – Karte
Reiseführer

Den Haag von A bis Z

Aktualisiert August 2026

Am Hofvijver steht um kurz nach acht ein Reiher regungslos auf der Kaimauer, im Wasser stehen die Backsteintürmchen des Binnenhofs kopf, und aus den Ministerien nebenan treten die ersten Anzugträger mit Pappbechern in die Sonne. Vier Kilometer weiter, hinter einem Dünenriegel, rückt in Scheveningen jemand die Stühle vor einem Strandpavillon zurecht, während die Nordsee grau und breit gegen den Boulevard läuft. Den Haag ist beides am selben Tag, Regierungsstadt und Seebad, und die Tram dazwischen braucht keine zwanzig Minuten.

Sehenswürdigkeiten

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Den Haag

Das historische Den Haag passt in ein Rechteck von gut einem Kilometer Kantenlänge – vom Binnenhof zum Paleis Noordeinde läufst du keine zehn Minuten.

Alles beginnt am Hofvijver, einem rechteckigen Teich mitten im Zentrum, in dem sich der Binnenhof spiegelt. Der Backsteinkomplex entstand im 13. Jahrhundert als Hof der Grafen von Holland und ist seit Jahrhunderten das politische Herz der Niederlande. In seiner Mitte steht frei der Ridderzaal, der Rittersaal mit dem steilen Holzdach und den Rosettenfenstern, in dem traditionell am dritten Dienstag im September, dem Prinsjesdag, die Thronrede verlesen wird. Die Anlage wird seit Jahren von Grund auf saniert, Parlament und Regierung sind währenddessen in Ausweichquartiere gezogen, und die Fertigstellung hat sich mehrfach verschoben – innen ist deshalb nur eingeschränkt etwas zu sehen. Von außen bleibt der Blick über den Teich auf Türmchen, Giebel und Wasserspiegelung trotzdem das Bild, das du aus Den Haag mitnimmst.

An der Ostseite des Teichs steht das Mauritshuis, ein klassizistisches Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert, in dem eine der dichtesten Sammlungen des Goldenen Zeitalters hängt. Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring ist der Grund, aus dem die meisten kommen; in denselben Räumen hängen seine Ansicht von Delft, der Distelfink von Carel Fabritius, Rembrandts Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp und der lebensgroße Stier von Paulus Potter. Das Haus ist klein, zwei Stunden reichen, und genau das ist sein Vorteil: kein Kilometermarsch durch Säle, sondern Meisterwerk neben Meisterwerk in Wohnzimmergröße. Der Eingang liegt unterirdisch unter dem Vorplatz, verkauft werden Zeitfenster-Tickets, und die solltest du vorab buchen statt an der Kasse zu hoffen.

Vom Plein hinter dem Mauritshuis, dem Platz mit dem Standbild Wilhelms von Oranien und den vollen Terrassen, sind es wenige Minuten zum Lange Voorhout. Die breite, doppelt mit Linden bepflanzte Allee ist die eleganteste Adresse der Stadt, gesäumt von Botschaften, Palais und dem Grandhotel Des Indes; in der warmen Jahreszeit bauen hier regelmäßig Antiquitäten- und Büchermarktstände unter den Bäumen auf. An der Nordseite zeigt das Museum Escher in Het Paleis im ehemaligen Winterpalais der Königin Emma die unmöglichen Treppen des Grafikers. Weiter westlich zieht sich die Noordeinde mit Galerien, Antiquariaten und Feinkostläden am Paleis Noordeinde vorbei, dem Arbeitspalast des Königs – das Gebäude selbst ist nicht zu besichtigen, der Palastgarten dahinter aber frei zugänglich und mittags ein stiller Ort.

Drei Adressen außerhalb des Kerns gehören dazu. Am Carnegieplein westlich der Innenstadt steht das Vredespaleis von 1913, finanziert von Andrew Carnegie und heute Sitz des Internationalen Gerichtshofs; von außen jederzeit zu sehen, innen mit einer vorab gebuchten Führung, die vom laufenden Gerichtsbetrieb abhängt, und das Besucherzentrum im Eingangsgebäude steht ohne Eintritt offen. An der Zeestraat versetzt dich das Panorama Mesdag in ein 1881 gemaltes Rundgemälde, das Scheveningen als Fischerdorf zeigt – du stehst auf einer nachgebauten Düne, unter dir liegt echter Sand, und die Illusion hält länger, als du erwartest. Am nördlichen Stadtrand Richtung Küste baut Madurodam die Niederlande im Maßstab 1:25 nach, seit 1952 und zugunsten wohltätiger Zwecke. Wer danach noch Lust hat, geht am Buitenhof durch die Gevangenpoort, das mittelalterliche Gefängnistor, vor dem 1672 die Brüder De Witt gelyncht wurden.

Sehenswürdigkeiten in Den Haag

Alle 8 Sehenswürdigkeiten
Museen & Kunst

Museen in Den Haag von Mondrian bis zur Haager Schule

Die wichtigsten Museen liegen nicht alle im Zentrum – das größte steht in einem gelben Backsteinbau im Nordwesten der Stadt.

Mauritshuis
Mauritshuis

Das Kunstmuseum Den Haag an der Stadhouderslaan ist der Grund, warum Kunstreisende länger als einen Tag bleiben. Der lange, niedrige Bau aus gelbem Backstein war eines der letzten Werke von Hendrik Petrus Berlage und wurde Mitte der 1930er-Jahre fertiggestellt; die Innenhöfe, das getönte Oberlicht und die Kacheln in den Gängen sind selbst Ausstellungsstück. Drinnen hängt die weltweit größte Mondrian-Sammlung, von den frühen Landschaften über die Baumreihen bis zu den Rasterbildern und dem unvollendeten Victory Boogie Woogie, an dem der Maler bis zu seinem Tod arbeitete. Dazu kommen Modesammlung, Delfter Blau und historische Musikinstrumente. Gleich nebenan liegen das Fotomuseum Den Haag und das Museon-Omniversum, sodass sich ein kompletter Museumsvormittag ergibt, ohne dass du die Straßenseite wechselst.

Escher in Het Paleis am Lange Voorhout ist das andere Haus, das auch Menschen überzeugt, die sonst schnell durch Museen gehen. Im ehemaligen Winterpalais der Königin Emma hängen die Lithografien und Holzschnitte von M. C. Escher in chronologischer Folge: die frühen italienischen Landschaften, dann die Metamorphosen, die sich ineinander verwandelnden Vögel und Fische, und schließlich die Treppenhäuser, die in sich selbst zurücklaufen. Die Kronleuchter in den Sälen sind eigens dafür entworfene Objekte, die mit Schädeln, Spinnen und Instrumenten spielen und den Räumen jede Museumsstrenge nehmen. Mit Jugendlichen ist das die sicherste Wahl der Stadt, weil hier niemand erklären muss, warum das interessant ist.

Dahinter beginnt eine Reihe kleiner Häuser, für die die meisten Besucher nie Zeit finden und die zusammen das eigentliche Den Haag ergeben. In der Mesdag Collectie an der Laan van Meerdervoort hängt die Privatsammlung des Malers Hendrik Willem Mesdag in seinem eigenen Wohnhaus, mit Werken der Haager Schule und der französischen Schule von Barbizon nebeneinander. Das Museum Bredius am Hofvijver zeigt Altmeister in einem Grachtenhaus, das Haags Historisch Museum am Korte Vijverberg erzählt die Stadtgeschichte in einem Gebäude der Schützengilde. Und draußen an der Küste steckt Beelden aan Zee mit seiner Skulpturensammlung halb in der Düne neben einem königlichen Pavillon – oben auf dem Boulevard stehen dazu die verspielten Märchenfiguren von Tom Otterness.

Zwei praktische Punkte machen den Unterschied. Erstens die Öffnungstage: Mehrere Häuser haben einen Ruhetag oder öffnen an einem Wochentag erst mittags, und wer seinen Museumstag ohne Blick auf die Website plant, steht schnell vor verschlossenen Türen – prüfe das für Mauritshuis, Kunstmuseum und Escher gleich zusammen. Zweitens die Wege: Zentrum und Kunstmuseum liegen rund drei Kilometer auseinander, dazwischen fahren Trams, und wer beides an einem Vormittag schaffen will, sollte die Fahrtzeit einplanen statt zu laufen. Wer Autos mag, hängt das Louwman Museum am nördlichen Stadtrand an, eine der ältesten privaten Fahrzeugsammlungen der Welt, für die du allerdings einen eigenen halben Tag brauchst.

Strand & Küste

Scheveningen, der Strand von Den Haag und die Dünen dahinter

Scheveningen ist kein Ausflugsziel, sondern ein Stadtteil von Den Haag – und die Tram dorthin braucht vom Zentrum eine knappe Viertelstunde.

Der Strand ist breit, hell und kilometerlang, und dahinter läuft ein Boulevard entlang, der bei einem großen Umbau als steinerne Deichkante neu angelegt wurde – Promenade und Küstenschutz in einem Bauwerk. Der auffälligste Punkt ist der Pier, eine Seebrücke, die über die Brandung hinausragt und auf ihrem Kopf ein Riesenrad und einen Turm für Bungeesprünge trägt. Für ihn ist allerdings eine mehrjährige Generalsanierung beschlossen: Auf den beiden Ebenen darunter läuft bis auf Weiteres nur ein reduziertes Zwischenprogramm mit temporärer Gastronomie und wenigen Läden, deshalb lohnt vor der Reise ein Blick darauf, was gerade geöffnet ist. Ein paar hundert Meter südlich steht das Kurhaus, ein Grandhotel mit Kuppeln und ausgemaltem Kurzaal: 1885 eröffnet, im Jahr darauf bis auf die Grundmauern abgebrannt und 1887 in fast identischer Form wieder aufgebaut. Aufgetreten ist hier über die Jahrzehnte fast alles, was Rang hatte – die Rolling Stones brachen im August 1964 nach wenigen Minuten im Tumult ab, und die Geschichte erzählt man sich in der Stadt bis heute.

Die andere Seite von Scheveningen ist der Hafen, und die ist interessanter als der Boulevard. Hier laufen bis heute Fischkutter ein, hier stehen Kühlhallen und die Fischauktion, und hier essen die Haager selbst. Wer am Vormittag über die Dr. Lelykade geht, sieht, wie die Kisten von den Booten in die Hallen wandern, während gegenüber die ersten Fritteusen anlaufen und es nach heißem Öl und Salzwasser riecht; welche Adressen dort etwas taugen, steht weiter unten im Abschnitt zu Restaurants. Im Juni feiert Scheveningen mit dem Vlaggetjesdag den ersten Hollandse Nieuwe der Saison, mit beflaggten Loggern im Hafen, Musik an der Kade und einem Gedränge, das mit einem normalen Sommertag nichts zu tun hat.

Hinter dem Sand beginnt der Teil, den Tagesgäste übersehen. Das Westduinpark zieht sich als Natura-2000-Dünengebiet zwischen Scheveningen und Kijkduin hin, mit sandigen Pfaden, Sanddorn und Kaninchen, und nördlich davon liegt Meijendel, ein weites Dünental, das seit Generationen zur Trinkwassergewinnung gehört und in dem du auf einer Stunde Weg niemandem begegnen musst. Kijkduin selbst ist die kleinere, ruhigere Badealternative im Südwesten der Stadt, ein Fußweg durch die Dünen verbindet beide Orte. Im Wasser ist die Nordsee ehrlich kühl: Im Spätsommer klettert sie in die Nähe von 18 bis 19 Grad, im März und April liegt sie erst bei etwa sechs bis neun Grad und im Mai bei elf bis zwölf, und der Wind ist fast immer da. Genau deshalb ist der Strand ein Revier für Kite- und Wellenreiter statt für Sonnenliegen.

Ein paar praktische Dinge sparen dir den Ärger. An Sommerwochenenden ist das Parken in Scheveningen mühsam und teuer, während die Tram aus dem Zentrum durch die Scheveningse Bosjes fährt und dich direkt an den Boulevard bringt – nimm sie. Die Strandpavillons arbeiten überwiegend saisonal, und ein Teil von ihnen wird im Herbst abgebaut; außerhalb der Saison bleibt der Strand trotzdem der beste Spaziergang der Stadt, weil die Küste hier nach Nordwesten schaut und die Sonne im Sommerhalbjahr übers Wasser untergeht. Und ein Detail für Sprachneugierige: Die Aussprache von Scheveningen galt im Zweiten Weltkrieg als Erkennungszeichen – wer den Namen sauber herausbrachte, war Niederländer.

Aktivitäten & Touren in Den Haag

Städtereise & Rundgang

Den Haag in zwei Tagen vom Binnenhof bis nach Scheveningen

Zwei Tage sind für Den Haag die richtige Länge, weil einer für die Stadt draufgeht und einer für das Meer.

Starte am ersten Morgen am Hofvijver, solange die Spiegelung im Wasser noch ohne Wind auskommt, und laufe einmal um den Teich herum bis zum Buitenhof. Danach ins Mauritshuis, möglichst zur Öffnungszeit mit vorab gebuchtem Zeitfenster – vor Vermeer bildet sich mit jeder Stunde eine dichtere Traube. Zwei Stunden später kommst du auf dem Plein wieder heraus, trinkst dort einen Kaffee auf der Terrasse zwischen Ministerien und Abgeordneten und gehst anschließend durch die Gevangenpoort, wenn dich die andere, unangenehmere Seite der Stadtgeschichte interessiert. Bis hierhin bist du keine 800 Meter gelaufen, und das bleibt den ganzen Tag so.

Der Nachmittag gehört dem Lange Voorhout und dem Noordeinde. Erst die Lindenallee mit Escher in Het Paleis, dann durch die Hoogstraat hinüber zum Paleis Noordeinde, wo du dich in den frei zugänglichen Palastgarten setzt, während vorne der Verkehr an der Reiterstatue vorbeirollt. Die Noordeinde selbst ist die Einkaufsstraße für alles, was nicht Kette ist: Antiquariate, Galerien, kleine Manufakturen. Zum Einkaufen im großen Stil biegst du stattdessen in die Grote Marktstraat mit De Bijenkorf und in die überdachte Passage aus den 1880er-Jahren ab, die älteste Einkaufspassage der Niederlande. Den Abend verbringst du am Grote Markt, wo die Terrassen bis spät voll sind, oder ruhiger an der Denneweg mit ihren Antiquitätenläden und Weinbars.

Der zweite Tag beginnt im Nordwesten. Fahr mit der Tram zum Kunstmuseum Den Haag, nimm dir zwei Stunden für Berlages Bau und die Mondrian-Säle, und lauf danach die Frederik Hendriklaan im Statenkwartier entlang, wo das Viertel seine Bäckereien, Käseläden und Terrassen hat. Von dort ist es nicht mehr weit an die Küste: Wer mit Kindern reist, schiebt Madurodam dazwischen, alle anderen fahren direkt nach Scheveningen. Dort erst der Boulevard und der Pier, dann durch das Westduinpark oder nach Norden Richtung Meijendel in die Dünen, und zum Abschluss ins Hafenviertel an der Dr. Lelykade, wo der Fisch am ehrlichsten auf den Teller kommt.

Wer nur einen Tag hat, streicht das Kunstmuseum und macht daraus Mauritshuis am Vormittag, Mittagspause am Plein, Nachmittag in Scheveningen – das funktioniert, lässt aber die Hälfte weg. Bei drei Tagen hängst du einen Ausflug an: Delft liegt gut zehn Zugminuten entfernt, Leiden rund eine Viertelstunde, Rotterdam etwa 25 Minuten. Bei Regen kippst du den Plan um und reihst Museen aneinander, Mauritshuis, Escher, Panorama Mesdag und Kunstmuseum liegen alle in Tramnähe. Und mit kleinen Kindern kehrst du die Reihenfolge um: erst Strand oder Madurodam, solange die Geduld reicht, und die Museen danach in kleiner Dosis.

zoomen mit KlickSehenswürdigkeitenErlebnisse
Stadtviertel

Den Haags Stadtviertel vom Centrum bis zur Schilderswijk

Den Haag ist weitläufiger, als es sich anfühlt, und die Unterschiede zwischen den Vierteln fallen deutlicher aus, als die kurzen Wege vermuten lassen.

Binnenhof am Hofvijver
Binnenhof am Hofvijver

Das Centrum trägt alles, wofür die Stadt bekannt ist, auf engem Raum: Binnenhof und Hofvijver, Mauritshuis, Plein und Buitenhof, dazu die Einkaufsachse aus Grote Marktstraat, Spuistraat und Venestraat mit der überdachten Passage. Rund um den Grote Markt und den Boterwaag konzentriert sich das Nachtleben, an der Denneweg und am Lange Voorhout die gediegenere Variante mit Antiquitäten, Weinbars und Terrassen unter Bäumen. Am Spui liegt die Nieuwe Kerk, in deren Umfeld der Philosoph Baruch de Spinoza begraben ist, der seine letzten Jahre in einem Haus an der Paviljoensgracht verbrachte. Wer zum ersten Mal kommt und wenig laufen will, wohnt hier und braucht in den ersten beiden Tagen kein Verkehrsmittel.

Nordwestlich schließt das Statenkwartier an, eines der vornehmsten Viertel der Stadt, mit breiten Alleen, Erkern und vielen Jugendstil- und Art-déco-Fassaden. Hier liegen das Kunstmuseum Den Haag, das Fotomuseum und das Museon-Omniversum, und die Frederik Hendriklaan ist eine der wenigen Einkaufsstraßen, die noch überwiegend inhabergeführt funktioniert. Ähnlich ruhig, aber näher am Zentrum liegt die Archipelbuurt, oft Indisches Viertel genannt, deren Straßen nach Inseln und Orten des früheren Niederländisch-Ostindien benannt sind – Java, Banka, Bali, Sumatra. Zwischen stattlichen Neorenaissance-Häusern findest du an der Bankastraat und der Javastraat Feinkost, Buchläden und kleine Cafés statt Filialen.

Das Zeeheldenkwartier nordwestlich der Innenstadt ist der eigensinnige Gegenentwurf und für viele der angenehmste Teil der Stadt zum Bummeln. Benannt nach niederländischen Seehelden, geprägt von der Prins Hendrikstraat und der Piet Heinstraat, reihen sich hier unabhängige Läden, Plattenhändler, Galerien und Cafés aneinander, in denen nachmittags Nachbarschaft statt Reisegruppe sitzt. Es ist zugleich das Viertel, das dem Vredespaleis am Carnegieplein am nächsten liegt und in dem sich der Weg vom Zentrum an die Museumsachse fast von selbst ergibt. Preise und Publikum liegen erkennbar unter denen der Innenstadt, ohne dass du weiter als einen Kilometer vom Binnenhof entfernt wärst.

Zwei Viertel schließlich brechen mit dem Bild von Den Haag als Beamten- und Diplomatenstadt. Die Schilderswijk südwestlich der Innenstadt, benannt nach Malern des Goldenen Zeitalters, ist dicht bebaut und international geprägt wie kein anderes Quartier des Landes; Menschen aus rund 120 Nationen leben hier, und wer offen dafür ist, kommt wegen der türkischen Bäckereien, der marokkanischen Teehäuser und der surinamisch-hindustanischen Küchen, nicht wegen Sehenswürdigkeiten. Gleich daneben, im angrenzenden Transvaal, findet an mehreren Tagen der Woche die Haagse Markt statt, einer der größten Freiluftmärkte Europas. Und Scheveningen im Nordwesten ist das komplette Gegenprogramm zum Rest der Stadt: Seebad, Hafen, Dünen und ein Publikum, das sich mit der Saison komplett austauscht.

Übernachten

Hotels in Den Haag und die passende Lage für deinen Aufenthalt

Die erste Entscheidung in Den Haag ist nicht die Kategorie, sondern die Frage, ob du morgens auf Backstein oder auf Wasser schaust.

Die klassische Adresse der Stadt ist das Hotel Des Indes am Lange Voorhout, ein Palais aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das seit den 1880er-Jahren als Grandhotel arbeitet und heute zur Luxury Collection gehört. Die Lobbyhalle mit Säulen und Galerie ist der Teil, den man auch als Nichtgast einmal betreten sollte, und die Gästeliste des Hauses reicht von Diplomatie bis Bühne – die russische Ballerina Anna Pawlowa starb hier 1931. Zwei Ecken weiter liegt das Hotel Indigo The Hague in einem ehemaligen Bankgebäude gegenüber dem Paleis Noordeinde, deutlich kleiner, deutlich verspielter und mit dem kürzesten Weg zu Palastgarten und Antiquariaten. Beide funktionieren als Basis für einen reinen Stadtaufenthalt ohne Verkehrsmittel.

Am Meer sieht die Rechnung anders aus. Das Grand Hotel Amrâth Kurhaus ist das Wahrzeichen von Scheveningen, ein Kurhausbau aus dem späten 19. Jahrhundert direkt an der Promenade, in dem du zum Frühstück auf die Nordsee schaust und abends durch den historischen Kurzaal gehst. Das Inntel Hotels Den Haag Marina Beach steht als Hochhaus am Yachthafen, moderner, mit Pool und Blick über Wasser und Dünen, und liegt genau zwischen Strand und Hafenrestaurants. Wer geschäftlich kommt oder Wert auf Bahnnähe und Aussicht legt, findet mit dem NH Den Haag in den oberen Etagen des World Trade Center eine dritte Variante mit Blick über die flache Stadt bis zur Küste.

Beim Preis funktioniert Den Haag anders als Amsterdam, und das lässt sich ausnutzen. Die Stadt lebt von Ministerien, Botschaften, internationalen Gerichten und Kongressen, also von Gästen, die unter der Woche anreisen – Zimmer im Zentrum sind von Montag bis Donnerstag häufig teurer als am Wochenende, und wer freitags bis sonntags bucht, zahlt oft spürbar weniger. In Scheveningen dreht sich das Bild im Sommer um: Dort ziehen die Raten mit der Strandsaison und an schönen Wochenenden an. Wer flexibel ist, kombiniert beides und legt den Städtetrip auf ein Wochenende außerhalb der Hochsommermonate.

Drei Punkte solltest du vor der Buchung klären. Erstens das Auto: Hotels im Zentrum haben selten eigene Stellplätze, die Parkhäuser sind teuer, und die ausgeschilderten Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand mit Anschluss an Tram und Bahn sind für mehrere Tage fast immer die vernünftigere Lösung. Zweitens die Lage zur Tram: Den Haag ist zu groß, um alles zu Fuß zu machen, und ein Zimmer zwei Minuten von einer Haltestelle ist mehr wert als eines mit fünf Metern mehr Grundfläche. Drittens die Kurtaxe, die auf die Zimmerrechnung aufgeschlagen wird und auf Buchungsportalen oft nicht im angezeigten Preis steckt – lass im Budget etwas Luft.

Hotels in Den Haag

Alle 5 Hotels

Ferienhäuser & Villen mit Pool

Die beliebteste Wahl in der Region — privates Ferienhaus oder Villa mit Pool, oft mitten in den Weinbergen.

Agriturismi & Weingüter

Urlaub auf dem Land: übernachten auf einem Weingut oder Bauernhof, mit Wein und Öl aus eigener Ernte.

Essen & Trinken

Restaurants in Den Haag zwischen Rijsttafel und Nordseefisch

In keiner anderen niederländischen Stadt isst du so selbstverständlich indonesisch wie hier, und der Fisch kommt aus einem Hafen im eigenen Stadtgebiet.

Die indonesische Küche ist in Den Haag kein exotisches Angebot, sondern Alltag. Mit der Unabhängigkeit Indonesiens kamen Zehntausende Rückkehrer und indo-europäische Familien in die Stadt, und ihre Esskultur ist geblieben. Das zeigt sich am deutlichsten in der Rijsttafel, dem Reistisch aus vielen kleinen Schüsseln, bei dem Rendang, Satay, Sambal Goreng, gebratene Erdnüsse und süße Bananen gleichzeitig auf den Tisch kommen und man sich quer durchprobiert. Wichtig ist nur, dass ihr zu zweit oder mehr seid, weil sich eine Rijsttafel allein nicht lohnt. Den Alltag dahinter siehst du in den Toko-Läden, in denen Sambal, Krupuk und fertige Gewürzpasten regalmeterweise stehen, und in den kleinen Warungs, in denen mittags eine Portion Nasi über die Theke geht. Auf ein Festival solltest du dagegen nicht bauen: Die Tong Tong Fair, die das Malieveld jahrzehntelang im späten Frühjahr füllte, findet nach der Insolvenz ihrer Trägerstiftung nicht mehr in dieser Form statt – wer wegen eines indo-niederländischen Termins anreist, prüft vorher, was in dem Jahr tatsächlich stattfindet und wo.

Die zweite Konstante ist der Fisch, und der kommt aus Scheveningen. Im Hafen an der Dr. Lelykade sitzen die Adressen, an denen sich nichts um Deko dreht. Simonis aan de Haven verkauft Kibbeling und Lekkerbek im Papier, oft mit Schlange vor der Theke und trotzdem schnell; Catch by Simonis ist die gesetztere Schwester mit Tellergerichten, Weinkarte und Blick auf die Kutter; De Dagvisser bezieht seinen Fisch täglich von der Auktion nebenan. Dazu die Klassiker, die du an jedem Stand bekommst: Hollandse Nieuwe, den man am Schwanz anhebt und von unten isst, Kibbeling mit Knoblauchsauce, gebackene Scholle. Wer nur einmal in Scheveningen isst, tut es hier und nicht auf dem Boulevard.

Für den ambitionierten Abend hat die Stadt ihre eigenen Adressen. Calla's trägt seit Jahren einen Michelin-Stern und kocht klassisch französisch geprägt in einem kleinen, sehr ruhigen Raum – hier reservierst du am besten schon vor der Abreise. Restaurant Zheng geht in die andere Richtung: moderne chinesische Küche, serviert als Menü in mehreren Kapiteln, das die klassische Kantonküche in kleine, sehr präzise Gänge zerlegt; auch dieses Haus ist klein, reserviere früh. Eine Etage darunter, aber mit derselben Sorgfalt, arbeiten die Bib-Gourmand-Adressen der Stadt: Restaurant ñ als laute, spanisch-mediterrane Tapasküche und Basaal an einer Grachtenkade, das modern niederländisch mit kurzen Karten kocht und zugleich als Weinbar funktioniert. Alle laufen abends voll, und in den Niederlanden wird früh gegessen: Der übliche Beginn liegt zwischen 18 und 19 Uhr, wer um halb neun losgeht, findet manche Küche schon geschlossen.

Bleiben zwei Dinge, die den Tag hier anders strukturieren als zu Hause. Zwischen Nachmittag und Abendessen liegt die Borrel: Auf den Terrassen am Plein, am Grote Markt und an der Denneweg stehen ab dem späten Nachmittag Bier, Wein und Schälchen mit Bitterballen auf den Tischen, und das ersetzt in vielen Fällen die Vorspeise. Und dann ist da die Süßigkeit, die nach der Stadt heißt: Haagse Hopjes, harte Karamellbonbons mit Kaffeegeschmack, angeblich im 18. Jahrhundert nach einem Baron Hop benannt, der seinen gesüßten Kaffee zu lange auf dem Ofen stehen ließ. Sie liegen in jedem Süßwarenladen und sind das einzige Mitbringsel aus Den Haag, das nicht nach Souvenirshop schmeckt.

Restaurants in Den Haag

Anreise & vor Ort

Anreise nach Den Haag aus Deutschland und unterwegs mit Tram und Rad

Aus Deutschland fährt in der Regel kein Direktzug bis Den Haag, dafür bist du nach einem einzigen Umstieg da.

Mit der Bahn läuft die Anreise fast immer über Utrecht. Der ICE aus Frankfurt und dem Rheinland fährt über Arnheim und Utrecht nach Amsterdam, du steigst in Utrecht Centraal aus und nimmst einen der Intercity-Züge nach Den Haag Centraal; die Anschlussfahrt dauert knapp 40 Minuten. Aus dem Norden Deutschlands geht es über Amsterdam, aus Richtung Belgien über Rotterdam. Die Stadt hat zwei große Bahnhöfe: Den Haag Centraal liegt östlich der Innenstadt und ist der wichtigere Knoten für Intercity, Tram und die RandstadRail, Den Haag HS – Hollands Spoor – liegt südlich davon in einem historischen Empfangsgebäude. Vom Centraal läufst du in gut zehn Minuten zum Binnenhof.

Mit dem Auto kommst du aus Nordrhein-Westfalen über die A3 und die niederländische A12, die praktisch bis vor die Stadt führt; aus dem Ruhrgebiet solltest du je nach Verkehr mit rund drei Stunden rechnen. Maut fällt in den Niederlanden nicht an, dafür gilt auf Autobahnen tagsüber ein niedrigeres Tempolimit als in Deutschland, die Kontrolldichte ist hoch, und Bußgelder werden zuverlässig zugestellt. In der Innenstadt ist der Wagen dann Ballast: Straßenparken gehört zu den teuersten Posten des Tages, Parkhäuser sind begrenzt, und die ausgeschilderten Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand mit direktem Anschluss an Tram oder Bahn sind die deutlich entspanntere Wahl. Nach Scheveningen fährst du an Sommerwochenenden besser gar nicht erst mit dem Auto.

Per Flug landest du auf Schiphol, dem großen Drehkreuz zwischen Amsterdam und Leiden, von dem aus direkte Züge in rund einer halben Stunde nach Den Haag Centraal fahren – die Bahnsteige liegen unter der Ankunftshalle, du brauchst also keinen Transferbus. Der kleine Flughafen Rotterdam The Hague im Süden trägt Den Haag im Namen, spielt für Reisende aus Deutschland aber kaum eine Rolle. Für die Rückreise gilt dasselbe wie überall in den Niederlanden: Plane an Schiphol großzügig, die Sicherheitskontrolle ist der Engpass, und aus Den Haag bist du in dreißig bis vierzig Minuten dort.

Vor Ort ist Den Haag eine Tramstadt. Das Netz der HTM zieht sich durch alle Viertel, Richtung Küste fahren mehrere Linien bis an den Boulevard von Scheveningen, und die RandstadRail verbindet die Stadt mit Rotterdam und Zoetermeer. Ein Ticket am Schalter brauchst du nicht: Wie im ganzen Land checkst du mit einer kontaktlosen Bank- oder Kreditkarte beim Einsteigen ein und beim Aussteigen wieder aus – das Auschecken nicht vergessen, sonst wird der Höchstbetrag abgebucht. Die zweite Möglichkeit ist das Rad. Den Haag ist flach, breit angelegt und durchgehend mit eigenen Radwegen ausgestattet, und die Strecke vom Zentrum durch die Scheveningse Bosjes ans Meer ist eine der angenehmsten Stadtausfahrten der Niederlande.

Mietwagen

Die schönsten Orte liegen abseits von Bahn und Bus — mit dem Mietwagen bist du flexibel.

Ausflüge in die Randstad

Ausflüge ab Den Haag nach Delft, Leiden und Rotterdam

Von Den Haag aus liegen drei sehr unterschiedliche Städte in weniger als einer halben Stunde Bahnfahrt.

Scheveningen und der Pier
Scheveningen und der Pier

Delft ist der naheliegendste Ausflug und mit dem Zug in gut zehn Minuten erreicht. Der Markt wird an einer Seite von der Nieuwe Kerk begrenzt, in deren Gruft die Oranier bestattet sind und deren Turm sich für einen Blick über die Grachtenstadt besteigen lässt; an der anderen Seite steht das Rathaus, und schräg dahinter lehnt sich der Turm der Oude Kerk sichtbar aus dem Lot. Vermeer lebte und arbeitete hier, ein eigenes Zentrum erzählt seine Geschichte an Originalschauplätzen, und in der Manufaktur De Porceleyne Fles wird bis heute Delfter Blau von Hand bemalt. Ein halber Tag reicht, ein ganzer ist angenehmer, weil die Grachten hier schmaler und stiller sind als in Amsterdam.

Leiden liegt in der anderen Richtung, rund eine Viertelstunde nördlich, und ist die älteste Universitätsstadt der Niederlande. Die Stadt hat mehr Grachtenkilometer, als du an einem Tag ablaufen kannst, dazu das Rijksmuseum van Oudheden mit ägyptischen Sammlungen, das Museum De Lakenhal zur Tuchmacherstadt und den Hortus botanicus, einen der ältesten botanischen Gärten Europas, in dem im 16. Jahrhundert die ersten Tulpenzwiebeln des Landes gepflanzt wurden. Im Frühjahr ist Leiden zugleich das Tor zur Bollenstreek mit ihren Blumenfeldern und dem Keukenhof, der nur wenige Wochen zwischen Spätwinter und Mai geöffnet ist – wer zur Tulpenblüte kommt, plant diesen Tag früh ein.

Rotterdam ist mit dem Intercity in etwa 25 Minuten da und der schärfste Kontrast, den die Provinz zu bieten hat. Wo Den Haag Backstein, Diplomatie und Dünen ist, ist Rotterdam Hafen, Hochhaus und Nachkriegsarchitektur: die gewölbte Markthal mit ihrem bemalten Innenraum, die gekippten Würfel der Kubuswoningen, die Erasmusbrücke über die Maas und das spiegelnde Depot des Museums Boijmans Van Beuningen, in dem das komplette Depot begehbar ist. Zwischen beiden Städten fährt neben dem Intercity auch die RandstadRail, was den Tag flexibel macht. Wer noch weiter will, erreicht Gouda mit seinem Käsemarkt und die Windmühlen von Kinderdijk ebenfalls als Tagesausflug.

Für die grüne Variante musst du gar nicht aus der Stadt heraus. Im Landgut Clingendael im Nordosten liegt ein japanischer Garten, der wegen seiner empfindlichen Moose und Bauten nur wenige Wochen im Frühjahr und kurz im Herbst geöffnet ist – wer den Zeitraum trifft, sieht einen der ungewöhnlichsten Gärten Europas. Der Westbroekpark zwischen Zentrum und Scheveningen trägt ein großes Rosarium, das im Hochsommer in voller Blüte steht, und der Haagse Bos zieht sich als Waldband bis an das königliche Huis ten Bosch heran. Zusammen mit Westduinpark und Meijendel ergibt das eine Stadt, in der du an jedem Tag ohne Zugticket ins Grüne kommst.

Praktische Tipps

Praktische Tipps für Den Haag, die den Städtetrip einfacher machen

Die meisten Enttäuschungen in Den Haag entstehen an einem geschlossenen Museumstag oder an einem Kartenleser, der kein Bargeld nimmt.

Vredespaleis
Vredespaleis

Buche vor der Abreise, was sich vorher buchen lässt. Das Mauritshuis arbeitet mit Zeitfenstern, und die guten Vormittagsslots sind in der Saison früh vergeben; Escher in Het Paleis und das Kunstmuseum lassen sich ebenfalls online sichern. Beim Vredespaleis liegt der Fall etwas anders: Für das Innere gibt es Führungen, die sich online buchen lassen, die aber am laufenden Gerichtsbetrieb hängen und deshalb nicht an jedem Tag angeboten werden – schau früh nach freien Terminen und plane den Rest des Tages darum herum. Wer keinen Platz bekommt, kommt trotzdem hinein: Das Besucherzentrum im Eingangsgebäude ist ohne Anmeldung und ohne Eintritt zugänglich. Zwei Dinge musst du dabei wissen, sonst stehst du vor der Sicherheitsschleuse: Für die Führung brauchst du ein gültiges Ausweisdokument im Original – ein Foto auf dem Handy reicht nicht –, und Taschen, Kameras und Telefone dürfen nicht mit hinein, dafür gibt es Schließfächer. Restaurants im Zentrum solltest du für Freitag- und Samstagabend ebenfalls reservieren.

Beim Bezahlen funktioniert Den Haag wie der Rest der Niederlande, und das überrascht Deutsche zuverlässig. Viele Cafés, Bäckereien, Läden und Museen nehmen gar kein Bargeld mehr an, das Schild alleen pinnen bedeutet genau das. Gleichzeitig werden reine Kreditkarten nicht überall akzeptiert, weil das Land traditionell auf Debitkarten setzt – eine Debitkarte von Visa oder Mastercard ist die zuverlässigste Lösung und reicht anschließend auch für Tram, Bus und Bahn. Trinkgeld ist unkompliziert: Aufrunden oder ein paar Prozent genügen, eine feste Erwartung wie in manchen anderen Ländern gibt es nicht.

Unterschätze den Wind nicht. Den Haag liegt unmittelbar hinter den Dünen, und die Luft ist an der Küste selbst im Hochsommer ein paar Grad kühler und deutlich bewegter als im Zentrum; eine winddichte Jacke bringt hier mehr als ein Schirm, der am Boulevard ohnehin umklappt. Für den Radweg gilt dasselbe wie im ganzen Land: Er ist eine Fahrbahn, kein Gehweg, und wer darauf stehen bleibt, wird angeklingelt. Beim Queren einer Straße lohnt der Blick in beide Richtungen auch dort, wo kein Auto fahren darf – Radfahrer sind schnell, leise und rechnen nicht mit dir.

Und schließlich der Kalender. Am dritten Dienstag im September, dem Prinsjesdag, fährt der König in der Glaskutsche zur Verlesung der Thronrede und zeigt sich anschließend mit der Familie auf dem Balkon des Paleis Noordeinde – die Innenstadt ist an diesem Tag abgesperrt und voll, für Fotografen aber der Termin des Jahres. Im Juni feiert Scheveningen mit dem Vlaggetjesdag den ersten Hering der Saison, im Dezember steht auf dem Lange Voorhout ein Weihnachtsmarkt unter den Linden. Bei allem, was darüber hinaus im Kalender steht, lohnt der Blick auf die Seite der Veranstalter statt auf ältere Reisetipps – gerade in Den Haag sind in den vergangenen Jahren große Termine verschoben, umbenannt oder ganz gestrichen worden. Prüfe vor der Buchung außerdem, in welche Richtung deine Präferenz geht: Trubel oder eine Stadt, in der du morgens allein am Hofvijver stehst.

Stadtviertel

Die Stadtviertel von Den Haag – und welches zu dir passt

CentrumCentrumHier steht alles, wofür Den Haag bekannt ist, auf einem Quadratkilometer: Binnenhof und Hofvijver, Mauritshuis, Plein und Buitenhof, dazu die Einkaufsachse mit der überdachten Passage aus den 1880er-Jahren. Abends teilt sich das Viertel in den lauten Grote Markt und die gediegene Denneweg.Ideal für: Erste Reise & kurze Wege1–1½ TageScheveningenScheveningenDas Seebad der Stadt mit kilometerlangem Sandstrand, steinerner Boulevardkante, dem Pier samt Riesenrad und dem Kurhaus, das nach dem Brand von 1886 im Jahr darauf neu eröffnet wurde. Hinter der Promenade liegt der Fischereihafen an der Dr. Lelykade mit den ehrlichsten Fischadressen, dahinter beginnen die Dünen des Westduinparks.Ideal für: Strand & Fisch½–1 TagStatenkwartierStatenkwartierBreite Alleen, Erker und viele Jugendstil- und Art-déco-Fassaden machen dieses Viertel im Nordwesten zum elegantesten Wohngebiet der Stadt. Hier stehen das Kunstmuseum Den Haag mit der weltgrößten Mondrian-Sammlung, das Fotomuseum und das Museon-Omniversum, dazu die inhabergeführte Frederik Hendriklaan.Ideal für: Museen & ruhiges Wohnen½ TagZeeheldenkwartierZeeheldenkwartierDas eigensinnige Quartier nordwestlich des Zentrums, benannt nach niederländischen Seehelden. Statt Ketten prägen unabhängige Läden, Plattenhändler, Galerien und Cafés die Prins Hendrikstraat und die Piet Heinstraat, und zum Vredespaleis am Carnegieplein ist es nur ein kurzer Weg.Ideal für: Bummeln & Cafés½ TagArchipelbuurtArchipelbuurtOft Indisches Viertel genannt, weil die Straßen nach Inseln und Orten des früheren Niederländisch-Ostindien heißen – Java, Banka, Bali, Sumatra. Zwischen stattlichen Neorenaissance-Häusern liegen an der Bankastraat und der Javastraat Feinkostläden, Buchhandlungen und kleine Cafés statt Filialen.Ideal für: Ruhe nah am Zentrum2–3 StundenSchilderswijkSchilderswijkDas internationalste Viertel der Niederlande, benannt nach den Malern des Goldenen Zeitalters und Heimat von Menschen aus rund 120 Nationen. Sehenswürdigkeiten gibt es hier kaum, dafür türkische Bäckereien, marokkanische Teehäuser und surinamisch-hindustanische Küchen, und nebenan die riesige Haagse Markt.Ideal für: Essen & Markt2–3 Stunden
Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Den Haag mit Wetter und Strandsaison

Den Haag liegt direkt hinter den Dünen, und der Wind von der Nordsee bestimmt den Tag hier öfter als das Thermometer.

Das Klima in Den Haag ist gemäßigt ozeanisch und durch die unmittelbare Küstenlage noch einmal ausgeglichener als im Landesinneren: milde Winter, die selten dauerhaft unter den Gefrierpunkt gehen, und Sommer, die nur an wenigen Tagen über 25 Grad steigen. Niederschlag verteilt sich über das ganze Jahr, kurze kräftige Schauer sind häufiger als Dauerregen, und der Wind ist der eigentliche Faktor – an der Küste liegt die gefühlte Temperatur regelmäßig mehrere Grad unter dem Messwert. Wichtiger als das Thermometer ist deshalb, was du vorhast: Für Museen und Binnenhof funktioniert das ganze Jahr, für Strand und Dünen zählt die Saison.

Jan7°2°grau und windig, Museumsmonat
Feb7°2°kalt am Meer, günstige Zimmer
Mär10°3°wechselhaft, erste Terrassen
Apr14°5°Tulpenzeit in der Bollenstreek
Mai18°9°lange helle Abende, Terrassensaison
Jun20°12°warm, Vlaggetjesdag im Hafen
Jul22°14°Strandhochsaison, Scheveningen voll
Aug22°14°wärmstes Wasser des Jahres
Sep19°12°mild und ruhig, Prinsjesdag
Okt15°9°klares Licht über den Dünen
Nov11°5°stürmisch, Zeit für Innenräume
Dez8°3°Weihnachtsmarkt am Lange Voorhout

Beste Reisezeit · Balken = Tageshöchstwert

Die beste Reisezeit für Den Haag sind Mai, Juni und September. Dann liegen die Höchstwerte zwischen 18 und 20 Grad, die Terrassen am Plein und am Grote Markt sind bis in den späten Abend besetzt, die Dünen lassen sich ohne Hitze durchwandern, und Scheveningen ist belebt, ohne überfüllt zu sein. Juli und August bringen das wärmste Wasser und die vollsten Strände, dafür die höchsten Zimmerpreise an der Küste. Von November bis Februar bekommst du eine graue, windige, aber sehr günstige Stadt, in der Mauritshuis, Kunstmuseum und Escher ohne Schlange auskommen – und der Strandspaziergang bei Sturm ist dann die eigentliche Attraktion.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Den Haag

Wie viele Tage sollte man für Den Haag einplanen?
Zwei Tage sind die richtige Länge, weil einer für die Innenstadt mit Binnenhof, Mauritshuis, Lange Voorhout und Noordeinde draufgeht und der zweite für Kunstmuseum und Scheveningen. Ein Tag funktioniert als Kurzbesuch, lässt aber entweder die Museen oder das Meer weg. Bei drei Tagen passt ein Ausflug nach Delft, Leiden oder Rotterdam dazu.
Warum ist Den Haag Regierungssitz und nicht Hauptstadt?
Die niederländische Verfassung nennt Amsterdam ausdrücklich als Hauptstadt, weshalb der König dort vereidigt wird. Regiert wird trotzdem in Den Haag: Hier tagen beide Parlamentskammern und das Kabinett, hier steht mit dem Paleis Noordeinde der Arbeitspalast des Königs, und hier sitzen die internationalen Gerichtshöfe. Historisch wuchs die Stadt als Hofsitz der Grafen von Holland, nicht als Handelsstadt.
Kann man den Binnenhof von innen besichtigen?
Derzeit nur sehr eingeschränkt. Der gesamte Komplex wird seit Jahren umfassend saniert, Parlament und Regierung arbeiten in Ausweichquartieren, und die Fertigstellung hat sich mehrfach verschoben. Von außen ist der Binnenhof frei zugänglich, und der Blick über den Hofvijver auf Türmchen und Giebel bleibt das beste Motiv der Stadt. Prüfe kurz vor der Reise, ob Führungen wieder angeboten werden.
Was sollte man im Mauritshuis nicht verpassen?
Neben Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring hängen hier seine Ansicht von Delft, der Distelfink von Carel Fabritius, Rembrandts Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp und der lebensgroße Stier von Paulus Potter. Das Haus ist so kompakt, dass zwei Stunden reichen. Der Eingang liegt unterirdisch unter dem Vorplatz, Tickets gelten für ein Zeitfenster, und die Vormittagsslots sind in der Saison früh vergeben.
Wie kommt man vom Zentrum nach Scheveningen?
Am schnellsten mit der Tram, die vom Zentrum in einer knappen Viertelstunde bis an den Boulevard fährt, mit Halten sowohl am Strand als auch Richtung Hafen. Die schönere Variante ist das Rad, das dich in gut zwanzig Minuten durch die Scheveningse Bosjes ans Meer bringt. Mit dem Auto lohnt sich der Weg an Sommerwochenenden nicht, weil das Parken an der Küste teuer und knapp ist.
Lohnt sich der Friedenspalast von innen?
Wenn du hineinkommst, ja – die Sitzungssäle, die geschenkten Kunstwerke der Mitgliedsstaaten und die Bibliothek erklären die Rolle der Stadt besser als jeder Text. Führungen lassen sich online buchen, sie hängen aber am Gerichtsbetrieb und werden nicht an jedem Tag angeboten. Mitbringen musst du ein gültiges Ausweisdokument im Original, Taschen und Telefone bleiben im Schließfach. Ohne Anmeldung und ohne Eintritt kommst du ins Besucherzentrum im Eingangsgebäude; Fassade, Tor und Park am Carnegieplein sind ohnehin jederzeit zu sehen.
Ist Den Haag für Familien mit Kindern geeignet?
Sehr gut, weil sich Kultur und Strand an einem Tag kombinieren lassen. Madurodam baut die ganzen Niederlande im Maßstab 1:25 nach, Scheveningen liefert breiten Sand, Pier mit Riesenrad und Strandpavillons, und die Dünen im Westduinpark sind ein Spielplatz ohne Eintritt. Escher in Het Paleis funktioniert auch bei älteren Kindern, weil die optischen Rätsel keine Erklärung brauchen.
Wo wohnt man in Den Haag am besten?
Im Centrum, wenn du zum ersten Mal kommst und alles zu Fuß erreichen willst – Binnenhof, Mauritshuis und die Einkaufsstraßen liegen dann vor der Tür. In Scheveningen, wenn Meer und Strandsaison der Hauptgrund der Reise sind. Das Statenkwartier ist die ruhige, elegante Alternative in Museumsnähe, das Zeeheldenkwartier die günstigere mit unabhängigen Läden und kurzem Weg ins Zentrum.
Was isst man in Den Haag typischerweise?
Indonesisch, und zwar als Rijsttafel mit vielen kleinen Schüsseln von Rendang bis Sambal Goreng – die Stadt hat die größte indo-niederländische Gemeinschaft des Landes. Dazu Fisch aus Scheveningen: Hollandse Nieuwe roh mit rohen Zwiebeln, Kibbeling und gebackene Scholle. Als Mitbringsel gibt es Haagse Hopjes, harte Karamellbonbons mit Kaffeegeschmack, die nach der Stadt benannt sind.
Braucht man in Den Haag ein Auto?
Nein, im Gegenteil. Die Innenstadt ist kompakt, das Tramnetz der HTM erreicht alle Viertel bis an den Strand, und Delft, Leiden und Rotterdam liegen zwischen zehn und dreißig Bahnminuten entfernt. Parken im Zentrum und in Scheveningen ist teuer und knapp; wer doch mit dem Auto anreist, stellt es auf einem ausgeschilderten Park-and-Ride-Platz am Stadtrand ab und fährt mit Tram oder Bahn weiter.
Kann man in Scheveningen in der Nordsee baden?
Ja, im Sommer, aber ohne Illusionen über die Temperatur. Das Wasser erreicht seinen Höchststand erst im Spätsommer und liegt dann in der Nähe von 18 bis 19 Grad; im März und April sind es etwa sechs bis neun Grad, im Mai elf bis zwölf. Dafür ist der Strand breit und flach abfallend, und der ständige Wind macht die Küste zu einem der wichtigsten Reviere für Kite- und Wellenreiter in den Niederlanden.
Was kann man in Den Haag bei Regen machen?
Die Stadt ist dafür gut ausgestattet. Mauritshuis, Kunstmuseum Den Haag, Escher in Het Paleis und Panorama Mesdag füllen zusammen mehr als einen Tag und liegen alle in Tramnähe. Dazu kommen die überdachte Passage aus den 1880er-Jahren zum Bummeln, das Museon-Omniversum mit seinem Kuppelkino und die Gevangenpoort für die düstere Stadtgeschichte. Auf den Pier in Scheveningen solltest du dagegen nicht fest bauen: Dort ist eine mehrjährige Sanierung beschlossen, und das Angebot ist bis dahin reduziert.
Lohnt sich Den Haag als Tagesausflug von Amsterdam?
Als Einstieg ja, mit dem Zug bist du in etwa einer Stunde da. Für einen Tag reichen Binnenhof, Mauritshuis und ein Nachmittag in Scheveningen. Wer allerdings zusätzlich das Kunstmuseum mit der Mondrian-Sammlung, die Dünen und ein Abendessen im Hafen mitnehmen will, sollte übernachten – abends leert sich das Zentrum spürbar, und die Zimmerpreise liegen unter denen Amsterdams.

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Was erleben.

Den HaagZwischen dem im Hofvijver gespiegelten Backstein des Binnenhofs und dem Riesenrad über der Nordsee liegen in Den Haag keine zwanzig Tramminuten.

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