◆ REGION · ITALIEN
Basilikata ist das archaische Italien – karg, geheimnisvoll und lange vergessen, der Spann des Stiefels zwischen Kalabrien und Apulien. Ihr Herz ist Matera, dessen Sassi sich als Höhlenstadt über zwei Schluchten staffeln: ein UNESCO-Welterbe, in dem Menschen jahrtausendelang im Tuffstein wohnten, einst „Schande Italiens“ genannt, heute Kulturhauptstadt-Stadt und Filmkulisse für Passionsspiele und James Bond. Im Westen fällt die kurze, dramatische Tyrrhenische Küste bei Maratea steil ins Meer, über der eine riesige Christusstatue die „Stadt der 44 Kirchen“ bewacht. Im Inneren zerklüften die Dolomiti Lucane das Bergland zu Felsnadeln, zwischen denen die Dörfer Castelmezzano und Pietrapertosa kleben und das Volo dell'Angelo am Stahlseil hindurchschießt. Und auf den Teller kommt ein bäuerlicher Süden in Reinform: der knusprige peperone crusco, die würzige lucanische Wurst und der dunkle Aglianico del Vulture vom erloschenen Vulkan.

Kaum ein Ort Italiens hat eine so jähe Wandlung erlebt wie Matera. Über Jahrtausende lebten Menschen in den Sassi, den in den weichen Tuffstein gegrabenen Höhlenwohnungen über der Schlucht der Gravina – eine der ältesten durchgehend bewohnten Siedlungen der Welt. Doch im 20. Jahrhundert wurde die Enge zum Elend: ganze Familien hausten mit ihren Tieren in fensterlosen Grotten, die Kindersterblichkeit war erschreckend. Carlo Levi beschrieb das Leid in „Christus kam nur bis Eboli“, und 1952 ließ der italienische Staat die Sassi räumen und die Bewohner umsiedeln – Matera galt fortan als „vergogna nazionale“, als nationale Schande. Erst Jahrzehnte später kehrte das Leben zurück: 1993 wurden die Sassi UNESCO-Welterbe, 2019 war Matera Europäische Kulturhauptstadt, und die alten Grotten beherbergen heute Höhlenhotels, Restaurants und Museen.
Dass Matera so unverfälscht alt aussieht, machte es zur begehrtesten Kulisse Italiens. Pier Paolo Pasolini drehte hier sein „Erstes Evangelium“, Mel Gibson „Die Passion Christi“, und zuletzt jagte James Bond in „Keine Zeit zu sterben“ über die honigfarbenen Treppengassen – kaum ein anderer Ort lässt sich so glaubhaft in das Jerusalem der Antike verwandeln. Doch wer durch die Sassi steigt, im Morgenlicht über die Schlucht zu den Felsenkirchen blickt und in einer ausgehöhlten casa grotta die Spuren des einfachen Lebens sieht, spürt: Das hier ist keine Kulisse, sondern eine zutiefst menschliche Geschichte aus Stein.
Doch Basilikata – die Römer nannten den Landstrich Lucania – ist weit mehr als Matera. Im Westen drängt sich die nur etwa dreißig Kilometer kurze Tyrrhenische Küste mit Maratea an die Steilhänge des Monte San Biagio, auf dessen Gipfel ein 21 Meter hoher Christus aus Carrara-Marmor über das Meer blickt. Im Zentrum türmen sich die Dolomiti Lucane zu bizarren Sandsteinnadeln auf, zwischen denen Castelmezzano und Pietrapertosa kleben und Mutige am Stahlseil des Volo dell'Angelo durchs Tal sausen. Im Norden ruht der erloschene Vulkan Monte Vulture, an dessen Hängen der kräftige Aglianico-Rotwein reift. Und an der flachen Ionischen Küste erinnern Tempelsäulen bei Metaponto an die griechischen Kolonien der Magna Graecia. travelperfect rät, diese stille Region nicht zu durchhetzen, sondern ihr Tempo anzunehmen – sie gehört noch zu den ehrlichsten Reisezielen Italiens.
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02 · Themen-Routen
Höhlenstadt & Felsenkirchen
Das unbestrittene Zentrum jeder Basilikata-Reise: In Matera steigt man durch die beiden Höhlenviertel Sasso Caveoso und Sasso Barisano, besucht eine eingerichtete casa grotta und die Felsenkirche Santa Maria de Idris, die direkt aus dem Tuffstein wächst. Vom gegenüberliegenden Schluchtrand im Parco della Murgia Materana fällt der Blick zurück auf die ganze Stadt – besonders zum Sonnenaufgang. Zwei bis drei Tage gehören hier dem Verlaufen in den Gassen, einem Brot aus Matera mit Olivenöl und dem Sundowner über der Schlucht.
Tyrrhenische Küste
Basilikatas einziges Stück Tyrrhenisches Meer ist nur rund dreißig Kilometer lang, dafür spektakulär: Steilküsten, versteckte Buchten und die Altstadt von Maratea, die sich an den Hang schmiegt und mit ihren vielen Kapellen den Beinamen „Stadt der 44 Kirchen“ trägt. Über allem thront der weiße Christus Redentore auf dem Monte San Biagio, von dem der Blick über die ganze Küste bis nach Kalabrien reicht. Eine ideale Kontrastetappe zu Matera – Meer und Bergluft nach der Stadt aus Stein.
Lukanische Dolomiten
Im Bergland zwischen Matera und Potenza ragen die Dolomiti Lucane als bizarre Sandsteinnadeln auf. Zwischen ihnen kleben die beiden Felsendörfer Castelmezzano und Pietrapertosa, die zu den schönsten Dörfern Italiens zählen. Verbunden sind sie durch das Volo dell'Angelo, einen „Engelsflug“, bei dem man am Stahlseil über die Schlucht von einem Dorf zum anderen gleitet – und durch den Percorso delle Sette Pietre, einen literarischen Wanderweg. Wer lieber zu Fuß geht, findet hier stille Pfade und Panoramen ohne jeden Andrang.
Vulkan, Wein & Antike
Der unbekanntere Norden und Osten lohnen den Umweg. Am erloschenen Vulkan Monte Vulture liegen die beiden tiefblauen Vulkanseen von Monticchio mit einer Einsiedelei am Ufer; an seinen Hängen reift der dunkle, langlebige Aglianico del Vulture, einer der großen Rotweine Süditaliens, den man in den Kellern um Rionero und Barile verkostet. An der flachen Ionischen Küste erinnern die Tempelsäulen der Tavole Palatine bei Metaponto und das Museum von Policoro an die griechischen Kolonien, die hier vor 2.500 Jahren blühten.
03 · Wann
Basilikata ist eine Region der Gegensätze: Während die kurzen Küsten am Tyrrhenischen und Ionischen Meer mediterran-warm sind, liegt das Landesinnere großteils hügelig bis bergig – Matera auf rund 400 Metern, Castelmezzano über 700, Potenza fast 900 Metern Höhe. Das macht die Sommer im Inneren erträglicher als an den glühenden Küsten Süditaliens, die Winter aber kühl und mitunter schneereich. Frühling und Frühherbst verbinden mildes Wetter, klares Licht über den Sassi und badewarmes Meer – die ideale Zeit für eine Rundreise.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Basilikata ist klein, aber überraschend vielgestaltig – die Wege zwischen der Höhlenstadt Matera, der Tyrrhenischen Küste bei Maratea, den Felsendörfern der Dolomiti Lucane und dem Wein-Vulkan Vulture führen über kurvige Landstraßen und brauchen Zeit. Unser Reiseplaner bringt das in eine sinnvolle Reihenfolge: Er wählt die passende Basis und den richtigen Flughafen (Bari in Apulien für Matera, Neapel oder Lamezia Terme für Maratea), reserviert ein Höhlenhotel in den Sassi zur richtigen Tageszeit für das schönste Licht und verbindet Stadt, Meer und Bergland zu einer stimmigen Schleife. Sag uns, worauf du Lust hast – die archaische Höhlenwelt von Matera, ruhige Badetage über den Steilküsten von Maratea, der Engelsflug über die Lukanischen Dolomiten oder eine Spur Aglianico und Magna Graecia – und travelperfect entwirft daraus einen Tag-für-Tag-Plan mit echten Orten, Wegen und Tischen.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Für Matera allein lohnen sich zwei volle Tage, um die Sassi, die Felsenkirchen und den Blick aus dem Murgia-Park in Ruhe zu erleben. Wer zusätzlich die Tyrrhenische Küste bei Maratea und die Felsendörfer der Dolomiti Lucane sehen möchte, sollte fünf bis sieben Tage einplanen. Basilikata ist klein, doch die kurvigen Bergstraßen verlangen Zeit – wer hetzt, verpasst gerade die stillen Momente, für die diese Region steht.
Der nächste größere Flughafen ist Bari in Apulien, rund 65 Kilometer entfernt. Von Bari fährt die Regionalbahn der Ferrovie Appulo Lucane direkt nach Matera (etwa 1,5 Stunden), zudem gibt es Busverbindungen. Mit dem Mietwagen ist man am flexibelsten, gerade wenn man weitere Orte der Region ansteuert. Matera liegt nicht am italienischen Fernbahnnetz – eine Anreise allein per Hochgeschwindigkeitszug ist nicht möglich.
Für viele ist es das Highlight der Reise. In den restaurierten Grotten der Sassi sind stilvolle Höhlenhotels (alberghi diffusi) entstanden, in denen man im Tuffstein schläft – ein einmaliges Erlebnis mit dickem Gemäuer, das im Sommer kühl und im Winter warm hält. Weil die Zimmerzahl begrenzt und die Nachfrage hoch ist, sollte man früh buchen. Wer auf Komfort wie Aufzüge angewiesen ist, prüft vorab die Lage: Viele Häuser sind nur über Treppen erreichbar.
Für eine Rundreise praktisch ja. Matera selbst erkundet man komplett zu Fuß, und auch nach Bari kommt man per Bahn. Doch die Tyrrhenische Küste bei Maratea, die Felsendörfer der Dolomiti Lucane, das Vulture-Gebiet und die Ionische Küste sind mit öffentlichem Verkehr nur mühsam zu erreichen. Wer mehr als Matera sehen will, ist mit dem Auto deutlich freier – die kurvigen Landstraßen durch die Berge gehören selbst zum Erlebnis.
Das Wahrzeichen der lukanischen Küche ist der peperone crusco – eine getrocknete, knusprig frittierte Paprika aus Senise, die man pur knabbert oder über Pasta streut. Dazu kommen die würzige lucanische Wurst (Lucanica), kräftiges Pane di Matera aus Hartweizen, Pasta wie Strascinati oder Cavatelli mit Kichererbsen und reichlich Schweinefleisch und Pecorino aus dem Bergland. Begleitet wird das vom dunklen, langlebigen Aglianico del Vulture, einem der besten Rotweine Süditaliens.
Der „Engelsflug“ ist eine Seilrutsche zwischen den beiden Felsendörfern Castelmezzano und Pietrapertosa: An einem gesicherten Stahlseil gleitet man im Liegegurt mit hohem Tempo über die Schlucht der Lukanischen Dolomiten – einer der spektakulärsten Zip-Lines Italiens. Betrieben wird die Attraktion saisonal, meist von Frühjahr bis Herbst, mit zwei Streckenrichtungen. Wer es ruhiger mag, wandert stattdessen den literarischen Wanderweg Percorso delle Sette Pietre zwischen den Dörfern.
05 · Weiter im Land
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