Wer Maratea zum ersten Mal von der Küstenstraße aus erblickt, hält unwillkürlich den Atem an: Über dem tiefblauen Tyrrhenischen Meer erhebt sich der Monte San Biagio, und auf seinem Gipfel streckt die weiße Christusstatue – eine der größten Italiens – die Arme aus, als würde sie die gesamte Küste der Basilikata umarmen. Das ist kein Bühnenbild, sondern der alltägliche Anblick dieser kleinen Stadt, die sich über 32 Kilometer Küstenlinie und mehrere Höhenlagen erstreckt.
Maratea ist keine Stadt im klassischen Sinne, sondern ein Geflecht aus Welten: ganz oben das mittelalterliche Borgo mit seinen engen Gassen, dem Palazzo de Lieto und der Kirche Santa Maria Maggiore; weiter unten das Marina-Viertel mit dem kleinen Fischerhafen und den bunten Booten; und dazwischen eine Handvoll verstreuter Fraktionen, die alle ihren eigenen Rhythmus haben. Wer früh morgens durch die Altstadt spaziert, wenn die Gassen noch im Schatten liegen und das Meer in der Ferne silbern glänzt, begreift sofort, warum Reisende aus ganz Europa immer wieder hierher zurückkehren.
Die Küste selbst ist das eigentliche Herz Maratas. Zwischen den Stränden Fiumicello und Spiaggia Nera wechseln sich schwarze Felsformationen, versteckte Buchten und kristallklares Wasser ab. Bootsverleihe am Hafen ermöglichen es, Grotten wie die Grotta delle Meraviglie auf eigene Faust zu erkunden – eine Höhle, deren Stalaktiten im Lichtschein der Lampen wie Edelsteine funkeln. Wer lieber taucht, findet vor Maratea eines der artenreichsten Unterwasserreviere des Tyrrhenischen Meeres.
Das Essen in Maratea folgt den Jahreszeiten und dem Fang des Tages. In den Trattorie der Altstadt und am Hafen kommen frischer Schwertfisch, Muscheln und die lokale Pasta mit Peperoncino auf den Tisch – schlicht, ehrlich und mit dem Selbstbewusstsein einer Küche, die keine Trends braucht. Die Basilikata ist eine der am wenigsten besuchten Regionen Italiens, und genau das spürt man in Maratea: keine überfüllten Piazze, keine Souvenirläden an jeder Ecke, dafür echte Begegnungen und ein Tempo, das man sich in anderen Küstenorten Italiens längst abgewöhnt hat.







