◆ REGION · ITALIEN
Die Emilia-Romagna ist Italiens Speisekammer – und sie macht kein Geheimnis daraus. Entlang der schnurgeraden Via Emilia, die römische Legionen 187 v. Chr. anlegten, reihen sich die Genuss-Hauptstädte wie an einer Schnur: Parma mit seinen Parmesan-Käsereien und Schinkenkellern, Modena mit Balsamico-Dachböden und Ferrari-Rot, Bologna mit Türmen, Arkaden und der ältesten Universität Europas. Wer der Straße bis ans Meer folgt, steht in Ravenna vor byzantinischen Mosaiken, die seit 1.500 Jahren golden leuchten, und schließlich am 15 Kilometer langen Strand von Rimini, wo Federico Fellini geboren wurde. Dazwischen: die Este-Stadt Ferrara hinter intakten Renaissance-Mauern, das stille Po-Delta – und auf den Tellern Tortellini in brodo, Tagliatelle al ragù und perlender Lambrusco.

Alles an dieser Region ordnet sich einer Straße unter: der Via Emilia, die der römische Konsul Marcus Aemilius Lepidus 187 v. Chr. von Rimini nach Piacenza anlegen ließ und die der Region bis heute den Namen gibt. An ihr wuchsen die Städte wie Perlen an einer Schnur – allen voran Bologna, »la Dotta, la Grassa, la Rossa«: die Gelehrte, deren Universität seit 1088 lehrt und damit die älteste Europas ist; die Fette, deren Quadrilatero-Gassen nach Mortadella und frischer Pasta duften; die Rote, deren Ziegeldächer man vom fast 100 Meter hohen Torre degli Asinelli überblickt. Rund 62 Kilometer Laubengänge durchziehen die Stadt – seit 2021 UNESCO-Welterbe –, und der längste von ihnen klettert mit 666 Arkaden hinauf zum Santuario della Madonna di San Luca.
Westlich von Bologna beginnt das Kernland des italienischen Genusses. In den Käsereien um Parma wird frühmorgens Parmigiano Reggiano geschöpft, in den Reifekellern von Langhirano hängen die Prosciutto-Keulen in der Bergluft, und an den Nebelufern des Po reift der Culatello di Zibello. Modena hält dagegen: mit dem traditionellen Aceto Balsamico, der in Familien-Acetaie unter dem Dach mindestens zwölf Jahre durch immer kleinere Holzfässer wandert, mit dem romanischen Welterbe-Ensemble aus Dom, Ghirlandina-Turm und Piazza Grande – und mit Massimo Botturas Osteria Francescana, die zweimal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde. Dass hier auch das Motor Valley dröhnt, passt ins Bild vom Maßlosen: Ferrari in Maranello, Lamborghini in Sant'Agata Bolognese, Ducati in Bologna, Maserati und Pagani vor den Toren Modenas.
Östlich der Wasserscheide beginnt die Romagna, und mit ihr ein anderes Italien. Ravenna war ab 402 n. Chr. Hauptstadt des Weströmischen Reiches, später Residenz Theoderichs und der byzantinischen Statthalter – aus dieser Blüte blieben acht Bauten voller Goldmosaiken, allesamt UNESCO-Welterbe, dazu das Grab Dantes, der hier 1321 starb. Ferrara konserviert hinter neun Kilometern Stadtmauer die Renaissance-Utopie der Este, am besten zu erkunden per Fahrrad wie die Ferraresen selbst. Und an der Adria liegt Rimini, das mehr ist als sein 15-Kilometer-Strand: Der Augustusbogen und die Tiberiusbrücke erzählen von der römischen Kolonie Ariminum, der Tempio Malatestiano von Leon Battista Albertis Renaissance, das Fellini-Museum vom berühmtesten Sohn der Stadt. Ein Stück die Küste hinauf zeichnete Leonardo da Vinci 1502 den Kanalhafen von Cesenatico – heute liegen dort die historischen Segelboote des Schifffahrtsmuseums, und in den Kiosken dampft die Piadina.
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02 · Themen-Routen
Die klassische Achse
Drei Genuss-Hauptstädte an einer Bahnlinie, jede nur rund eine halbe Stunde von der nächsten entfernt: Parma mit Correggios Domkuppel, dem rosa Baptisterium und dem hölzernen Teatro Farnese, Modena mit dem romanischen Welterbe-Trio aus Dom, Ghirlandina und Piazza Grande, schließlich Bologna mit den Due Torri, dem Quadrilatero und den Arkaden bis hinauf nach San Luca. Wer abends gut essen will, reserviert in allen drei Städten – die berühmten Osterien sind Wochen im Voraus ausgebucht.
Hinter die Kulissen
Die Produkte, die die Region weltberühmt machen, entstehen vor den Stadttoren – und fast alle Produzenten öffnen ihre Türen. In den Caseifici um Parma wird der Parmigiano Reggiano frühmorgens geschöpft, also früh aufstehen und vorab anmelden. In Langhirano reifen die Prosciutto-Keulen, an den Po-Ufern um Zibello der Culatello, und in den Acetaie von Modena wandert der traditionelle Balsamico jahrzehntelang durch immer kleinere Fässer. Verkostung inklusive, Mietwagen nötig.
Gold & Renaissance
In Ravenna leuchten die Goldmosaiken von San Vitale und dem Mausoleum der Galla Placidia seit 1.500 Jahren – acht Welterbe-Bauten liegen bequem fußläufig beieinander, dazu das Grab Dantes. Ferrara antwortet mit der Renaissance der Este: Castello Estense mit Wassergraben, Palazzo dei Diamanti und neun Kilometer Stadtmauer, die man wie die Einheimischen per Fahrrad abfährt. Dazwischen liegt das Po-Delta mit der Lagunenstadt Comacchio, ihren Aal-Trattorien und Flamingos in den Salzlagunen.
Motor Valley
Nirgendwo sonst drängen sich die großen Namen des italienischen Motorsports so dicht: In Maranello zeigt das Museo Ferrari die Scuderia-Geschichte, in Modena erzählt das Museo Enzo Ferrari vom Gründer in seinem futuristischen gelben Bau. Lamborghini öffnet Museum und Werk in Sant'Agata Bolognese, Ducati seine Hallen in Borgo Panigale bei Bologna, dazu kommen Maserati in Modena und Pagani vor den Toren der Stadt. Mit dem Mietwagen lässt sich alles an zwei Tagen verbinden.
Adria & Hinterland
Rimini ist mehr als sein 15-Kilometer-Strand: Der Augustusbogen aus dem Jahr 27 v. Chr. und die 2.000 Jahre alte Tiberiusbrücke erzählen vom römischen Ariminum, der Tempio Malatestiano von Albertis Renaissance, und im Castel Sismondo widmet sich das Fellini-Museum dem großen Regisseur. Jenseits der Brücke leuchten die Wandbilder des Borgo San Giuliano. In Cesenatico liegen die historischen Segelboote mit ihren bunten Segeln im Kanalhafen, den Leonardo da Vinci 1502 vermaß – am schönsten im September, wenn das Meer noch warm und die Riviera wieder leer ist.
03 · Wann
Die Emilia-Romagna liegt fast vollständig in der Po-Ebene – mit allem, was deren Kontinentalklima mit sich bringt: schwüle Sommer, neblige Winter und dazwischen zwei lange, milde Idealsaisons. Die Adriaküste folgt ihrem eigenen Kalender: Zwischen Juni und August gehört sie den Badegästen, im September wird sie still und bleibt doch warm. Als Faustregel gilt: Frühling und Herbst für die Städte der Via Emilia und die Verkostungen, der Hochsommer fürs Meer.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Die Emilia-Romagna ist eine Region der Reservierungen: Die Parmigiano-Käsereien schöpfen frühmorgens, Acetaia-Führungen und die berühmten Osterien wollen Wochen im Voraus gebucht sein, und an der Adria entscheidet der Kalender, ob dich leere Strände oder Hochsaison erwarten. Unser Reiseplaner bringt das in eine Reihenfolge, die funktioniert: Er legt die Verkostungstermine zuerst fest, reiht die Städte der Via Emilia in der richtigen Zug-Logik aneinander, sagt dir, wann sich der Mietwagen für Langhirano, Maranello und das Po-Delta lohnt, und plant die Meerestage dorthin, wo sie am schönsten sind. Sag uns, worauf du Lust hast – Käsekeller und Tortellini, Goldmosaiken und Renaissance, Motoren oder Strand – und travelperfect entwirft daraus einen Tag-für-Tag-Plan mit echten Orten, Vierteln und Tischreservierungen.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Für Bologna reichen zwei bis drei Tage, und da Parma, Modena, Ferrara und Ravenna alle per Regionalzug erreichbar sind, deckt schon eine Woche mit Tagesausflügen viel ab. Wer die Käsereien und Acetaie im Umland, das Motor Valley und ein paar Strandtage an der Adria mitnehmen will, sollte zehn Tage bis zwei Wochen einplanen. Die kompakte Geographie entlang der Via Emilia macht die Region zur dankbarsten Rundreise Norditaliens.
Für die Städte nicht: Piacenza, Parma, Modena, Bologna und Rimini liegen an einer Bahnlinie, Ferrara und Ravenna sind von Bologna direkt angebunden. Ein Mietwagen lohnt sich für alles, was vor den Stadttoren liegt – die Parmigiano-Käsereien, die Schinkenkeller von Langhirano, die Acetaie um Modena, Maranello und Sant'Agata Bolognese im Motor Valley sowie das Po-Delta mit Comacchio.
Beides geht nur mit Voranmeldung – am besten einige Tage bis Wochen im Voraus direkt beim Produzenten oder über die Konsortien. Die Käsereien produzieren frühmorgens; wer das Schöpfen der Bruchmasse und das Formen der Laibe sehen will, steht gegen acht oder neun Uhr in der Halle. Acetaia-Besuche in und um Modena sind entspannter getaktet, oft familiengeführt und enden fast immer mit einer Verkostung über mehrere Reifestufen.
Tortellini in brodo, Tagliatelle al ragù – die Bologneser bestellen sie nie als »Spaghetti Bolognese« –, Lasagne verdi und Gnocco fritto zu Salumi-Platten mit Mortadella, Prosciutto und Culatello. In der Romagna übernimmt die Piadina mit Squacquerone-Käse und Rucola, an der Küste der frische Adria-Fisch. Dazu Parmigiano Reggiano in allen Reifestufen, ein paar Tropfen traditioneller Balsamico – und im Glas Lambrusco, Pignoletto oder Sangiovese.
Unbedingt: Rimini war als Ariminum eine bedeutende römische Kolonie, davon zeugen der Augustusbogen und die Tiberiusbrücke, über die noch heute der Verkehr ins Borgo San Giuliano mit seinen Wandbildern rollt. Der Tempio Malatestiano von Leon Battista Alberti gehört zu den Schlüsselbauten der Frührenaissance, und das Fellini-Museum im Castel Sismondo widmet sich dem berühmtesten Sohn der Stadt. Im Frühjahr und Herbst hat man das alles fast für sich.
Bologna ist der Verkehrsknoten der Region: Frecciarossa-Anschluss nach Mailand und Florenz, Flughafen mit Marconi-Express-Anbindung und Regionalzüge in alle Richtungen – ideal, wer viel per Bahn erkunden will. Parma ist die ruhigere, kleinere Alternative mit kurzen Wegen zu Käsereien und Schinkenkellern. Für eine erste Reise spricht das Gesamtpaket für Bologna; Genussreisende mit Mietwagen sind in Parma näher am Produkt.
05 · Weiter im Land
Sag uns, was du suchst — wir entwerfen deine Reise durch die Emilia-Romagna.