Herzogtum, Käselaib und Taktstock eine Stadt, die Kunst und Küche nie getrennt hat
Parma wuchs an der römischen Via Emilia heran, doch sein Selbstbewusstsein verdankt es den Herzögen: 1545 machte Papst Paul III. seinen Sohn Pier Luigi Farnese zum Herzog von Parma und Piacenza, und die Farnese bauten die Stadt zur Residenz aus – mit dem monumentalen Pilotta-Komplex und dem um 1618 errichteten Teatro Farnese, einem hölzernen Hoftheater von atemberaubender Größe. Im 19. Jahrhundert regierte dann Maria Luigia, Napoleons zweite Frau, das kleine Herzogtum von 1816 bis 1847 – die Parmigiani verehren ihre 'Duchessa' bis heute. Sie ließ das Teatro Regio bauen, pflegte die Veilchen von Parma und gab der Stadt jene habsburgisch-französische Eleganz, die man noch immer spürt.
Die zweite Säule des parmigianischen Selbstverständnisses steht in den Reifekellern des Umlands. Südlich der Stadt, in den Hügeln um Langhirano, trocknet der Prosciutto di Parma in der Luft der Apenninentäler; in den Käsereien der Ebene werden jeden Morgen die Laibe des Parmigiano Reggiano geschöpft; an den nebligen Po-Auen bei Zibello reift der Culatello, der König der italienischen Salumi. Seit 2015 trägt Parma den Titel einer UNESCO Creative City of Gastronomy, 2020/21 war es Italiens Kulturhauptstadt – und in den Trattorien der Stadt schmeckt man, dass beides zusammengehört: Tortelli d'erbetta mit brauner Butter, Anolini in brodo, Torta fritta mit hauchdünnem Schinken.
Und dann ist da die Musik. Giuseppe Verdi wurde 1813 in Le Roncole bei Busseto geboren, keine 40 Kilometer entfernt, und Parma betrachtet ihn als Familienmitglied: Jeden Herbst feiert das Festival Verdi seine Opern, und im Teatro Regio sitzt mit dem Loggione ein Publikum, das als das gnadenloseste Italiens gilt. Arturo Toscanini, der Jahrhundertdirigent, kam 1867 im Arbeiterviertel Oltretorrente zur Welt – sein Geburtshaus am Rand des Parco Ducale ist heute ein kleines Museum. Wer Parma verstehen will, geht abends über die Strada Farini, ein Glas Malvasia in Reichweite, und hört einfach zu.
