Dreimal Hauptstadt, einmal Weltkunst wie eine Lagunenstadt zum Tresor der Spätantike wurde
Ravennas große Stunde schlug, als Rom schwächelte: 402 verlegte Kaiser Honorius die Residenz des Weströmischen Reichs in die sichere Lagunenstadt. Es folgten der Ostgotenkönig Theoderich, der sich mit Palastkirche und monumentalem Grabmal verewigte, und ab 540 die Byzantiner, die Ravenna zum Exarchat machten – zum Vorposten Konstantinopels in Italien. Drei Herrschaften, ein Erbe: Mosaiken, wie sie nirgendwo sonst im Westen erhalten sind. Acht frühchristliche Bauten gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe, und wer in San Vitale unter dem Goldgrund steht, begreift, dass hier nicht eine Provinzstadt dekoriert wurde, sondern eine Hauptstadt der damaligen Welt.
Die zweite große Geschichte Ravennas ist literarisch. Dante Alighieri fand hier Zuflucht, vollendete das Paradiso und starb 1321; sein Grab neben der Basilica di San Francesco ist bis heute Pilgerort – die ewige Lampe brennt mit Olivenöl, das Florenz jedes Jahr als Geste der Reue stiftet. Ein halbes Jahrtausend später ritt Lord Byron durch die Pinienwälder vor der Stadt und wohnte im Palazzo Guiccioli, der heute ein Museum beherbergt. In der Krypta von San Francesco schwimmen derweil Goldfische über antiken Mosaikböden – das Grundwasser steht hier seit Jahrhunderten, und Ravenna hat gelernt, daraus eine Attraktion zu machen.
Heute ist Ravenna eine entspannte, wohlhabende Provinzstadt, in der das Fahrrad regiert: flaches Land, kurze Wege, Arkaden gegen Sommerhitze wie Regen. Im wiederbelebten Mercato Coperto stapeln sich Piadina, Squacquerone und Cappelletti, abends füllt die Passeggiata die Via Cavour. Und wenn die Mosaiken gesehen sind, fährt halb Ravenna ans Meer: Neun Lidi reihen sich an der Küste der Gemeinde, vorneweg Marina di Ravenna mit Hafenmole, Bagni und Strandbars. travelperfect empfiehlt, beides zu verbinden – Welterbe am Morgen, Adria am Nachmittag, Sonnenuntergang an der Mole.
