Die 547 geweihte Basilica di San Vitale gilt als das Hauptwerk byzantinischer Kunst im Westen. Hinter schlichten, fast nüchternen Backsteinmauern öffnet sich ein achteckiger Raum von überraschender Weite und Höhe, dessen Presbyterium vollständig mit Mosaiken ausgekleidet ist. Der Übergang von der zurückhaltenden Außenhaut zum leuchtenden Inneren gehört zu den stärksten Raumerlebnissen, die Ravenna zu bieten hat. Die berühmtesten Bilder hängen einander gegenüber: Kaiser Justinian zieht mit seinem Hofstaat, Geistlichen und Soldaten auf Goldgrund zum Altar, ihm gegenüber Kaiserin Theodora mit ihren Hofdamen, prächtig gewandet und mit Geschenken in den Händen. Beide Herrscher waren nie selbst in Ravenna – die Mosaiken setzten die ferne Macht Konstantinopels ins Bild und machten die Kirche zugleich zum politischen Statement. Über den Kaiserprozessionen leuchten Paradiesgärten, und im Scheitel der Apsis thront der jugendliche, segnende Christus auf der blauen Weltkugel, flankiert von Engeln und dem heiligen Vitalis. Die Bildsprache ist unverkennbar byzantinisch: frontale, feierliche Figuren mit großen Augen, flächiger Goldgrund statt räumlicher Tiefe, eine Pracht, die nicht erzählen, sondern verklären will. Wer die Symbolik kennt – die Farben der Gewänder, die Reihung der Figuren, die Geschenke der Theodora – liest in diesen Wänden ein ganzes Programm aus Religion und Macht. Zusammen mit sieben weiteren frühchristlichen Bauten Ravennas gehört San Vitale seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Besichtigt wird die Kirche über das Kombiticket der Mosaik-Monumente; gleich nebenan liegt das Mausoleo di Galla Placidia, sodass sich beide bequem zusammen besuchen lassen. Für viele Reisende ist San Vitale der Höhepunkt eines Ravenna-Besuchs – der Ort, an dem die Goldmosaiken ihre volle Wucht entfalten.
Den Übergang vom Achteck-Raum zum Goldgrund des Presbyteriums im Weitwinkel einfangen.






























