Von außen verspricht das Mausoleo di Galla Placidia wenig: ein schlichter, fast unscheinbarer Backsteinbau im Garten neben der Basilica di San Vitale. Doch kaum tritt man durch die niedrige Tür, kehrt sich der Eindruck vollständig um. Im Inneren wartet einer der eindrucksvollsten Räume Italiens. Das im 5. Jahrhundert errichtete Mausoleum, benannt nach der weströmischen Kaiserin Galla Placidia, birgt die ältesten Mosaiken der Stadt – und sie gehören zugleich zu den schönsten. Den Höhepunkt bildet die Kuppel: Über einem tiefblauen Grund kreisen Hunderte goldener Sterne in konzentrischen Reihen um ein leuchtendes Kreuz im Zenit. Es ist ein Bild des Nachthimmels von solcher Dichte und Tiefe, dass man unwillkürlich den Kopf in den Nacken legt. An den Wänden wacht der Gute Hirte zwischen seinen Schafen, jugendlich und in Gold gewandet, eine Darstellung, die noch ganz aus dem Geist der Spätantike spricht. Die Farben – das tiefe Blau, das warme Gold, das satte Grün – wirken nach anderthalb Jahrtausenden noch immer so frisch, als seien sie eben erst gesetzt worden. Weil der Raum klein und das Mosaik empfindlich ist, wird der Besuch in der Hochsaison auf kurze Zeitfenster getaktet. Das mag knapp wirken, ist aber gerade lang genug: Es dauert einige Augenblicke, bis sich die Augen an das gedämpfte Licht gewöhnt haben – und genau dann, wenn der erste Eindruck weicht, entfaltet der Sternenhimmel seine volle Wirkung. Das Mausoleum gehört zum UNESCO-Welterbe der frühchristlichen Monumente Ravennas und ist für viele Besucher der heimliche Höhepunkt der ganzen Stadt. Wer nur einen einzigen Raum in Ravenna sehen könnte, würde von vielen hierher geschickt.
Den Augen vor dem Fotografieren Zeit zur Anpassung geben – sonst wirkt die Kuppel zu dunkel.






























