Langsame Fässer, schnelle Motoren eine Stadt zwischen romanischem Welterbe und Motor Valley
Modena liegt an der Via Emilia, der römischen Konsularstraße, die der Stadt bis heute ihre Hauptachse vorgibt. Groß wurde sie aber unter den Este: Als Ferrara 1598 an den Kirchenstaat fiel, verlegte die Herzogsfamilie ihre Hauptstadt nach Modena und baute sie zur barocken Residenz aus. Ihr Palazzo Ducale, 1634 unter Francesco I. begonnen, gehört zu den größten Barockpalästen Italiens und beherbergt heute die Accademia Militare – besichtigen lässt er sich nur mit Führung, was den Blick in den Ehrenhof umso kostbarer macht. Die Kunstsammlung der Este hängt in der Galleria Estense: Velázquez' Porträt von Francesco I., Berninis Marmorbüste desselben Herzogs, ein Reisealtar von El Greco.
Das ältere, romanische Modena versammelt sich um die Piazza Grande. Den Dom begann Baumeister Lanfranco 1099, die Reliefs des Bildhauers Wiligelmo an der Fassade gelten als Schlüsselwerk der europäischen Romanik – zusammen mit der schiefen, rund 87 Meter hohen Ghirlandina und dem Platz selbst bildet er seit 1997 ein UNESCO-Welterbe. Wenige Schritte weiter beginnt der Bauch der Stadt: Im Mercato Albinelli von 1931 stapeln sich Parmigiano-Laibe und frische Tortellini, in den Trattorien um den Markt kommen mittags Tortellini in Brodo, Zampone und Lambrusco auf den Tisch, und in den Dachstühlen vieler Bürgerhäuser reifen Fassbatterien mit Aceto Balsamico Tradizionale DOP – auch über dem Palazzo Comunale, in der Acetaia des Rathauses.
Und dann sind da die Motoren und die Musik. Enzo Ferrari wurde 1898 in Modena geboren; sein Geburtshaus steht neben der futuristischen gelben Halle des Museo Enzo Ferrari, Maserati hat seinen Stammsitz bis heute in der Stadt, Pagani baut seine Hypercars im benachbarten San Cesario sul Panaro, und Maranello mit dem Museo Ferrari liegt eine knappe halbe Stunde südlich. Luciano Pavarotti, 1935 hier geboren, gab der Stadt ihre zweite Weltmarke: Das Opernhaus von 1841 trägt seit 2007 seinen Namen, sein Landhaus vor den Toren ist heute Museum. Wer Modena besucht, pendelt also zwischen Welterbe, Werkstatt und Bühne – meist zu Fuß und selten hungrig.
