Der echte Aceto Balsamico Tradizionale di Modena DOP hat mit dem industriell hergestellten Supermarkt-Balsamico wenig gemein. Er reift mindestens zwölf Jahre, als „Extravecchio“ sogar 25 Jahre, in absteigenden Fassbatterien aus unterschiedlichen Hölzern. Bei einem Acetaia-Besuch in oder um Modena wird dieser Unterschied unmittelbar erfahrbar. Familienbetriebe öffnen für Führungen ihre Dachböden, wo die Fassbatterien lagern. Genau dort, unter dem Dach, spielt sich die Reifung ab: Die Sommerhitze und die Winterkälte der Po-Ebene treiben die Konzentration des gekochten Traubenmosts voran. Jahr für Jahr wird ein Teil in das jeweils nächstkleinere Fass umgefüllt. Dieses Solera-Prinzip der Batterie steht im Mittelpunkt der Führung und erklärt, warum jeder Tropfen das Ergebnis von Jahrzehnten Geduld ist. Gäste lernen, wie aus gekochtem Most über die Jahre ein dichter, süß-säuerlicher Sirup entsteht. Man erfährt, welche Rolle die verschiedenen Hölzer spielen – von Eiche über Kastanie und Kirsche bis Wacholder –, die dem Balsamico jeweils eigene Aromen mitgeben. Der Rundgang macht sichtbar, warum die echten Erzeugnisse so kostbar und in kleinen, charakteristisch geformten Flaschen abgefüllt sind. Den Abschluss bildet die Verkostung. Im Vergleich probiert man unterschiedliche Reifegrade, oft pur vom Löffel, manchmal kombiniert mit Parmigiano Reggiano oder anderen lokalen Produkten. So lässt sich schmecken, wie sich Tiefe und Komplexität mit den Jahren verändern und warum ein lange gereifter Balsamico eher als Genussmittel denn als reine Würze gilt. Für Genussreisende ist der Besuch eine der eindrücklichsten Annäherungen an die Esskultur der Emilia. Termine sollten vorab reserviert werden, da die Führungen in den privaten Betrieben nur zu festen Zeiten stattfinden und die Betriebe häufig außerhalb des Stadtzentrums liegen.
Führung durch die Acetaia mit fachkundiger Erklärung





























