Barcelona ist eine Stadt, die sich nie für eine einzige Identität entscheiden musste. In der Eixample zieht sich Ildefons Cerdàs strenges Schachbrettmuster mit seinen abgeschrägten Häuserecken kilometerweit hin, während nur wenige Straßen weiter das Barri Gòtic mit engen, schattigen Gassen, romanischen Mauerresten und versteckten Innenhöfen ins Mittelalter zurückführt. Dazwischen liegt das Meer: Die Barceloneta, einst ein Fischerviertel, schiebt ihre schmalen Häuser bis fast an den Sandstrand, an dem sich Einheimische und Reisende mischen.
Das Gesicht der Stadt prägt Antoni Gaudí wie kein zweiter Architekt. Die Sagrada Família wächst seit über einem Jahrhundert in den Himmel, ein Wald aus Säulen und farbigem Licht, der bis heute nicht vollendet ist. Im Park Güell überziehen geschwungene Bänke aus Keramikbruch eine Anhöhe mit Blick über die ganze Stadt bis zum Hafen. Die Casa Batlló und die Casa Milà an der Passeig de Gràcia zeigen, wie Gaudí selbst Wohnhäuser in geschwungene, organische Skulpturen verwandelte. Doch der katalanische Modernisme ist breiter als ein Name: Auch Lluís Domènech i Montaner hinterließ mit dem Palau de la Música Catalana ein Meisterwerk.
Essen ist hier kein Beiwerk, sondern Lebensart. Pa amb tomàquet, geröstetes Brot mit zerdrückter Tomate, Olivenöl und Salz, begleitet fast jede Mahlzeit. In den Markthallen wie La Boqueria stapeln sich Meeresfrüchte, Jamón und Saisongemüse; in den Bars der Stadtviertel Gràcia oder El Born trifft man sich am Sonntagmittag auf einen Vermut. Tapas, Fideuà und ein Glas Cava gehören ebenso dazu wie die katalanische Crema.
Barcelona lässt sich gut zu Fuß erkunden, von den Ramblas hinunter zum alten Hafen, hinauf auf den Hügel Montjuïc mit seinen Gärten, Museen und dem olympischen Erbe von 1992. Wer länger bleibt, entdeckt eine Stadt, die ihren katalanischen Stolz offen trägt und doch jeden hereinlässt, der bereit ist, sich Zeit zu nehmen.