Wer Modena wirklich verstehen will, sollte früh morgens am Canalgrande entlanggehen, wenn die Schatten der Palazzo-Fassaden noch lang auf das Pflaster fallen und die ersten Studierenden mit Kaffee-to-go aus den kleinen Bars strömen. Der Canalgrande ist Modenas prächtigste Promenade – eine breite, von alten Stadtpalais gesäumte Achse, die einst tatsächlich von einem Kanal durchzogen wurde. Heute flaniert man hier zwischen historischen Fassaden und zeitgenössischen Schaufenstern, und die Atmosphäre ist eine eigentümliche Mischung aus bürgerlichem Stolz und akademischer Lässigkeit.
Das Viertel lebt nicht zuletzt von der Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia, einer der ältesten Universitäten Italiens, deren Gebäude sich durch das Quartier verteilen. Rund um die Fakultäten hat sich ein dichtes Netz aus Buchhandlungen, kleinen Trattorien, Weinbars und Cafés gebildet, das dem Viertel seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. In den Seitenstraßen zwischen dem Corso Canalgrande und der Via Università findet man Osterie, die seit Jahrzehnten dieselben Tortellini in Brodo servieren – und das mit einem Selbstverständnis, das keine Erklärung braucht.
Architektonisch setzt das Viertel auf Substanz: Der Palazzo dei Musei beherbergt gleich mehrere bedeutende Sammlungen, darunter die Galleria Estense mit Werken von Velázquez, Correggio und Tintoretto. Wer nach dem Museumsbesuch eine Pause braucht, findet in den Arkaden des Canalgrande schattige Sitzgelegenheiten und Bars, in denen der Aperitivo-Abend schon am frühen Nachmittag beginnt. Die Studierendenkultur sorgt dafür, dass das Viertel auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht einschläft – Konzerte, Lesungen und informelle Zusammenkünfte auf den Plätzen gehören zum Alltag.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern ein Viertel mit echtem Alltagsleben erleben wollen, ist das Canalgrande & Universitätsviertel die richtige Wahl. Hotels in dieser Lage bieten kurze Wege zur Altstadt und zum Dom, ohne auf die Atmosphäre eines lebendigen Stadtquartiers verzichten zu müssen.

Teatro Comunale Luciano Pavarotti
Opernhaus von 1841 am Corso Canalgrande, in dem Luciano Pavarotti 1961 debütierte und das 2007 nach dem Modeneser Tenor benannt wurde.
Opernhaus von 1841 am Corso Canalgrande