◆ REGION · ITALIEN
Ligurien ist Italiens schmaler Balkon zum Meer: ein Sichelstreifen zwischen Seealpen, Apennin und Mittelmeer, an dem die Dörfer so steil am Fels hängen, dass Wein nur auf Trockenmauer-Terrassen wächst. An der Riviera di Levante stapeln sich die bunten Häuser der Cinque Terre über winzigen Häfen, in Portofino dümpeln Yachten vor der berühmtesten Piazzetta des Landes, und Genua verbirgt hinter rauer Hafenfassade die Prachtpaläste der Rolli und eine der größten Altstädte Europas. Westwärts, an der Riviera di Ponente, blüht um Sanremo die Riviera dei Fiori mit Belle-Époque-Villen und mildem Winterlicht. Und überall duftet es nach Basilikum: Ligurien ist das Land des Pesto, der Focaccia und der Anchovis von Monterosso – am besten zu einem Glas Vermentino über dem Meer.

Ligurien hat nie viel Platz gehabt. Zwischen dem Kamm des Apennin und dem Meer bleibt oft nur ein Streifen von wenigen Kilometern – und genau diese Enge hat die Region geprägt. Wo kein Acker hinpasste, schichteten die Bauern über Generationen Trockenmauern zu Terrassen auf, für Oliven, Zitronen und Wein; in den Cinque Terre summieren sich diese muretti a secco zu einem Bauwerk, das man erst vom Wanderweg aus in seiner ganzen Ausdehnung begreift. Wer hier nicht Bauer wurde, ging aufs Meer: als Fischer, Händler oder Kapitän. Die bunten Fassaden der Hafendörfer, sagt man, halfen den Seeleuten, ihr Haus schon von draußen zu erkennen.
Aus dieser Seefahrertradition wuchs Genua zu einer der großen Seerepubliken des Mittelmeers, Rivalin Venedigs und Heimat von Bankiers, Admiralen und – so beansprucht es die Stadt – von Christoph Kolumbus. Im 16. und 17. Jahrhundert ließen Genuas Kaufmannsfamilien ihre Stadtpaläste in offizielle Listen eintragen, die rolli, um Staatsgäste standesgemäß zu beherbergen; gut vierzig dieser Palazzi dei Rolli sind heute UNESCO-Welterbe. Dahinter beginnt das Labyrinth der carruggi, schmaler Gassen voller Friggitorie und Sciamadde, und am Porto Antico hat Renzo Piano den alten Hafen seiner Heimatstadt in ein Quartier mit Italiens großem Aquarium verwandelt. Im 19. Jahrhundert entdeckte dann das kalte Europa die Riviera: Britische Wintergäste und russischer Adel machten Sanremo und Bordighera zu Kurorten mit Palmenpromenaden, Casinò und Belle-Époque-Hotels.
Und schließlich die Küche, eine der eigenständigsten Italiens: keine üppige Fleischküche, sondern die raffinierte cucina povera der Seeleute und Terrassenbauern. Basilikum aus dem Westen Genuas wird mit Pinienkernen, Knoblauch, Parmesan und Pecorino zu Pesto verrieben, das hier zu Trofie oder Trenette gehört; in Recco füllt man hauchdünne Focaccia mit cremigem Käse, in den Gassen Genuas brutzelt Farinata aus Kichererbsenmehl in Kupferpfannen. Dazu kommen die Anchovis von Monterosso, Taggiasca-Oliven von der Ponente-Küste und Weine, die der Steilküste abgerungen werden – salziger Vermentino, aromatischer Pigato, der rote Rossese di Dolceacqua und der seltene Süßwein Sciacchetrà von den Terrassen der Cinque Terre.
· Entdecken & Buchen
02 · Themen-Routen
Der Klassiker
Fünf Dörfer, eine Bahnlinie, ein Wanderweg: Von Monterosso über Vernazza, Corniglia und Manarola bis Riomaggiore reihen sich die Cinque Terre an der Steilküste auf, verbunden durch den Regionalzug zwischen Levanto und La Spezia und den Küstenpfad Sentiero Azzurro. Am schönsten ist die Kombination – eine Etappe wandern, die nächste mit dem Zug überbrücken, dazwischen Anchovis und ein Glas Cinque-Terre-Weißwein über dem Hafen. Früh starten: Ab dem späten Vormittag übernehmen die Tagesausflügler.
Die mondäne Bucht
Die Halbinsel von Portofino ist das elegante Herz der Riviera di Levante: vom Belle-Époque-Seebad Santa Margherita Ligure die Küstenstraße zur Piazzetta von Portofino, hinauf zum Castello Brown – und per Boot oder zu Fuß weiter zur Abtei San Fruttuoso, die allein in ihrer Bucht unter dem Monte di Portofino liegt. Auf der anderen Seite des Bergs wartet Camogli mit hohen, bunt bemalten Fischerhäusern am Golfo Paradiso, deutlich ruhiger als die berühmte Nachbarbucht.
Die unterschätzte Metropole
Genua ist die Stadt, die viele auf dem Weg zur Küste überspringen – ein Fehler. In der Via Garibaldi und den umliegenden Gassen stehen die Palazzi dei Rolli, die Prunkresidenzen der alten Seerepublik, heute UNESCO-Welterbe und teils als Museen geöffnet. Dahinter beginnt das Gassenlabyrinth der Carruggi mit Friggitorie, Markthallen und jahrhundertealten Läden, am Porto Antico locken das Aquarium und Renzo Pianos Hafenarchitektur, und im Fischerviertel Boccadasse endet der Tag mit Eis am Kiesstrand.
Der wilde Westen
Westlich von Genua wird die Riviera stiller: Sanremo empfängt mit Casinò, Belle-Époque-Villen und der verwinkelten Altstadt La Pigna, Bordighera mit Palmengärten, die schon britische Wintergäste des 19. Jahrhunderts liebten. Das eigentliche Geheimnis liegt im Hinterland – Dolceacqua, dessen Brücke und Burg schon Claude Monet malte, dazu Weinberge des Rossese und Bergdörfer über Olivenhainen voller Taggiasca-Oliven. Mit dem Mietwagen wird daraus eine Genussroute abseits der Bädermassen.
03 · Wann
Die Berge im Rücken schirmen Ligurien gegen Norden ab – die Riviera gehört zu den mildesten Küsten Italiens, Sanremo war nicht zufällig das Winterquartier des europäischen Adels. Die eigentliche Stellgröße ist hier weniger das Wetter als der Andrang: Die Cinque Terre und Portofino sind von Mai bis September dicht besucht, während Frühling und Herbst Wanderwetter, warmes Meer und deutlich leerere Gassen bieten.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Ligurien ist klein, aber logistisch eigen: Die Cinque Terre erkundet man per Zug und zu Fuß, die Portofino-Halbinsel am schönsten per Boot, Genua verlangt eigene Stadttage, und für das Hinterland der Riviera di Ponente braucht es einen Mietwagen. Unser Reiseplaner bringt das in eine stimmige Reihenfolge: Er wählt die passende Basis – Monterosso, Santa Margherita oder Genua –, plant Wanderetappen nach Jahreszeit und Andrang, denkt an Fährzeiten nach San Fruttuoso und daran, wo sich das Auto lohnt und wo es nur stört. Sag uns, worauf du Lust hast – Küstenwandern und Weinterrassen, Palazzi und Hafenviertel oder stille Dörfer mit Pesto-Kursen – und travelperfect entwirft daraus einen Tag-für-Tag-Plan mit echten Orten, Zügen und Tischreservierungen.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Für die Cinque Terre allein genügen zwei bis drei Tage, idealerweise mit einer Übernachtung in einem der Dörfer, um Morgen und Abend ohne Tagesgäste zu erleben. Wer Genua und die Portofino-Halbinsel dazunimmt, sollte fünf bis sieben Tage rechnen; mit der Riviera di Ponente um Sanremo und dem Hinterland werden daraus gut zehn Tage. Ligurien ist schmal, aber kurvig – die Wege sind kürzer auf der Karte als in der Realität.
Für die Küste nicht – im Gegenteil: Die Bahnlinie Genua–La Spezia hält in allen Cinque-Terre-Dörfern sowie in Santa Margherita Ligure und Camogli, und in den Dörfern selbst ist ein Auto eher Last als Hilfe, Parkplätze sind rar und teuer. Sinnvoll wird der Mietwagen erst für das Hinterland der Riviera di Ponente – Dolceacqua, die Bergdörfer, die Olivenhaine – oder für flexible Standortwechsel abseits der Bahnstrecke.
Die Cinque Terre Card des Nationalparks deckt die gebührenpflichtigen Abschnitte des Küstenwegs Sentiero Azzurro ab; in der Trekking-plus-Zug-Variante (Cinque Terre Treno MS Card) sind zusätzlich die Regionalzüge zwischen Levanto und La Spezia enthalten. Wer an einem Tag wandert und mehrfach Zug fährt, fährt mit der Kombikarte meist besser. Wichtig: Einzelne Wegabschnitte können nach Unwettern gesperrt sein – den aktuellen Stand vorab auf den Seiten des Nationalparks prüfen.
Direkt in den Dörfern ist es am stimmungsvollsten – Monterosso al Mare hat das größte Angebot und den Sandstrand, Vernazza und Riomaggiore sind kleiner und schnell ausgebucht. Preisbewusste und spät Buchende weichen auf Levanto oder La Spezia aus: Beide liegen an derselben Bahnlinie und sind in wenigen Minuten in den Dörfern. Wer Riviera-Eleganz sucht, nimmt Santa Margherita Ligure als Basis und kombiniert Portofino mit Tagesausflügen.
Pesto alla genovese in seiner Heimat, klassisch zu Trofie oder Trenette mit Kartoffeln und grünen Bohnen; die warme Focaccia di Recco mit cremigem Käse; Farinata, den Kichererbsenfladen aus dem Holzofen; Pansoti mit Walnusssauce und die Anchovis von Monterosso. Dazu Taggiasca-Oliven und ihr mildes Öl von der Ponente-Küste – und im Glas Vermentino oder Pigato, zum Dessert ein Schluck des seltenen Sciacchetrà von den Terrassen der Cinque Terre.
Nicht immer. Der Küstenweg zwischen den Cinque-Terre-Dörfern führt durch steiles, rutschanfälliges Gelände, und einzelne Abschnitte werden nach Erdrutschen oder starken Regenfällen immer wieder zeitweise gesperrt – auch die berühmte Via dell'Amore zwischen Riomaggiore und Manarola war jahrelang geschlossen und ist erst seit 2024 wieder zugänglich. Vor der Wanderung den aktuellen Wegstatus beim Nationalpark prüfen und festes Schuhwerk einpacken; höher gelegene Alternativpfade sind meist offen und deutlich leerer.
05 · Weiter im Land
Sag uns, was du suchst — wir entwerfen deine Reise entlang der italienischen Riviera.