Region · Italien

Ligurien

Ein schmaler Küstenbogen zwischen Seealpen und Mittelmeer, an dem bunte Dörfer senkrecht über dem Wasser stehen.

7 Städte44 Sehenswürdigkeiten45 Hotels
Überblick

Deine Ligurien auf einen Blick

Beste Reisezeit
April – Juni & September – Oktober
Anreise
Flughafen Genua; alternativ Mailand, Pisa oder Nizza; Bahn ab Mailand nach Genua & La Spezia
Sprache
Italienisch (mit ligurischem Dialekt)
Vor Ort
Der Zug ist das beste Verkehrsmittel – alle Cinque-Terre-Dörfer haben Bahnhöfe; im Sommer Fähren
Wichtigster Tipp
Cinque Terre früh morgens oder abends erleben – tagsüber kommen die Tagesgäste
Währung & Sprache
Euro · Italienisch
Die Region

Was Ligurien ausmacht

Ligurien spannt sich als schmale Sichel von der französischen Grenze bis zur Toskana – kaum irgendwo in Italien rücken Berge und Meer so dicht zusammen. An der Riviera di Levante stapeln sich die Häuser der Cinque Terre über winzigen Häfen, Portofino versammelt Yachten vor seiner berühmten Piazzetta, und Genua verbirgt hinter rauer Hafenfassade die Prachtpaläste der Rolli und eine der größten Altstädte Europas. Westwärts blüht um Sanremo die Riviera dei Fiori mit Belle-Époque-Fassaden und mildem Winterlicht. Dazwischen liegen Wanderwege über Weinterrassen, Kiesbuchten mit glasklarem Wasser – und überall Pesto, Focaccia und ein Glas Vermentino über dem Meer.

Reiseführer

Ligurien von A bis Z

Aktualisiert Juli 2026

Kurz hinter Levanto taucht der Zug ins Dunkel, und als er wieder ausschert, hängt links das Meer im Fenster – so nah, dass die Gischt fast die Scheibe erwischt. In Monterosso steigst du aus, riechst Salz und warme Focaccia, und über dir ziehen sich Weinterrassen den Fels hinauf, bis der Himmel anfängt. Ligurien ist kein Land der weiten Gesten – es ist schmal, steil und dicht, und genau das macht es so eindringlich.

Sehenswürdigkeiten

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Ligurien

Morgens um acht liegt der Hafen von Vernazza noch im Schatten des Doria-Turms, und die einzigen Geräusche sind Möwen und das Klappern der ersten Espressotassen.

Die Cinque Terre sind der Grund, warum die meisten zum ersten Mal nach Ligurien fahren: Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore – fünf Dörfer, die sich seit dem Mittelalter in die Falten der Steilküste klammern, seit 1997 UNESCO-Welterbe und als Nationalpark geschützt. Am eindrucksvollsten sind sie nicht vom Bahnsteig aus, sondern vom Wasser oder von den Wegen darüber: Die Silhouette von Vernazza mit Hafenbucht und Turm siehst du am besten vom Küstenweg Richtung Monterosso, Manarolas Häuserstapel vom kurzen Panoramaweg zur Punta Bonfiglio. Komm vor neun oder bleib nach siebzehn Uhr – dazwischen schieben sich die Tagesgäste durch die Gassen.

Genua wird chronisch unterschätzt, dabei steht hier eine der größten Altstädte Europas: ein Labyrinth aus caruggi, schluchtartigen Gassen, in denen Friggitorien, Barbiere und Kirchenportale dicht nebeneinander liegen. An der Via Garibaldi reihen sich die Rolli-Paläste, die Stadtresidenzen der genuesischen Kaufmannsdynastien, seit 2006 UNESCO-Welterbe – drei davon bilden heute die Musei di Strada Nuova mit Werken von Van Dyck und Caravaggio. Am Porto Antico hat Renzo Piano den alten Hafen zur Uferpromenade umgebaut, mit dem Aquarium als größtem Italiens und dem Panoramalift Bigo, der sich wie ein Ladekran über das Becken dreht.

Die Halbinsel von Portofino bündelt auf wenigen Kilometern, wofür andere Küsten fünfzig brauchen: das Hafenrund von Portofino mit Castello Brown darüber, die Abtei San Fruttuoso, die allein in einer Bucht zwischen Steilhängen liegt und nur per Boot oder zu Fuß erreichbar ist, und davor, in rund 17 Metern Tiefe, die Bronzestatue des Christus vom Abgrund, seit 1954 Ziel von Tauchern und Glasbodenbooten. Auf der anderen Seite des Bergrückens wartet Camogli mit hohen, bemalten Fassaden am Fischerhafen – ein Ort, der auch im August noch nach Alltag riecht.

Dahinter fängt die Liste erst an: Portovenere am Golfo dei Poeti, wo die Kirche San Pietro auf einem Felssporn über der Grotte von Lord Byron steht, gegenüber Lerici mit seiner Kastellbucht. Sestri Levante mit der Baia del Silenzio, einem Halbmond aus Sand zwischen zwei Häuserzeilen. Boccadasse, das pastellfarbene Fischerdorf am Stadtrand von Genua. Und ganz im Westen Sanremo mit Belle-Époque-Casino und der verwinkelten Altstadt La Pigna, dazu die Gärten der Villa Hanbury bei Ventimiglia, wo seit 1867 Pflanzen aus aller Welt über dem Meer wachsen.

Sehenswürdigkeiten in Ligurien

Alle 44 Sehenswürdigkeiten
Cinque Terre

Cinque Terre – die fünf Dörfer zwischen Levanto und La Spezia

Zwischen Riomaggiore und Monterosso liegen keine zwanzig Bahnminuten, aber fünf Dörfer, die sich hartnäckig weigern, gleich auszusehen.

Jedes der fünf Dörfer hat eine eigene Rolle: Monterosso al Mare ist das größte und flachste, mit dem einzigen echten Sandstrand und Hotels, die den Namen verdienen. Vernazza besitzt den fotogensten Naturhafen samt Piazza direkt am Wasser. Corniglia thront als einziges Dorf ohne Hafen rund hundert Meter über dem Meer – vom Bahnhof führt die Lardarina hinauf, eine Treppe mit knapp 380 Stufen, alternativ fährt ein Shuttlebus. Manarola stapelt seine Häuser am steilsten und keltert auf den Terrassen darüber den Sciacchetrà, den süßen Passito der Cinque Terre. Riomaggiore schließlich fällt mit einer einzigen steilen Hauptgasse zur winzigen Marina ab, die sich abends bernsteinfarben färbt.

Das Auto kannst du für die Cinque Terre komplett vergessen: Die Dörfer sind für den Verkehr weitgehend gesperrt, die Zufahrtsstraßen eng und die wenigen Parkplätze teuer und chronisch voll. Rückgrat ist die Bahn – der Cinque Terre Express pendelt in der Saison alle 15 bis 20 Minuten zwischen La Spezia und Levanto und hält in allen fünf Dörfern, die reine Fahrzeit zwischen zwei Orten liegt bei wenigen Minuten. Dazu verkehren von Frühjahr bis Herbst Ausflugsboote, die La Spezia, Portovenere und vier der fünf Dörfer verbinden (Corniglia hat keinen Anleger) – die Anfahrt vom Wasser ist die Perspektive, für die diese Küste gebaut scheint.

Rechne mit Menschenmassen und plane um sie herum: Zwischen zehn und siebzehn Uhr schieben sich von Mai bis September Tagesgäste und Kreuzfahrtgruppen durch die Hauptgassen, an manchen Tagen regelt Personal an den Bahnsteigen den Strom. Die Gegenstrategie ist simpel – übernachte in der Nähe und dreh den Rhythmus um: Dörfer am frühen Morgen und Abend, mittags auf den Höhenwegen, am Strand oder bei einer langen Mittagspause. Wer nur einen Tag hat, wählt zwei, höchstens drei Dörfer bewusst aus, statt alle fünf im Laufschritt abzuhaken; Vernazza und Manarola ergeben zusammen mit einer Wanderetappe einen runden Tag.

Als Basis konkurrieren zwei Orte direkt vor den Toren: Levanto, nördlich hinter dem ersten Tunnel, ist ein entspannter Badeort mit langem Strand, Surfszene und eigenem Halt des Cinque Terre Express – gemacht für alle, die abends Ruhe wollen. La Spezia im Süden ist die pragmatische Wahl mit größerer Hotelauswahl und schnellen Zügen, dazu liegt der Golfo dei Poeti mit Portovenere und Lerici vor der Haustür. Die Übernachtung in einem der fünf Dörfer selbst ist die teuerste und logistisch mühsamste Variante – aber die einzige, bei der dir die stillen Stunden gehören.

Wandern

Cinque Terre wandern – Sentiero Azzurro und Höhenwege

Hinter Vernazza steigt der Weg in Serpentinen durch Weinterrassen, und bei jeder Kehre schiebt sich das Dorf ein Stück weiter unter dich.

Der Klassiker ist der Sentiero Azzurro, der Küstenweg zwischen den Dörfern. Seine beiden nördlichen Etappen sind das Herzstück: Monterosso–Vernazza, rund zwei Stunden über Treppen, Terrassenmauern und schmale Passagen, anstrengender als die Kilometerzahl vermuten lässt, und Vernazza–Corniglia, etwas sanfter, mit dem großen Blick zurück auf Vernazzas Bucht. Beide Abschnitte sind gebührenpflichtig – du brauchst die Cinque Terre Card (als reine Trekking-Variante oder als Treno-Version inklusive Bahn) oder ein Einzelticket. Prüfe vor der Tour den Wegstatus auf der Website des Nationalparks: Nach Unwettern und Hangrutschen werden einzelne Etappen immer wieder gesperrt.

Die Via dell'Amore, der kurze, in den Fels gesprengte Spazierweg zwischen Riomaggiore und Manarola, ist seit Sommer 2024 nach über einem Jahrzehnt Sperrung wieder vollständig begehbar – ein flacher Panoramabalkon über dem Meer, gebaut in den 1920er-Jahren als Verbindung zwischen den Bahnbaustellen. In der Saison ist der Zugang über Zeitfenster geregelt, die du online beim Nationalpark reservierst; spontan an einem vollen Augusttag vorbeizuschauen funktioniert selten. Nüchtern betrachtet ist es eher ein Spaziergang als eine Wanderung – aber als Auftakt oder Ausklang eines Wandertags genau richtig.

Wer den Gebühren und dem Gedränge entgehen will, steigt eine Etage höher: Über den Dörfern zieht sich das kostenlose Höhenwegnetz durch Olivenhaine, Macchia und Weinberge, allen voran der Sentiero AV5T von Portovenere nach Levanto, der sich in Tagesetappen zerlegen lässt. Fast jedes Dorf hat außerdem seinen Wallfahrtsweg zum Santuario am Hang – etwa von Riomaggiore hinauf zur Madonna di Montenero oder von Vernazza nach San Bernardino: eine Stunde Aufstieg, kaum Menschen und Blicke über die gesamte Küste, gegen die der Küstenweg fast intim wirkt. Bergab nimmst du einen anderen Pfad und fährst per Zug zurück zum Ausgangspunkt.

Zur Praxis: Die Wege sind echte Bergpfade mit Stufen, Wurzeln und Absturzkanten – der Nationalpark verhängt Bußgelder für Wandern in Flipflops, und das ist ernst gemeint. Nimm feste Schuhe, ausreichend Wasser und Sonnenschutz; Quellen gibt es unterwegs kaum, Schatten nur abschnittsweise. Im Juli und August startest du am besten vor acht Uhr, sonst wird der Südhang zur Pfanne. Die besten Wandermonate sind April bis Juni und September bis Oktober, wenn die Terrassen grün sind und das Licht weich wird – und nach Regen wartest du einen Tag, bevor du auf die Treppenwege gehst, die Schieferstufen bleiben lange glitschig.

Aktivitäten & Touren in Ligurien

Alle 23 Aktivitäten
Genua

Genua – raue Hafenstadt mit Palästen

In den caruggi ist es auch mittags dämmrig, und zwischen Wäscheleinen und Marmorportalen liegt der Geruch von Focaccia, Fisch und altem Stein.

Genua ist keine Kulisse, sondern eine Stadt, die arbeitet – und genau deshalb lohnt sie sich. Die Altstadt zwischen Hafen und Hügeln gehört zu den größten Europas: ein Gassennetz, in dem du dich verlaufen sollst, vorbei an Friggitorien, die Farinata aus dem Holzofen verkaufen, an barocken Kirchenfassaden und winzigen Läden, die seit Generationen Stockfisch oder Kaffee führen. Der Kontrast wartet an der Via Garibaldi: Dort reihen sich die Rolli-Paläste, die prunkvollen Stadtresidenzen, in denen die Republik Genua einst ihre Staatsgäste einquartierte – seit 2006 UNESCO-Welterbe. An den Rolli Days, meist zweimal im Jahr, öffnen Dutzende sonst verschlossene Paläste ihre Säle und Höfe.

Am Porto Antico hat Renzo Piano zur Kolumbus-Feier 1992 den alten Hafen in eine Uferpromenade verwandelt, die heute das Wohnzimmer der Stadt ist: das Aquarium – das größte Italiens – mit Haien, Robben und Quallenzylindern, daneben die gläserne Biosfera und der Panoramalift Bigo, dessen Ausleger sich wie ein Ladekran über das Hafenbecken dreht. Westlich ragt die Lanterna auf, der 1543 neu errichtete Leuchtturm mit mittelalterlichen Ursprüngen und das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Plane für Genua zwei volle Tage: einen für Altstadt und Paläste, einen für Hafen, Museen und die Viertel am Hang.

Die dritte Dimension der Stadt ist die Höhe: Der öffentliche Ascensore Castelletto hebt dich in einer Minute aus der Altstadt auf die Spianata Castelletto, einen Balkon über den Schieferdächern, und die Zahnradbahn nach Granarolo sowie die Standseilbahn zum Righi klettern noch weiter hinauf, bis die ganze Bucht unter dir liegt. Zurück am Meer lohnt der Spaziergang über den Corso Italia nach Boccadasse, das alte Fischerdorf mit Kieselbucht und pastellfarbenen Häusern, das sich die Stadt am östlichen Ende bewahrt hat – abends sitzt dort halb Genua mit einem Eis auf der Mauer.

Praktisch ist Genua ein Geschenk: Als Bahnknoten der Küstenlinie erreichst du von den Bahnhöfen Principe und Brignole aus in einer bis anderthalb Stunden fast jedes Ziel dieser Seite, von Camogli über Santa Margherita bis Monterosso. In die Stadt selbst fährst du besser ohne Auto – die Altstadt ist verkehrsberuhigt, Parkhäuser sind teuer, und die ZTL-Zonen werden per Kamera überwacht. Ein ehrlicher Hinweis noch: Die caruggi sind lebendig, aber nachts wirken einzelne Seitengassen um den Hafen ruppig – bleib spätabends auf den belebten Achsen, dann ist Genua so unkompliziert wie jede andere Großstadt.

Portofino & Tigullio

Portofino, Santa Margherita und Rapallo – der Golfo del Tigullio

Vom Deck der Fähre schiebt sich Portofino wie eine Theaterbühne in den Blick – eine Bucht, eine Piazzetta, ein Halbrund aus ockerfarbenen Fassaden.

Die wichtigste Portofino-Entscheidung fällt vor der Ankunft: Wie kommst du hin? Die einzige Zufahrtsstraße ist schmal, im Sommer zäh und endet an einer Handvoll sehr teurer Parkplätze – lass das Auto in Santa Margherita Ligure stehen. Von dort fährt die Fähre in einer Viertelstunde um die Halbinsel, alternativ läufst du die gut fünf Kilometer auf dem Fußweg an der Küstenstraße entlang, vorbei an der Badebucht von Paraggi, deren Wasser türkis über hellem Grund steht. Zu Fuß oder per Boot anzukommen ist keine Notlösung, sondern die schönere Version des Orts.

Portofino selbst ist schnell erzählt und lange angeschaut: die Piazzetta mit ihren Cafés, der winzige Hafen, in dem Fischerboote neben Yachten liegen, darüber Castello Brown, die alte Festung mit Garten und dem klassischen Blick auf Bucht und Dorf. Wer weitergeht, erreicht in zwanzig Minuten den Leuchtturm an der Punta del Capo, wo die Halbinsel ins offene Meer kippt und eine kleine Bar zwischen Pinien den Aperitivo ausschenkt. Komm am frühen Abend, wenn die Ausflugsboote abgelegt haben – dann bekommt der Ort seine Verhältnismäßigkeit zurück, und die Piazzetta gehört wieder den wenigen, die bleiben.

Das eigentliche Wunder der Halbinsel liegt hinter dem Bergrücken: San Fruttuoso, eine Abtei aus dem 10. Jahrhundert, allein in einer Kiesbucht zwischen Steilhängen, ohne Straße – erreichbar nur per Boot ab Camogli, Santa Margherita oder Portofino oder zu Fuß durch den Naturpark. Vor der Bucht steht in rund 17 Metern Tiefe der Christus vom Abgrund, eine 1954 versenkte Bronzestatue, zu der Taucher und Schnorchler pilgern und über der an ruhigen Tagen Glasbodenboote kreisen. Wer die Wanderung von Portofino Vetta oder Camogli hinunterläuft und die Fähre zurücknimmt, hat einen der besten Halbtage Liguriens gebaut.

Der Rest des Golfs verteilt die Rollen klug: Santa Margherita Ligure ist der ideale Standort – elegant, aber alltagstauglich, mit Bahnhof, Palmenpromenade, der Villa Durazzo über dem Ort und Fähren in alle Richtungen. Rapallo, eine Station weiter, ist größer und günstiger; von dort schwebt eine Seilbahn hinauf zum Wallfahrtskloster Montallegro mit weitem Blick über den Golf. Und westlich der Halbinsel liegt Camogli am Golfo Paradiso, mit hohen bemalten Häusern hinter dem Fischerhafen und einer Trattoria-Dichte, die verrät, dass hier auch Genuesen essen gehen – am zweiten Maiwochenende brät das Fischerfest Sagra del Pesce den Fang in einer riesigen Pfanne am Hafen.

La Spezia & Golfo dei Poeti

La Spezia und der Golfo dei Poeti

Am Abend spiegeln sich die Kräne des Marinearsenals im Golf, und drüben auf dem Felssporn von Portovenere steht San Pietro schwarz gegen das letzte Licht.

La Spezia hat kein Postkartengesicht, und genau das macht die Stadt zum ehrlichsten Standort dieser Küste: Liguriens zweitgrößte Stadt lebt seit den 1860er-Jahren vom Marinearsenal, und ihr Zentrum ist Alltagsitalien mit Palmenpromenade am Hafen, der Fußgängerachse Via del Prione und der Markthalle an der Piazza Cavour, wo du morgens zwischen Sardellenkisten und Basilikumbergen stehst. Dazu kommen zwei Museen mit Substanz – das Museo Tecnico Navale mit Galionsfiguren und Marinegeschichte, das CAMeC für moderne Kunst – und darüber das Castello San Giorgio mit Blick über den ganzen Golf.

Als Basis für die Cinque Terre ist La Spezia kaum zu schlagen: Am Bahnhof beginnt der Cinque Terre Express, der schon nach wenigen Minuten in Riomaggiore hält, die Hotel- und B&B-Auswahl ist die größte weit und breit und deutlich günstiger als jede Adresse direkt an der Küste, und wer mit dem Auto anreist, parkt hier oder in Levanto und lässt den Wagen für den Rest der Tage stehen. Von Frühjahr bis Herbst legen an der Hafenpromenade zudem die Ausflugsboote ab, die Portovenere und vier der fünf Dörfer anlaufen – die Anfahrt übers Wasser ist der schönere Weg hinein.

Der Golfo dei Poeti trägt seinen Namen wegen Byron und Shelley, die hier schwammen, schrieben und – im Fall Shelleys 1822 – vor dieser Küste ertranken. Sein Kronstück ist Portovenere: eine einzige Zeile hoher, schmaler Häuser am Kai, dahinter Gassen, die zur gestreiften Kirche San Pietro auf dem Felssporn ansteigen, unter dem die Grotte von Lord Byron ins Meer eingeschnitten ist, darüber die Festung der Doria. Zusammen mit den vorgelagerten Inseln Palmaria, Tino und Tinetto gehört der Ort seit 1997 mit den Cinque Terre zum UNESCO-Welterbe. Einen Bahnhof gibt es nicht – du kommst per Bus oder Boot ab La Spezia.

Die Gegenseite des Golfs ist stiller und wird oft übersprungen: Lerici duckt sich mit Hafen und Badebuchten unter eine mächtige Kastellanlage, im Nachbarort San Terenzo steht die Casa Magni, in der Shelley seine letzten Monate verbrachte, und am Ende der Küstenstraße klebt Tellaro mit rosafarbenen Häusern direkt über den Klippen – einer der Orte, an denen Ligurien noch einmal ganz bei sich ist. Im Sommer verbinden Fähren beide Golfseiten, sodass sich Portovenere und Lerici zu einem einzigen Bootstag verknüpfen lassen.

Sanremo & Ponente

Sanremo und die Riviera di Ponente

Im Februar, wenn hinter den Alpen noch Schnee liegt, blühen an Sanremos Promenade die Mimosen – die Riviera di Ponente lebt in einer eigenen Jahreszeit.

Sanremo ist die Hauptstadt der Riviera dei Fiori und eine Stadt mit zwei Gesichtern: unten die Belle Époque mit dem Jugendstil-Casino von 1905, der russisch-orthodoxen Kirche mit ihren Zwiebeltürmen – gebaut für die Zarenaristokratie, die hier überwinterte – und Palmenalleen am Meer; darüber La Pigna, die mittelalterliche Altstadt, die sich wie ein Tannenzapfen in konzentrischen Gassenringen um den Hügel legt, bis oben die Wallfahrtskirche Madonna della Costa den Abschluss macht. Einmal im Jahr, traditionell im Februar, wird das Teatro Ariston zum Zentrum Italiens: Während des Sanremo-Festivals ist die Stadt voll und die Hotels sind Monate im Voraus vergeben.

Das beste Stück Infrastruktur der Ponente ist ein stillgelegtes: Auf der alten Bahntrasse direkt am Meer verläuft heute ein rund 24 Kilometer langer Rad- und Fußweg zwischen San Lorenzo al Mare und Ospedaletti – durch ehemalige Eisenbahntunnel, an Buchten und Badeorten vorbei, komplett vom Autoverkehr getrennt. Räder und E-Bikes leihst du an Stationen entlang der Strecke, und wer nur ein Stück fahren will, nimmt den Abschnitt um Sanremo mit Meerblick auf ganzer Länge. Dass im März der Radklassiker Mailand–Sanremo in der Stadt endet, passt ins Bild – die Ponente ist die Radküste Liguriens.

Das Hinterland gehört zu den unterschätzten Seiten der Region: In Dolceacqua im Nervia-Tal spannt sich die mittelalterliche Steinbrücke, die schon Monet festhielt, vor die Burg der Doria, und in den Bars des Orts schenken sie den Rossese di Dolceacqua aus, den hellen, würzigen Roten des äußersten Westens. Ein paar Täler weiter östlich liegt Bussana Vecchia, das 1887 von einem Erdbeben zerstörte Dorf, in dessen Ruinen sich seit den 1960er-Jahren Künstlerateliers eingerichtet haben. Für beide Ausflüge brauchst du ein Auto oder die Überlandbusse – und einen halben Tag mehr Zeit, als du denkst.

Ganz im Westen, kurz vor der französischen Grenze, wartet der botanische Höhepunkt der Küste: die Gärten der Villa Hanbury am Capo Mortola bei Ventimiglia, wo der englische Kaufmann Thomas Hanbury ab 1867 Pflanzen aus aller Welt an den Hang über dem Meer setzen ließ – Agaven, Zitrusterrassen und Pergolen auf achtzehn Hektar zwischen Küstenfelsen. Ventimiglia selbst lohnt freitags für seinen großen Markt und jederzeit für die Altstadt am Hang; wer mag, fährt mit der Bahn in wenigen Minuten weiter nach Menton – die Riviera wechselt hier nur die Sprache, nicht den Charakter.

Strände & Buchten

Die schönsten Strände in Ligurien

Wo die Terrassenmauern ins Meer auslaufen, liegen die Strände Liguriens in Nischen – klein, kiesig und mit Wasser, das nach Aquarium aussieht.

Stell die Erwartung richtig ein, dann wirst du glücklich: Ligurien ist keine Adria. Die Küste fällt steil ab, Strände sind oft schmal, viele bestehen aus Kies oder Fels – dafür ist das Wasser klar wie an wenigen Orten Italiens, und die Kulisse aus Steilhängen und bunten Dörfern gibt es nur hier. Wie überall im Land teilt sich der Strand in bewirtschaftete Stabilimenti mit Liegen und Schirmen und freie Abschnitte, die spiagge libere; an den bekannten Buchten sind Letztere im August ab dem Vormittag voll. Badeschuhe machen auf Kies den Unterschied zwischen Ausflug und Prüfung.

An der Riviera di Levante liegen die Postkartenbuchten: Monterosso al Mare hat den einzigen nennenswerten Sandstrand der Cinque Terre, an dessen Felsende der Gigante lehnt, eine verwitterte Kolossalstatue aus Beton. Levanto zieht mit seiner langen Bucht Surfer an – im Herbst und Winter laufen hier die besten Wellen der Region. Sestri Levante besitzt mit der Baia del Silenzio einen Halbmond aus Sand, den zwei Häuserzeilen wie Bühnenwände rahmen. Dazu kommen die türkise Bucht von Paraggi bei Portofino, deren Liegenreihen allerdings zu den teuersten Liguriens zählen, und die Kiesbucht der Abtei San Fruttuoso, die du nur per Boot oder zu Fuß erreichst.

Die Riviera di Ponente westlich von Genua ist die familienfreundlichere Hälfte: breiter, sandiger, flacher abfallend. Alassio hat feinen Sand über Kilometer, Finale Ligure kombiniert Strand mit einer begehbaren Altstadt und gilt zugleich als eines der großen Klettergebiete Europas. Der schönste Abschnitt liegt dazwischen: Varigotti mit der Baia dei Saraceni, einer Bucht unter hellen Kalkfelsen, deren Farben eher an Sardinien als an den Norden erinnern, und die kleine Insel vor Bergeggi, um die herum ein Meeresschutzgebiet liegt. Auch die Altstadt von Noli, einst eigene Seerepublik, hat ihren Strand direkt vor den Mauern.

Zur Saisonplanung: Baden funktioniert verlässlich von Juni bis Ende September, das Meer ist im August und September am wärmsten. Juli und August bringen volle Buchten und Höchstpreise für Liegen – wenn du im Hochsommer kommst, sei an den freien Abschnitten vor zehn Uhr da oder zieh den Badetag auf den späten Nachmittag, wenn die Tagesgäste abreisen. Juni und September sind die entspannten Monate mit warmem Wasser und Platz auf dem Kies. Und plane mindestens eine Bucht ein, die nur per Boot oder Fußweg erreichbar ist – leere Strände gibt es in Ligurien fast nur dort, wo kein Parkplatz hinführt.

Rundreise

Ligurien-Rundreise: die schönste Route in 7–10 Tagen

Die ganze Reise passt auf eine Bahnstrecke – von Genua aus reiht die Küstenlinie Golf an Golf, bis am Ende La Spezia und die fünf Dörfer warten.

Die bewährte Route in sieben bis zehn Tagen liest sich so: zwei Tage Genua für Altstadt, Rolli-Paläste und Hafen, dann zwei bis drei Tage am Golfo del Tigullio mit Standort Santa Margherita Ligure – von dort Portofino zu Fuß oder per Fähre, San Fruttuoso per Boot, Camogli und Rapallo per Bahn. Anschließend zwei bis drei Tage Cinque Terre mit Basis in Levanto oder Monterosso, aufgeteilt in einen Dörfer- und einen Wandertag. Wer zehn Tage hat, hängt den Golfo dei Poeti an: La Spezia als Standort, ein Tag Portovenere mit der Kirche San Pietro auf dem Felssporn, ein halber Tag Lerici auf der gegenüberliegenden Golfseite.

Das Ungewöhnliche an dieser Rundreise: Sie funktioniert ohne Auto besser als mit. Die Bahnlinie Genua–La Spezia bedient alle genannten Orte im Halbstundentakt, die Bahnhöfe liegen jeweils mitten im Ort, und was die Bahn nicht abdeckt, übernehmen von Frühjahr bis Herbst die Fähren der Golfe. Ein Auto ist an dieser Küste dagegen eine Last – enge Zufahrten, teure und knappe Parkplätze, gesperrte Ortskerne. Wenn du trotzdem mit dem eigenen Wagen anreist, park ihn für die Cinque-Terre-Tage in Levanto oder La Spezia und lass ihn stehen; für das reine Küstenprogramm lohnt kein Mietwagen.

Wechsle nicht täglich das Quartier: Zwei, höchstens drei Standorte tragen die ganze Reise – Genua für den Auftakt, Santa Margherita oder Rapallo für die Mitte, Levanto oder La Spezia für den Osten. Die Umzüge dazwischen sind Bahnfahrten von unter einer Stunde, du packst nur zweimal, und jeder Standort gibt dir Abende an Orten, die um diese Zeit den Übernachtungsgästen gehören. Tagesausflüge bleiben kurz: Von Santa Margherita nach Camogli fährst du zehn Minuten, von Levanto nach Vernazza eine Viertelstunde – die Reise besteht aus vielen kleinen Sprüngen statt langer Etappen.

Für die Verlängerung gibt es zwei Richtungen: Westwärts lockt die Riviera di Ponente – Sanremo mit Casino und Altstadt La Pigna, das Malerdorf Dolceacqua im Hinterland, dessen Brücke schon Monet festhielt, und die Gärten der Villa Hanbury an der französischen Grenze; dafür brauchst du zwei zusätzliche Tage und nimmst die Bahn bis Ventimiglia. Ostwärts liegt die Toskana näher, als die Karte suggeriert: Von La Spezia bist du in unter einer Stunde in Pisa – die Rundreise lässt sich also nahtlos mit einem Toskana-Kapitel verbinden, statt zurück nach Genua zu fahren.

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Unterkünfte

Hotels und Unterkünfte in Ligurien

Abends, wenn die letzte Fähre abgelegt hat, hörst du vom Zimmer über dem Hafen nur noch das Klirren der Masten und das Meer an der Mole.

Die Übernachtung in einem der Cinque-Terre-Dörfer ist die intensivste Variante – und die mit den meisten Sternchen im Kleingedruckten: Die Häuser sind klein, oft familiengeführt, viele Zimmer erreichst du nur über Treppen und Gassen, in denen kein Koffertrolley rollt, und die begehrten Adressen mit Meerblick sind für die Sommermonate teils ein halbes Jahr im Voraus vergeben. Dafür bekommst du, was kein Tagesgast je sieht: die Dörfer um sieben Uhr morgens und nach neun Uhr abends. Monterosso ist als einziges Dorf halbwegs eben und hat die größte Hotelauswahl – die pragmatische Wahl, wenn du Komfort und Strand willst.

Die Standorte vor den Toren sind das bessere Preis-Leistungs-Paket: Levanto bietet Badeort-Infrastruktur, Familienhotels und Ferienwohnungen mit Parkplatz, dazu den Cinque Terre Express direkt vor der Tür. La Spezia ist die Stadtvariante mit großer Auswahl vom Business-Hotel bis zum B&B in der Fußgängerzone – nüchterner im Ortsbild, aber unschlagbar angebunden und deutlich günstiger als jede Küstenadresse. Beide Orte spielen ihre Stärke genau dann aus, wenn die Dörfer ausgebucht oder überteuert sind: Du wohnst entspannt und bist trotzdem in einer Viertelstunde mittendrin.

Am Golfo del Tigullio übernachtest du in einer anderen Epoche: Santa Margherita Ligure und Rapallo tragen noch die Grandhotel-Schicht der Belle Époque – Palmengärten, Stuckfassaden, Frühstücksterrassen über dem Golf – in allen Preislagen, von der renovierten Villa bis zur einfachen Pension zwei Straßen landeinwärts. Portofino selbst ist die Luxusnische mit wenigen, sehr teuren Häusern; wer das Budget hat, bekommt dafür den Ort nach Abfahrt der Boote für sich. Camogli ist die charaktervolle Alternative auf der Westseite der Halbinsel, mit Zimmern in den hohen bemalten Häusern direkt über dem Fischerhafen.

Zwei Optionen werden regelmäßig übersehen: Genua als Städtestandort – in der Altstadt sind etliche Rolli-Paläste und Bürgerhäuser zu B&Bs mit Fresken und vier Meter hohen Decken umgebaut, zu Preisen, für die du an der Küste ein Standardzimmer bekommst. Und das Hinterland: In den Tälern hinter der Küste, auf den Oliventerrassen der Riviera di Ponente oder im Apenninvorland, vermieten Agriturismi und Landhäuser mit Pool zu Sätzen, die an der Küste utopisch wären – dafür brauchst du dort ein Auto und planst die Strandtage als Ausflüge. Für die Hochsaison gilt überall dieselbe Regel: früh buchen, die Region ist schmal und die guten Adressen sind endlich.

Hotels in Ligurien

Alle 45 Hotels

Ferienhäuser & Villen mit Pool

Die beliebteste Wahl in der Region — privates Ferienhaus oder Villa mit Pool, oft mitten in den Weinbergen.

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Agriturismi & Weingüter

Urlaub auf dem Land: übernachten auf einem Weingut oder Bauernhof, mit Wein und Öl aus eigener Ernte.

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Essen & Trinken

Essen & Trinken in Ligurien

In der Bäckerei glänzt die Focaccia ölig unter der Theke, und der Bäcker fragt nicht ob, sondern wie viel – gewogen wird in Etti, gegessen aus der Hand.

Ligurien ist das Mutterland des Pesto, und der Unterschied zum Glas aus dem Supermarkt ist keine Nuance, sondern eine Offenbarung: Basilikum – am besten das kleinblättrige DOP-Basilikum aus Prà bei Genua – wird mit Pinienkernen, Knoblauch, Parmigiano, Pecorino und ligurischem Olivenöl traditionell im Marmormörser zerrieben. Serviert wird es klassisch mit Trofie, den kleinen gedrehten Nudeln, oder mit Trenette avvantaggiate, bei denen grüne Bohnen und Kartoffelstücke mit im Topf kochen und die Sauce aufnehmen. Bestell es in einer einfachen Trattoria, nicht im Panoramarestaurant – die Qualität hängt am Mörser, nicht an der Aussicht.

Die zweite Säule ist gebacken: Focaccia alla genovese, fingerdick, gedellt, glänzend von Olivenöl und grobem Salz – die Genuesen essen sie schon zum Frühstück und tunken sie dabei ungerührt in den Cappuccino, was du einmal probiert haben solltest, bevor du urteilst. In Recco, gleich hinter Camogli, wartet die radikalere Verwandte: Focaccia col formaggio, zwei hauchdünne Teigschichten um geschmolzenen Crescenza-Käse, mit eigenem IGP-Siegel und Lokalen, die seit Generationen nichts anderes machen. Dazu kommt Farinata, der dünne Fladen aus Kichererbsenmehl, der in Genuas Friggitorien im Holzofen in großen Kupferblechen gebacken und in Ecken verkauft wird.

Das Meer liefert die dritte Säule, und sie ist bescheidener, als die Yachthäfen vermuten lassen: Acciughe, Sardellen, sind der eigentliche Fisch Liguriens – in Monterosso seit Jahrhunderten gesalzen und gereift, als Antipasto mit Zitrone, frittiert im Papiertütchen auf die Hand oder gefüllt und gebacken. In La Spezia heißen die Miesmuscheln muscoli und kommen gefüllt als muscoli ripieni auf den Tisch, und für Festtage bauen ligurische Küchen den Cappon Magro, eine barocke Pyramide aus Fisch, Meeresfrüchten und Gemüse über Schiffszwieback. Nichts davon ist kompliziert – es ist Vorratsküche einer Küste, die nie reich an Ackerland war.

Getrunken wird weiß: Vermentino und Pigato wachsen auf den Terrassen beider Rivieren – salzige, geradlinige Weine, die zu Sardellen und Pesto gehören wie das Meer zum Blick. Das rote Gegenstück ist der Rossese di Dolceacqua aus dem äußersten Westen, hell und würzig. Und die Cinque Terre keltern auf ihren Trockenmauerterrassen neben dem trockenen Weißen den Sciacchetrà, einen goldenen Passito aus getrockneten Trauben, der in winzigen Mengen entsteht – ein Glas davon zu einem Stück Pandolce, dem genuesischen Früchtekuchen, ist der richtige Schlusspunkt eines ligurischen Abends.

Restaurants in Ligurien

Alle 41 Restaurants
Anreise & Mobilität

Anreise nach Ligurien – Zug, Auto oder Flug

Hinter Mailand steigt die A7 in den Apennin, dann öffnet sich nach dem letzten Tunnel das Häusermeer Genuas – und dahinter liegt plötzlich das Mittelmeer.

Mit dem Flugzeug hast du drei Optionen: Genua (GOA) liegt direkt an der Küste und wäre ideal, wird aus Deutschland aber nur begrenzt direkt angeflogen – prüfe die saisonalen Verbindungen. Zuverlässiger ist Mailand: Von Malpensa, Linate oder Bergamo erreichst du Genua per Bahn oder Bus in rund zwei bis drei Stunden und bist damit am Startpunkt der Küstenlinie. Für die westliche Riviera di Ponente rechnet sich Nizza: Vom dortigen Flughafen fährst du in gut einer Stunde über die Grenze nach Ventimiglia und weiter nach Sanremo – für einen reinen Ponente-Urlaub die kürzeste Kette.

Die Bahn ist die stimmigste Anreise für eine Region, die man am besten per Zug bereist: Aus Süddeutschland führt der Weg über Mailand – ab München mit dem Eurocity über den Brenner nach Verona und weiter, ab Frankfurt oder Basel über die Gotthard-Route nach Mailand. Von Milano Centrale bringen dich Intercity und Regionalzüge in anderthalb bis zwei Stunden nach Genua; Richtung Cinque Terre steigst du in La Spezia oder direkt in Monterosso aus, an der Küstenlinie halten auch Fernzüge. Insgesamt bist du ab München in rund acht bis neun Stunden am Meer – und brauchst vor Ort kein einziges Mal ein Auto.

Mit dem Auto fährst du ab München über Brenner, Verona und die Poebene oder über die Schweiz und Mailand – in beiden Fällen rund siebeneinhalb bis neun Stunden bis Genua, plus Maut in Österreich oder Vignette in der Schweiz und italienische Autobahngebühren. Die ligurischen Autobahnen selbst sind ein Erlebnis eigener Art: Die A12 und A10 hangeln sich als Kette aus Viadukten und Tunneln an der Steilküste entlang, mit Baustellen als Dauerzustand. Vor Ort wird das Auto dann zum Problem: Parkplätze in den Küstenorten sind knapp und teuer, die Ortskerne oft ZTL-Zonen mit Kameraüberwachung – Genua verschickt die Bußgelder zuverlässig bis nach Deutschland.

Vor Ort trägt dich ein dreiteiliges Netz: Erstens die Küstenbahn Ventimiglia–Genua–La Spezia, die praktisch jeden Ort dieser Seite im Halb- oder Stundentakt verbindet, dazu der dichte Cinque-Terre-Express zwischen Levanto und La Spezia. Zweitens die Saisonfähren – Golfo Paradiso ab Genua und Camogli, Tigullio ab Santa Margherita und Rapallo, dazu die Boote ab La Spezia zu den Cinque Terre und nach Portovenere –, die aus jedem Transfer einen Ausflug machen. Drittens Busse für das, was übrig bleibt: die Hinterlandtäler und Dörfer wie Portofino oder Portovenere ohne Bahnhof. Faustregel: Zug für die Strecke, Boot für die Aussicht, Bus nur, wo beides fehlt.

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Städte & Basisorte

Die schönsten Städte in Ligurien – und welche Basis zu dir passt

GenuaGenuaHinter der rauen Hafenfassade liegen die Rolli-Paläste der Via Garibaldi, eine der größten Altstädte Europas und das größte Aquarium Italiens. Genua ist Alltagsitalien mit Welterbe-Schicht – und der ideale Auftakt jeder Ligurien-Reise.Ideal für: Stadt & Hafenkultur2–3 TageVernazzaVernazzaNaturhafen, Piazza am Wasser, darüber der runde Doria-Turm – Vernazza ist das fotogenste der fünf Dörfer. Den klassischen Blick hast du vom Küstenweg Richtung Monterosso; abends gehört die Hafenpiazza wieder den Übernachtungsgästen.Ideal für: Cinque-Terre-Ikone½–1 TagSanremoSanremoBelle-Époque-Casino, die verwinkelte Altstadt La Pigna und ein 24-Kilometer-Radweg auf der alten Bahntrasse am Meer: Sanremo ist die Hauptstadt der Riviera dei Fiori – mit Wintern so mild, dass im Februar die Mimosen blühen.Ideal für: Blumenriviera & Radweg2–3 TageSanta Margherita LigureSanta Margherita LigurePalmenpromenade, Belle-Époque-Hotels und Fähren in alle Richtungen: Santa Margherita ist der beste Standort am Golfo del Tigullio – Portofino erreichst du zu Fuß oder per Boot, Camogli und Rapallo in wenigen Bahnminuten.Ideal für: Standort fürs Tigullio2–3 TageRiomaggioreRiomaggioreEine steile Hauptgasse, die zur winzigen Marina abfällt, Häuser in Ocker und Rostrot übereinander – Riomaggiore ist das südlichste der fünf Dörfer und Startpunkt der 2024 wiedereröffneten Via dell'Amore nach Manarola.Ideal für: Hafenmotiv & Via dell'Amore½–1 TagMonterosso al MareMonterosso al MareDas größte und flachste der fünf Dörfer, mit dem einzigen echten Sandstrand der Cinque Terre, richtigen Hotels und den berühmten Sardellen. Als Standort die bequemste Wahl – und Ausgangspunkt der schönsten Etappe des Küstenwegs nach Vernazza.Ideal für: Strand & Standort1–2 TagePortofinoPortofinoEine Bucht, eine Piazzetta, darüber Castello Brown und der Leuchtturmweg zur Punta del Capo: Portofino ist winzig und weltberühmt. Komm per Fähre oder zu Fuß von Santa Margherita – und bleib bis zum Abend, wenn die Ausflugsboote weg sind.Ideal für: Piazzetta & Küstenwege½ Tag
Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Ligurien: Wetter & Klima im Jahreslauf

Die Seealpen halten dem schmalen Küstenstreifen den Norden vom Hals – Ligurien ist im Winter milder und im Sommer gnädiger als der Rest Oberitaliens.

Das Klima ist mediterran mit einem Sonderfaktor: Die Bergkette direkt hinter der Küste schirmt die Rivieren gegen Nordwinde ab, weshalb um Sanremo selbst im Januar Mimosen blühen. Die Sommer sind warm, aber durch die Meeresbrise selten drückend, der Herbst bringt die kräftigsten Regenfälle des Jahres – teils als kurze, heftige Güsse. Die Werte unten gelten für die Küste um Genua; an der Riviera di Ponente ist es im Winter noch etwas milder, auf den Höhenwegen im Sommer heißer, als die Tabelle vermuten lässt.

Jan11°4°mild, oft klar
Feb12°5°Mimosenblüte, ruhig
Mär14°7°frisch, weite Sicht
Apr17°10°grüne Terrassen
Mai21°14°ideal zum Wandern
Jun25°17°warm, Badestart
Jul28°21°heiß, voll
Aug28°21°Hochsaison, dicht
Sep25°18°warmes Meer
Okt20°14°Herbstregen setzt ein
Nov15°9°nass und still
Dez12°6°still, mildes Licht

Beste Reisezeit · Balken = Tageshöchstwert

Die beste Reisezeit für Ligurien sind Mai, Juni und September bis in den frühen Oktober: warm genug zum Baden, kühl genug für die Treppenwege der Cinque Terre und deutlich leerer als der Hochsommer. Juli und August funktionieren am Strand, sind auf den Wanderwegen aber heiß und in den Dörfern drangvoll eng. Und im Februar lohnt die milde Riviera di Ponente um Sanremo, wenn im Norden noch Winter ist.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Ligurien

Braucht man in Ligurien ein Auto?
Nein – die Küstenbahn verbindet praktisch alle wichtigen Orte zwischen Ventimiglia und La Spezia im dichten Takt, und in den Cinque Terre oder in Portofino ist ein Auto sogar hinderlich, weil Parkplätze fehlen und Ortskerne gesperrt sind. Nur für das Hinterland, etwa die Bergdörfer hinter Sanremo, lohnt sich ein Wagen.
Wie viele Tage braucht man für die Cinque Terre?
Zwei volle Tage sind ein gutes Maß: einer für die Dörfer per Zug oder Boot, einer für eine Wanderetappe auf dem Küsten- oder Höhenweg. Wer vor Ort übernachtet, statt als Tagesgast zu kommen, erlebt die frühen Morgen und die Abende, wenn sich die Gassen leeren – das verändert den Eindruck komplett.
Ist die Via dell'Amore wieder geöffnet?
Ja – der Weg zwischen Riomaggiore und Manarola ist seit Sommer 2024 nach über einem Jahrzehnt Sperrung wieder vollständig begehbar. In der Saison ist der Zugang über Zeitfenster geregelt, die du online beim Nationalpark reservierst; an vollen Tagen spontan vorbeizukommen klappt selten.
Was ist die Cinque Terre Card?
Ein Pass des Nationalparks in zwei Varianten: Die Trekking-Card deckt die gebührenpflichtigen Abschnitte des Küstenwegs Sentiero Azzurro ab, die Treno-Variante zusätzlich die Regionalzüge zwischen Levanto und La Spezia. Für einen kombinierten Wander- und Zugtag ist die Treno-Card meist die praktischste Wahl.
Wann ist die beste Reisezeit für Ligurien?
Mai, Juni und September bis Anfang Oktober: warm, aber nicht drückend, mit badewarmem Meer ab Juni und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer. Juli und August sind Strandmonate mit vollen Dörfern; die milde Riviera di Ponente um Sanremo taugt sogar für Wintertage im Februar.
Hat Ligurien schöne Strände?
Ja, aber andere als die Adria: viel Kies und Fels, glasklares Wasser, dazwischen Sandabschnitte in Monterosso, Levanto, Finale Ligure und Alassio. Zu den schönsten Buchten zählen die Baia del Silenzio in Sestri Levante, Paraggi bei Portofino und die Baia dei Saraceni bei Varigotti – Badeschuhe lohnen fast überall.
Wie kommt man nach Portofino?
Am besten ohne Auto: Von Santa Margherita Ligure fährt die Fähre in rund fünfzehn Minuten, alternativ läufst du die gut fünf Kilometer auf dem Fußweg entlang der Küstenstraße über Paraggi, oder du nimmst den Linienbus. Die einzige Zufahrtsstraße ist eng, und die wenigen Parkplätze sind sehr teuer und schnell voll.
Wo übernachtet man am besten für die Cinque Terre?
Levanto und La Spezia sind die besten Basen: günstiger als die Dörfer, mit dichtem Zugtakt des Cinque Terre Express und eigener Infrastruktur. Die Übernachtung in einem Dorf selbst – am bequemsten in Monterosso – kostet mehr und verlangt Treppen, belohnt aber mit den stillen Morgen- und Abendstunden.
Ist Ligurien teuer?
Gemischt: Portofino und die Cinque Terre gehören in der Hochsaison zu den teuersten Ecken Italiens, vor allem bei Unterkünften und Strandliegen. Genua, La Spezia, Levanto und die Riviera di Ponente sind dagegen moderat, Bahnfahren ist günstig, und Focaccia oder Farinata auf die Hand kosten wenig – Nebensaison und kluge Standortwahl drücken das Budget deutlich.
Wann findet das Sanremo-Festival statt?
Das Festival della Canzone Italiana läuft traditionell im Februar im Teatro Ariston und legt eine Woche lang halb Italien vor den Fernseher. Für Reisende heißt das: Sanremo ist in dieser Woche voll und Hotels sind früh ausgebucht – dafür erlebst du die Stadt im Ausnahmezustand, während an der Riviera dei Fiori bereits alles blüht.
Lohnt sich Genua für einen Städtetrip?
Unbedingt – Genua ist eine echte Stadt statt einer Kulisse: eine der größten Altstädte Europas, die Rolli-Paläste der Via Garibaldi als UNESCO-Welterbe, das größte Aquarium Italiens am Porto Antico und eine Streetfood-Kultur von Focaccia bis Farinata. Zwei volle Tage sind das richtige Maß, gern kombiniert mit Boccadasse und einem Abstecher nach Camogli.
Kann man Ligurien gut mit Kindern bereisen?
Ja, mit der richtigen Ortswahl: Die Riviera di Ponente um Finale Ligure und Alassio bietet flach abfallende Sandstrände, das Aquarium in Genua füllt einen halben Tag, und Bootsfahrten zu Buchten wie San Fruttuoso sind Abenteuer statt Transfer. Die Cinque Terre sind mit Kinderwagen dagegen mühsam – viele Treppen, enge Gassen und im Sommer dichtes Gedränge.
LigurienEin schmaler Küstenbogen zwischen Seealpen und Mittelmeer, an dem bunte Dörfer senkrecht über dem Wasser stehen.
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