Eine Stadt, die der Winter berühmt machte zwischen zaristischer Nostalgie, Blumenhandel und der Bühne des italienischen Schlagers
Sanremos Aufstieg begann mit der Kälte – nicht der eigenen, sondern der des europäischen Nordens. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der mediterrane Winter zur Mode wurde, entdeckte der wohlhabende Adel die geschützte Bucht am Westende Liguriens. Die russische Zarin Maria Alexandrowna überwinterte hier, englische Lords ließen sich Villen in die Hänge bauen, und die Stadt antwortete mit Grandhotels, einer von Palmen gesäumten Promenade Imperatrice und 1905 mit dem Casinò – einem gusseisernen Jugendstil-Tempel, der bis heute über dem Hafen thront. Die orthodoxe Chiesa Russa mit ihren bunten Zwiebeltürmen ist das schönste Denkmal dieser kosmopolitischen Epoche.
Hinter der mondänen Fassade des 19. Jahrhunderts liegt das eigentliche, viel ältere Sanremo: La Pigna, die Altstadt, die sich wie eine Schneckenhausspirale (daher der Name „Pinienzapfen“) den Hügel hinaufwindet. Enge, oft überdachte Gassen, Treppen und Bögen verbinden Plätzchen, von denen man plötzlich auf das Meer blickt; ganz oben krönt die Wallfahrtskirche Madonna della Costa den Hang. Das Labyrinth war als Schutz gegen Sarazenen-Überfälle angelegt – heute ist es ein stilles Gegenstück zur Eleganz der Uferzone, langsam von Künstlern und kleinen Lokalen wiederbelebt.
Sein modernes Gesicht zeigt Sanremo jeden Februar: Dann wird das Teatro Ariston für eine Woche zum Nabel der italienischen Popkultur, wenn das Festival della Canzone Italiana läuft und das halbe Land vor den Fernsehern sitzt. Doch Sanremo lebt nicht nur von Erinnerung und Glamour. Es ist bis heute eine der wichtigsten Blumenhandelsstädte Europas – die Riviera dei Fiori trägt ihren Namen zu Recht –, und auf der Pista Ciclabile, der Küsten-Radstrecke auf der alten Bahntrasse, rollt das Alltagsleben am Meer entlang. travelperfect empfiehlt, La Pigna am späten Nachmittag zu erkunden, wenn die Sonne tief in die Gassen fällt, und den Abend an der Promenade ausklingen zu lassen.
