Zwei Städte, ein Heiliger und ein Hafen, der seit Jahrhunderten nach Osten schaut
Bari war immer Tor zum Osten: Byzantiner, Normannen und Staufer stritten um die Hafenstadt, und als barische Seeleute 1087 die Gebeine des heiligen Nikolaus aus Myra in der heutigen Türkei heimbrachten, wurde aus dem Handelsplatz einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Mittelalters – Station für Pilger und Kreuzfahrer auf dem Weg ins Heilige Land. Die Basilika, die man für die Reliquien baute, wurde zum Urbild der apulischen Romanik; das Castello Svevo erzählt von Friedrich II., dem Stauferkaiser, der Apulien liebte. Und bis heute ist der Nikolaus von Bari ein Bindeglied zwischen West- und Ostkirche: In der Krypta beten Katholiken und orthodoxe Pilger nebeneinander.
Eigentlich sind es zwei Städte: Bari Vecchia, das mittelalterliche Labyrinth auf der Halbinsel zwischen altem und neuem Hafen, und das Murat-Viertel, das ab 1813 unter Joachim Murat als schnurgerades Schachbrett davor gelegt wurde. Drüben Gassen, in denen das Leben auf der Straße stattfindet – Wäsche über den Köpfen, Klapptische mit trocknenden Orecchiette, Heiligenschreine an den Ecken –, hüben Boulevards, Liberty-Fassaden, die Einkaufsstraße Via Sparano und das Teatro Petruzzelli, eines der größten Opernhäuser Italiens. Dazwischen genügt das Überqueren des Corso Vittorio Emanuele, um die Jahrhunderte zu wechseln.
Lange galt Bari als raue Durchgangsstation auf dem Weg zu Trulli und Stränden – inzwischen ist die Stadt selbst das Ziel. Die Altstadt hat sich herausgeputzt, ohne ihre Seele zu verkaufen, am Lungomare laufen abends die Baresi ihre Runden, und kulinarisch spielt die Stadt ohnehin in einer eigenen Liga: Focaccia aus jahrzehntealten Backstuben, Panzerotti aus siedendem Öl, roher Fisch am Molo und dazu ein kalter Primitivo. travelperfect empfiehlt, Bari nicht als Zwischenstopp zu verplanen, sondern mindestens zwei volle Tage zu bleiben – und sich einen Abend lang ohne Plan durch Bari Vecchia treiben zu lassen.
