Wo Bari Vecchia auf die neue Stadt trifft, öffnen sich die beiden lebendigsten Plätze der Stadt: die Piazza del Ferrarese und die Piazza Mercantile. Sie gehen ineinander über und bilden zusammen das gesellschaftliche Scharnier zwischen dem Gassenlabyrinth der Altstadt und dem schachbrettartigen Murat-Viertel.
Auf der Piazza del Ferrarese liegt ein freigelegtes Stück der antiken Via Traiana im Pflaster – die römische Straße, die einst Benevent mit dem Hafen von Brindisi verband. Hinter einer Glasabdeckung kann man das alte Straßenniveau sehen und ermisst, wie tief die Geschichte unter den Tischen der heutigen Bars liegt. Direkt anschließend beginnt die Piazza Mercantile mit dem Palazzo del Sedile, dem einstigen Versammlungssitz des Stadtadels.
An der Ecke der Piazza Mercantile steht die Colonna della Giustizia, im Volksmund die Schandsäule: An ihr wurden früher zahlungsunfähige Schuldner öffentlich zur Schau gestellt. Heute wacht ihr steinerner Löwe – mit der Inschrift, die auf die Bestrafung der Schuldner anspielt – über ein ganz anderes Treiben. Denn am Abend breiten sich Bars, Tische und Stühle über beide Plätze aus, und es wird gegessen, getrunken und geredet, bis spät in die Nacht.
Beide Plätze sind frei zugänglich und das ganze Jahr über belebt. Tagsüber laden sie zum Ausruhen zwischen den Sehenswürdigkeiten der Altstadt ein, abends sind sie der Mittelpunkt des barischen Ausgehlebens. Wer Bari verstehen will, setzt sich hier einmal hin, bestellt einen Aperitivo und schaut zu, wie die Stadt zwischen römischem Pflaster und Schandsäule ihren Feierabend begeht.