Die Basilica di San Nicola ist das geistliche Herz Baris. Als barische Seeleute 1087 die Gebeine des heiligen Nikolaus aus Myra in der heutigen Türkei nach Bari brachten, begann der Bau dieser Kirche – sie wurde zum Prototyp der apulischen Romanik, deren strenge, festungsartige Formen sich in zahllosen Kirchen der Region wiederfinden. Mit ihrer breiten, wehrhaft wirkenden Fassade und den beiden flankierenden Türmen gleicht die Basilika eher einer Burg als einem Sakralbau.
In der Krypta unter dem schlichten Kirchenschiff ruhen die Reliquien des heiligen Nikolaus bis heute. Sie werden von Katholiken und orthodoxen Christen gleichermaßen verehrt, denn Nikolaus ist einer der wichtigsten Heiligen der Ostkirche. Eine eigene orthodoxe Kapelle in der Basilika macht sie zu einem der ungewöhnlichsten ökumenischen Orte Europas: Hier beten Gläubige beider Traditionen am selben Grab. Aus den Reliquien tritt zudem eine Flüssigkeit aus, die als Manna verehrt und einmal im Jahr feierlich entnommen wird.
Anfang Mai feiert die ganze Stadt die Festa di San Nicola, eines der größten Volks- und Kirchenfeste Süditaliens. Höhepunkt ist die Prozession, bei der das Bildnis des Heiligen in einer Bootsprozession aufs Meer hinausgetragen wird – ein Schauspiel, das die enge Verbindung Baris mit Heiligem und Meer eindrucksvoll zeigt.
Der Eintritt in die Basilika ist frei. Sie liegt mitten in Bari Vecchia, nur wenige Gassen von der Kathedrale San Sabino entfernt, und gehört zu jedem Altstadtrundgang. Wer eintritt, sollte sich die Krypta nicht entgehen lassen – der niedrige, von Säulen getragene Raum über den Reliquien zählt zu den eindrucksvollsten Sakralräumen Apuliens. Als aktiver Wallfahrtsort verlangt die Basilika angemessene Kleidung und Stille.