◆ REGION · ITALIEN
Apulien ist der Absatz des italienischen Stiefels – und fühlt sich an wie ein eigenes Land. In der Valle d'Itria stapeln sich die Zipfeldächer der Trulli von Alberobello, deren Kraggewölbe seit 1996 zum UNESCO-Welterbe zählen; dahinter leuchtet Ostuni weiß über einem Meer aus jahrhundertealten Olivenbäumen. Lecce hat aus seinem goldgelben Kalkstein einen Barock geschnitzt, der ihm den Beinamen „Florenz des Südens“ eintrug, während in den Gassen von Bari Vecchia die Frauen vor den Haustüren von Hand Orecchiette formen. Und dann sind da die zwei Meere: die Adria mit der Felsbucht von Polignano a Mare und den Kreidefelsen des Gargano, das Ionische Meer mit den türkisblauen Buchten des Salento um Gallipoli. Dazwischen reifen Primitivo und Negroamaro, brutzeln Bombette über Holzkohle – und an den Sommerabenden tanzt der Süden Pizzica.

Apulien war immer Italiens Tor zum Osten – und jeder, der hindurchzog, ließ etwas zurück. Die Griechen machten Taranto zu einer der mächtigsten Städte der Magna Graecia; ihr Goldschmuck füllt heute das dortige Nationalmuseum. Die Römer führten die Via Appia bis nach Brindisi, wo die Säule am Hafen noch immer das Ende der berühmtesten Straße der Antike markiert. 1087 brachten Seeleute die Gebeine des heiligen Nikolaus von Myra nach Bari – seither pilgern Katholiken wie orthodoxe Christen zur Basilika San Nicola, einem der wenigen Orte, an denen West- und Ostkirche sich seit Jahrhunderten dasselbe Heiligtum teilen. Und die Staufer hinterließen das größte Rätsel der Region: Castel del Monte, den achteckigen Kronenbau Kaiser Friedrichs II. aus dem 13. Jahrhundert, der ohne Burggraben und Küche über der Hochfläche der Murgia steht – heute UNESCO-Welterbe und auf der italienischen Ein-Cent-Münze verewigt.
Die eigentliche Architektur Apuliens aber haben Bauern erfunden. In der Valle d'Itria zwischen Bari und Brindisi schichteten sie Kalksteinplatten ohne Mörtel zu runden Häusern mit kegelförmigen Dächern – den Trulli. In Alberobello stehen sie zu Hunderten Dach an Dach und bilden seit 1996 ein UNESCO-Welterbe; in den weißen Städten ringsum, Locorotondo, Cisternino und Martina Franca, geht die Bauweise in gekalkte Gassen und Barockportale über. Ostuni krönt das Hügelland als „Città Bianca“ über der Ebene der Monumental-Olivenbäume, von denen manche seit Jahrhunderten Früchte tragen – kein Zufall, dass Apulien mehr Olivenöl erzeugt als jede andere Region Italiens. Ganz im Norden wölbt sich der Gargano ins Meer, ein Kalksporn mit Kreidefelsen, Meeresgrotten und der Foresta Umbra, deren uralte Buchenbestände zum UNESCO-Welterbe der europäischen Buchenwälder gehören.
Und dann ist da der Süden im Süden: der Salento. Lecce hat aus dem weichen, goldgelben Pietra leccese einen Barock gemeißelt, der an der Fassade von Santa Croce zum steinernen Festzug wird. Otranto, Italiens östlichste Stadt, hütet in seiner Kathedrale ein Bodenmosaik aus dem 12. Jahrhundert, das den Lebensbaum über das ganze Kirchenschiff wachsen lässt. Gallipoli – griechisch „die schöne Stadt“ – drängt seine Altstadt auf eine Insel im Ionischen Meer. Dazwischen liegt eine Küste, die karibische Vergleiche provoziert: die Baia dei Turchi, die Grotta della Poesia von Roca Vecchia, die Dünen von Punta Prosciutto. Kulinarisch regiert die Cucina povera – Orecchiette mit Cime di Rapa, Burrata aus Andria, Focaccia barese, rohe Meeresfrüchte am Hafen – und wenn Ende August in Melpignano die Notte della Taranta gefeiert wird, tanzen Zehntausende die Pizzica bis in den Morgen.
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02 · Themen-Routen
Trulli & weiße Städte
Das Hügelland zwischen Bari und Brindisi ist Apuliens Bilderbuchseite: In Alberobello drängen sich im Viertel Rione Monti die Zipfeldächer von mehr als tausend Trulli – UNESCO-Welterbe und am frühen Morgen fast menschenleer. Locorotondo legt seine kreisrunde weiße Altstadt über die Weinberge des gleichnamigen Weißweins, in Cisternino grillen die Metzgereien abends Bombette direkt am Tresen, Martina Franca antwortet mit Barockportalen und Capocollo. Den Schlusspunkt setzt Ostuni, die weiße Stadt über der Ebene der Monumental-Olivenbäume.
Barock & zwei Meere
Der Süden des Südens beginnt in Lecce, wo die Fassade von Santa Croce zeigt, was sich aus weichem goldgelbem Kalkstein meißeln lässt. Die Adriaküste führt über die Baia dei Turchi und die Grotta della Poesia von Roca Vecchia nach Otranto mit seinem Bodenmosaik aus dem 12. Jahrhundert, dann um Santa Maria di Leuca herum, wo Adria und Ionisches Meer aufeinandertreffen. Auf der ionischen Seite warten Gallipolis Inselaltstadt, der Pinienwald von Porto Selvaggio und die Dünenstrände um Punta Prosciutto – das karibischste Stück Italien.
Der Sporn des Stiefels
Ganz im Norden wölbt sich der Gargano als grüner Kalksporn in die Adria. Vieste balanciert auf seinen Kreidefelsen über dem weißen Monolithen Pizzomunno, die Küstenstraße nach Mattinata reiht Aussichtsbuchten und Meeresgrotten aneinander, die sich per Boot erkunden lassen. Im Inneren wartet die Foresta Umbra, deren uralte Buchenwälder zum UNESCO-Welterbe gehören, und in Monte Sant'Angelo steigt man in das Michaelsheiligtum der Langobarden hinab. Wer Zeit hat, setzt zu den Tremiti-Inseln über – Apuliens einzigem Archipel.
Staufer-Erbe an der Adria
Die nördliche Adriaküste gehört den Kathedralen und einem Kaiser: Castel del Monte, der achteckige Bau Friedrichs II. aus dem 13. Jahrhundert, thront ohne erkennbaren Zweck und mit perfekter Geometrie über der Murgia – UNESCO-Welterbe und Apuliens rätselhaftestes Monument. In Trani steht die romanische Kathedrale direkt an der Hafenkante, als wäre sie aus dem Meer gewachsen. Bari verbindet die Pilgerbasilika San Nicola mit dem Gassenlabyrinth von Bari Vecchia – und Andria liefert mit der Burrata die cremigste Wegzehrung der Route.
03 · Wann
Apulien ist eine der sonnigsten und trockensten Regionen Italiens: lange, heiße Sommer, milde Winter, dazwischen zwei großzügige Schulterzeiten. Die Faustregel: Mai, Juni, September und Oktober verbinden warmes Meer mit erträglichen Temperaturen und leeren Gassen – der August dagegen gehört den italienischen Ferien, dann sind die Strände des Salento voll und die Preise auf dem Jahreshoch.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Apulien ist lang – von den Kreidefelsen des Gargano bis nach Santa Maria di Leuca sind es rund 400 Straßenkilometer, und die schönsten Orte liegen selten an der Bahnlinie. Unser Reiseplaner bringt Ordnung hinein: Er wählt den passenden Flughafen (Bari für Valle d'Itria und Adria, Brindisi für den Salento), plant die Trulli und weißen Städte als Rundtour mit Mietwagen, legt Strandtage nach Wassertemperatur und Andrang und warnt rechtzeitig vor dem August-Gedränge. Sag uns, worauf du Lust hast – Barock und Aperitivo in Lecce, eine Masseria zwischen Olivenbäumen, türkisblaue Buchten oder Orecchiette-Kurse in Bari – und travelperfect entwirft daraus einen Tag-für-Tag-Plan mit echten Orten, Vierteln und Wegen.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Eine Woche ist das sinnvolle Minimum: zwei bis drei Tage für Bari, Polignano a Mare und die Valle d'Itria mit Alberobello und Ostuni, danach drei bis vier Tage für den Salento mit Lecce, Otranto und Gallipoli. Wer zusätzlich den Gargano im Norden sehen will, sollte zehn Tage bis zwei Wochen rechnen – der Sporn liegt gut zwei Autostunden von Bari entfernt und verdient eigene Übernachtungen, etwa in Vieste.
Für die Hauptachse nicht zwingend: Bari, Polignano a Mare, Ostuni und Lecce liegen an der Bahnlinie, und die Ferrovie del Sud Est verbinden – langsam, aber zuverlässig – auch Alberobello, Martina Franca, Otranto und Gallipoli. Für die Buchten des Salento, die Masserie zwischen den Olivenhainen, Castel del Monte und den gesamten Gargano ist ein Mietwagen jedoch die deutlich entspanntere Wahl; viele der schönsten Strände haben keinen Bahnanschluss.
Beides hat seinen Charakter. Die Adriaküste des Salento ist dramatischer: Felsbuchten, Meeresgrotten wie die Grotta della Poesia und der helle Sand der Baia dei Turchi bei Otranto. Die ionische Seite um Gallipoli ist flacher und familienfreundlicher – lange Dünenstrände wie Punta Prosciutto und Porto Cesareo mit karibisch flachem Wasser. Im Norden bietet der Gargano mit seinen Kiesbuchten unter Kreidefelsen, etwa der Baia delle Zagare, die spektakulärste Kulisse.
Alberobello ist mit seinen über tausend Trulli einzigartig und zu Recht UNESCO-Welterbe – aber tagsüber in der Saison sehr voll. Der beste Zugang: früh morgens oder abends kommen, wenn die Tagesausflügler weg sind, und im Rione Monti die oberen Gassen ansteuern. Übernachten im Trullo ist vielerorts möglich, in Alberobello selbst wie in der umliegenden Valle d'Itria; wer es ländlicher mag, wählt eine Masseria – einen der befestigten Gutshöfe zwischen den Olivenhainen, von einfach bis luxuriös.
Die Cucina povera in ihrer besten Form: Orecchiette con cime di rapa (mit Stängelkohl), Burrata aus Andria, Focaccia barese und frittierte Panzerotti, am Hafen von Bari oder Gallipoli rohe Meeresfrüchte und Seeigel. In der Valle d'Itria gehören die Bombette – gefüllte Fleischröllchen vom Holzkohlegrill der Metzgereien Cisterninos – zum Abend, in Lecce der Pasticciotto zum Frühstück und der Caffè leccese mit Mandelmilch gegen die Mittagshitze. Dazu Primitivo di Manduria oder Negroamaro aus dem Salento.
Es ist die mit Abstand vollste Zeit: Im August machen die Italiener selbst Ferien, die Strände des Salento und die Altstädte von Polignano oder Gallipoli sind dann dicht gefüllt, Unterkünfte deutlich teurer und oft lange im Voraus ausgebucht. Wer kann, reist im Mai, Juni, September oder Oktober – das Meer ist im Frühherbst sogar wärmer als im Juni. Wer nur im August kann, weicht auf das Hinterland der Valle d'Itria aus und plant Strandtage früh am Morgen.
05 · Weiter im Land
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