Wer Bari verstehen will, muss das Quartiere Murat durchwandert haben. Das im 19. Jahrhundert unter napoleonischer Herrschaft nach einem strengen Schachbrettmuster angelegte Viertel bildet den modernen Gegenpol zur mittelalterlichen Altstadt und zeigt, wie eine süditalienische Großstadt Würde und Lebenslust in Stein gießt. Die breiten, von Platanen gesäumten Boulevards wie der Corso Vittorio Emanuele II oder die Via Sparano da Bari laden zum Schlendern ein — nicht weil es ein Klischee wäre, sondern weil die Baresi es so wollen: Hier findet der echte Passeggiata-Abend statt, Schulter an Schulter, mit Gelato in der Hand.
Architektonisch ist das Viertel ein Lehrstück in Kontinuität. Gründerzeitliche Palazzo-Fassaden wechseln sich mit Jugendstilelementen ab, und an der Piazza Umberto I thront die Universität degli Studi di Bari Aldo Moro als imposanter Anker des intellektuellen Lebens. Nur wenige Schritte entfernt öffnet sich die Piazza della Libertà mit Blick auf das Teatro Petruzzelli — Italiens viertgrößtes Opernhaus, das nach einem verheerenden Brand 1991 aufwendig restauriert wurde und heute wieder Konzerte und Opernabende beherbergt.
Für Reisende ist das Quartiere Murat der ideale Ausgangspunkt: Die meisten Hotels konzentrieren sich hier, die Verbindung zur Altstadt Bari Vecchia ist zu Fuß in wenigen Minuten zu schaffen, und der Bahnhof Bari Centrale liegt ebenfalls im Viertel. Abends verwandeln sich die Bars rund um die Via Cairoli und die Piazza Ferrarese in informelle Treffpunkte, an denen Aperol Spritz und lokaler Primitivo nebeneinander auf der Theke stehen.
Einkaufen geht man hier auf der Via Sparano, Baris wichtigster Fußgängerzone, wo internationale Modeketten auf kleine pugliese Boutiquen treffen. Wer hingegen Märkte bevorzugt, findet auf dem Mercato del Pesce an der Küste frischen Fang direkt vom Boot — ein Schauspiel, das schon früh morgens beginnt und bis Mittag vorbei ist. Das Quartiere Murat ist kein Museumsviertel, sondern ein lebendiger Stadtraum, der zeigt, wie Bari im Alltag wirklich tickt.

Teatro Petruzzelli
1903 eröffnetes Privattheater am Corso Cavour, eines der größten Italiens: nach dem Brand von 1991 erst 2009 wiedereröffnet, heute Bühne der Fondazione Petruzzelli für Oper, Konzert und Ballett.
1903 eröffnet, eines der größten Theater Italiens