Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Molise
In Saepinum weiden Schafe zwischen den Säulen des Forums, und außer dir läuft an einem normalen Vormittag kaum jemand über den römischen Decumanus.
Saepinum am Fuß des Matese ist der eine Ort, für den sich die Anreise nach Molise allein lohnt: eine komplett ausgegrabene römische Provinzstadt bei Sepino, mit Stadtmauer, Toren, Forum, Basilika und einem Theater, an dessen Rückseite sich später Bauernhäuser in die Ränge gesetzt haben – sie stehen bis heute. Es gibt keine Absperrgitter und keine Menschenschlangen; du gehst über die originalen Pflasterplatten des Decumanus, während nebenan Schafe grasen. Das passt historisch: Direkt durch die Stadt verlief der Tratturo Pescasseroli–Candela, einer der großen Triebwege der Wanderhirten, auf denen Herden über Jahrhunderte zwischen Abruzzen und Apulien zogen.
In Termoli gehören das staufische Kastell aus dem 13. Jahrhundert und die romanische Kathedrale mit ihrer fein gearbeiteten Fassade zum Pflichtprogramm – beide liegen im ummauerten Borgo Vecchio, dazu kommt der Blick von der Stadtmauer auf Trabucchi und Adria. Campobasso setzt dagegen aufs Bergland: Das Castello Monforte aus dem 15. Jahrhundert wacht über der Altstadt, in deren Gassen romanische Kirchen wie San Bartolomeo und San Giorgio stehen. Und in Isernia erzählt das Nationalmuseum des Paläolithikums von der Fundstätte La Pineta, einem der ältesten Siedlungsplätze Europas – die Funde sind rund 700.000 Jahre alt.
Das Hochland liefert die eigenwilligsten Ziele: In Pietrabbondante liegt auf gut 950 Metern das Theaterheiligtum der Samniten, jenes Bergvolks, das Rom jahrhundertelang trotzte – die steinernen Sitzreihen mit ihren geschwungenen Lehnen blicken weit über die Täler. Bei Castelpetroso wächst die neugotische Wallfahrtsbasilika der Addolorata wie eine Kathedrale aus den Bergen, und im oberen Volturno-Tal erinnert die Abtei San Vincenzo al Volturno mit der Krypta des Epiphanius an eines der bedeutendsten Klöster des frühen Mittelalters – die Fresken aus dem 9. Jahrhundert sind nur zu bestimmten Zeiten zugänglich, die Anlage und der nahe Stausee von Castel San Vincenzo lohnen aber immer.
Dazwischen liegen Dörfer, die anderswo längst Kulisse wären: Frosolone, seit Generationen Heimat der Messer- und Scherenschmiede, Oratino mit seinen Steinmetzfassaden über dem Biferno-Tal, Fornelli hinter seiner Mauer mit sieben Türmen – mehrere davon stehen auf der Liste der "Borghi più belli d'Italia". In Larino nahe der Küste liegt ein römisches Amphitheater mitten im Wohngebiet, ein paar Gassen weiter die Kathedrale mit ihrer gotischen Rosette. Plane keine straffe Abhak-Liste: Die Distanzen sind kurz, aber die Straßen kurvig, und der halbe Reiz besteht darin, in einem Dorf ohne Plan an der Bar zu stehen.



















