Die schönsten Sehenswürdigkeiten im Aostatal – von Aosta bis zum Lago Blu
Morgens um neun liegt die Porta Praetoria noch im Schatten, und zwischen den grauen Torbögen aus Puddingstein hindurch siehst du am Ende der Gasse verschneite Grate.
Aosta zuerst: Die Römer gründeten die Stadt 25 v. Chr. als Augusta Praetoria, und ihr Grundriss ist bis heute der eines Militärlagers. Du betrittst die Altstadt durch die Porta Praetoria mit ihren doppelten Torbögen, gehst weiter zum römischen Theater, dessen 22 Meter hohe Fassadenwand frei in den Berghimmel ragt, und steigst unter dem Domplatz in den Kryptoportikus hinab, einen unterirdischen Säulengang aus der Gründungszeit. Am östlichen Stadtrand steht der Augustusbogen, seit über zweitausend Jahren Blickachse der Stadt. Alles liegt in Gehweite, ein halber Tag reicht für die Monumente – aber bleib länger, denn Aostas Cafés und die zweisprachigen Marktgespräche sind die eigentliche Attraktion. Ende Januar füllt die über tausend Jahre alte Fiera di Sant'Orso die Gassen mit Holzschnitzern aus dem ganzen Tal.
Die Talstraße war jahrhundertelang der Weg über die Alpenpässe, und wer sie kontrollierte, baute Burgen: Über siebzig stehen noch im Tal. Das Forte di Bard sperrt die engste Stelle am Taleingang – Napoleon biss sich hier im Mai 1800 zwei Wochen lang fest und ließ die Festung danach schleifen; der Wiederaufbau aus den 1830er-Jahren beherbergt heute das Museo delle Alpi, gläserne Schrägaufzüge ziehen dich die Festungsterrassen hinauf. Das Castello di Fénis ist die Bilderburg der Region: doppelter Mauerring, Wehrtürme, ein Innenhof mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert – der Zutritt läuft in geführten Kleingruppen mit Zeitfenstern, komm also nicht auf den letzten Drücker. Im Castello di Issogne wartet der berühmte Granatapfelbrunnen im Arkadenhof, Verrès thront als kompakter Würfel über dem gleichnamigen Ort.
Am Talschluss des Valtournenche zeigt das Matterhorn seine Südwand – hier heißt der Berg Cervino, und er wirkt von Breuil-Cervinia aus wuchtiger und näher als von der Schweizer Seite. Der klassische Aussichtspunkt ist der Lago Blu ein Stück unterhalb des Ortes: ein kleiner See zwischen Lärchen, in dem sich der Gipfel an windstillen Morgen spiegelt – geh früh hin, ab Vormittag steht oft eine Wolkenfahne am Berg. Von Cervinia selbst bringen dich Bahnen im Sommer Richtung Plateau Rosa auf fast 3.500 Meter, wo du im Hochsommer neben Sommerskifahrern über die Gletscherwelt Richtung Monte Rosa schaust.
Und dann Cogne mit den Cascate di Lillaz: Am Rand des Bergdorfs Lillaz stürzt der Wildbach in drei Stufen über insgesamt rund 150 Meter in die Tiefe, ein einfacher Weg führt an allen Stufen entlang – im Winter klettern hier Eiskletterer in den gefrorenen Vorhängen. Cogne selbst liegt auf einer weiten Wiesenebene, dem Prato di Sant'Orso, mit direktem Blick auf die Gletscher des Gran Paradiso; das Dorf war einst Bergbauort, die alte Eisenerz-Seilbahntrasse und das Minenmuseum erzählen davon. Von hier bist du mitten im Nationalpark – dazu gleich mehr.























