Zweitausend Jahre, zwei Gesichter eine römische Kolonie, die zur Hauptstadt des europäischen Badeurlaubs wurde
Rimini beginnt nicht am Strand, sondern an einer Straßenkreuzung der Antike. 268 v. Chr. als Ariminum gegründet, trafen hier die Via Flaminia aus Rom und die Via Emilia zusammen, die der ganzen Region den Namen gab. Der Arco d'Augusto von 27 v. Chr. gilt als ältester erhaltener römischer Ehrenbogen Norditaliens, der unter Tiberius vollendete Ponte di Tiberio trägt noch heute Fußgänger und Radfahrer über den alten Flussarm. Auf der Piazza Tre Martiri, dem einstigen Forum, soll Caesar nach der Überschreitung des Rubikon zu seinen Truppen gesprochen haben – und in der Domus del Chirurgo kam einer der reichsten chirurgischen Instrumentenfunde der Antike ans Licht.
Das zweite große Kapitel schrieben die Malatesta. Sigismondo Pandolfo Malatesta, Condottiere und Kunstmäzen, ließ ab 1450 die Franziskanerkirche von Leon Battista Alberti zum Tempio Malatestiano umbauen – ein Schlüsselwerk der Frührenaissance, innen mit einem Fresko Piero della Francescas und einem Kruzifix Giottos. Seine Festung Castel Sismondo beherrscht bis heute die westliche Altstadt; seit 2021 flackern dort die Traumbilder des Fellini Museums durch die Säle, ergänzt um das restaurierte Cinema Fulgor, in dem der junge Federico seine ersten Filme sah.
Das dritte Gesicht entstand am Wasser: 1843 eröffnete das erste Seebad, 1908 folgte das Grand Hotel, dessen Belle-Époque-Silhouette Fellini in „Amarcord“ zum Mythos erhob. Nach dem Krieg machte Rimini den Badeurlaub demokratisch und wurde zum Synonym des italienischen Sommers. Heute verbindet der autofreie Parco del Mare die Bagni mit Dünengärten und Radwegen, im Borgo San Giuliano leuchten Wandbilder zwischen Trattorien, und die Piadina vom Kiosk bleibt die ehrlichste Mahlzeit der Romagna. travelperfect empfiehlt: vormittags Römer und Renaissance, nachmittags Strand – Rimini belohnt beide Tempi.
