Wer Rimini nur als Strandort kennt, hat Borgo San Giuliano noch nicht gesehen. Das alte Fischerviertel am Nordufer des Marecchia-Flusses ist eine eigene Welt: enge Kopfsteinpflastergassen, Häuserfassaden in Ocker, Terrakotta und verblasstem Blau, und an fast jeder Ecke ein Wandgemälde, das Szenen aus Federico Fellinis Filmen zeigt. Der Regisseur wurde in Rimini geboren, und die Bewohner des Borgo haben ihm mit diesen Murales eine liebevolle Hommage geschaffen, die das Viertel in eine Art Open-Air-Galerie verwandelt.
Der Charakter des Borgo ist schwer in eine Kategorie zu pressen. Tagsüber schlendern Besucher durch die Via Marecchia und die kleinen Querstraßen, fotografieren die blumengeschmückten Fensterbänke und entdecken die kleinen Kapellen, die in Hausnischen eingelassen sind. Die Ponte di Tiberio, die steinerne Römerbrücke aus dem ersten Jahrhundert, bildet den westlichen Abschluss des Viertels und verbindet es mit der Altstadt – ein Übergang, der symbolischer kaum sein könnte.
Abends verändert sich die Stimmung grundlegend. Die Trattorie öffnen ihre Türen, Kerzen flackern auf kleinen Tischen vor den Hauseingängen, und der Duft von gegrilltem Fisch zieht durch die Gassen. Es ist kein Tourismus-Spektakel, sondern echtes Viertelsleben – Nachbarn, die sich über Gartenzäune hinweg unterhalten, Kinder auf Fahrrädern, alte Männer auf Bänken.
Borgo San Giuliano ist für alle interessant, die das Rimini jenseits der Strandpromenade suchen: Kunstfreunde wegen der Fellini-Murales, Geschichtsinteressierte wegen der Ponte di Tiberio, und alle, die einfach gut essen und in Ruhe durch ein lebendiges, unverstelltes Viertel streifen möchten.

Ponte di Tiberio
Fast 2.000 Jahre alte römische Brücke aus istrischem Kalkstein, die die Altstadt mit dem Borgo San Giuliano verbindet.
Römische Brücke, vollendet 21 n. Chr. unter Tiberius