Wer Rimini nur als Badeort kennt, hat das eigentliche Herz der Stadt noch nicht gesehen. Das Centro Storico öffnet sich dem Besucher wie ein Buch, das in verschiedenen Epochen gleichzeitig geschrieben wurde: Hier steht der Arco d'Augusto, Italiens ältester erhaltener Triumphbogen aus dem Jahr 27 v. Chr., keine zehn Gehminuten entfernt vom Ponte di Tiberio, der so solide gebaut wurde, dass er bis heute täglich überquert wird. Zwischen diesen beiden römischen Monumenten erstreckt sich eine Altstadt, die man am besten zu Fuß und ohne Eile erkundet.
Das Zentrum des Lebens ist die Piazza Cavour mit ihrem Palazzo dell'Arengo und dem Palazzo del Podestà – zwei mittelalterliche Bauten, die den Platz rahmen und ihm eine fast theatralische Würde verleihen. Abends, wenn die Riminesen zum Passeggiata aufbrechen, füllt sich die Piazza Tre Martiri mit Stimmen und Espressodüften. Hier stand einst das Forum der römischen Stadt Ariminum; heute flanieren Großmütter neben Studenten, und die Bars schieben ihre Stühle ins Freie.
Das Centro Storico ist kein Museum, das um 18 Uhr schließt. Es ist ein bewohntes Viertel mit Handwerksbetrieben in den Erdgeschossen, Wäscheleinen über engen Vicoli und Trattorien, in denen die Tageskarte auf einer Kreidetafel steht. Der Tempio Malatestiano – ein von Leon Battista Alberti umgestalteter Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert, der als einer der ersten Renaissancebauten der Region gilt – überragt das Viertel und erinnert daran, dass Rimini einst Residenzstadt der Malatesta war, einer der mächtigsten Herrscherfamilien der Romagna.
Für Reisende, die mehr wollen als Strand und Sonnenschirm, bietet das Centro Storico eine dichte Abfolge von echten Momenten: ein Cappuccino an der Bar Cavour, ein Rundgang durch das Museo della Città mit seinen römischen Mosaiken, ein Abendessen in einer der Osterie rund um die Via Tempio Malatestiano. Das Viertel ist kompakt genug, um es an einem halben Tag zu erfassen – und reich genug, um mehrere Besuche zu rechtfertigen.

Tempio Malatestiano
Riminis Dom ist ein Schlüsselwerk der Frührenaissance: eine gotische Kirche, die Leon Battista Alberti mit einer nie vollendeten Marmorfassade ummantelte.
Schlüsselwerk der italienischen Frührenaissance