Das Battistero Neoniano, auch Baptisterium der Orthodoxen genannt, gehört zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Ravennas. Bischof Neon ließ die achteckige Taufkapelle im 5. Jahrhundert ausschmücken – ein Bau, der allein durch sein Alter beeindruckt, denn er stammt aus jener frühen Phase, in der das Christentum gerade dabei war, seine eigene Bildsprache zu finden. Die achteckige Grundform ist dabei kein Zufall: Die Acht steht in der christlichen Symbolik für den achten Tag, den Tag der Auferstehung und der Wiedergeburt durch die Taufe. In der Kuppel entfaltet sich das zentrale Mosaik: Christus steigt aus dem Jordan, während die zwölf Apostel in feierlicher Prozession um die Taufszene schreiten. Die Apostel tragen Kronen in den Händen und bewegen sich auf goldenem Grund in einem nie endenden Reigen um das Zentrum. Es ist ein Mosaik von verblüffender Frische und Unmittelbarkeit – die Figuren wirken lebendig, fast in Bewegung begriffen, und die Farben haben über anderthalb Jahrtausende kaum an Leuchtkraft verloren. Ein Detail erzählt von der besonderen Geschichte der Stadt: Der Boden des Baptisteriums liegt heute deutlich über dem antiken Niveau. Das verdankt sich dem langsamen Absinken Ravennas – ein Phänomen, das viele Monumente der Stadt teilen und das daran erinnert, dass die Mosaikenstadt einst inmitten von Lagunen und Sümpfen lag. Das Baptisterium gehört zum UNESCO-Welterbe der frühchristlichen Monumente Ravennas und liegt zentral neben dem Dom. Es lässt sich gut mit den übrigen Mosaiken-Monumenten zu einem Rundgang verbinden – und führt eindrücklich vor Augen, wie früh und wie souverän die Mosaikkunst hier schon ihren Höhepunkt erreichte.
Das Kuppelmosaik im Senkrechtblick aufnehmen, um die Apostelprozession ganz zu erfassen.






























