Wer den Centro Storico von Parma zum ersten Mal betritt, versteht sofort, warum diese Stadt so oft als eine der kulinarisch und kulturell reichsten Italiens gilt. Zwischen dem Dom aus dem 12. Jahrhundert und dem Baptisterium aus rosa Veroneser Marmor öffnet sich ein Stadtbild, das Jahrhunderte wie Schichten einer Torte übereinanderlegt — ohne dabei je museal zu wirken. Hier wird gelebt, diskutiert, gegessen und gefeiert.
Die Piazza del Duomo bildet das räumliche und emotionale Zentrum des Viertels. Morgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf das Baptisterium fallen und die Händler ihre Stände an der nahen Piazza Ghiaia aufbauen, gehört der Platz noch den Einheimischen. Wer früh genug aufsteht, erlebt ein Parma, das sich nicht für Besucher inszeniert. Das Innere des Doms bewahrt Correggios Kuppelfresko — eine der kühnsten Illusionen der Renaissancemalerei, die den Blick förmlich in den Himmel zieht.
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Palazzo della Pilotta, ein riesiger Backsteinbau, der das Farnese-Theater beherbergt — eines der ältesten erhaltenen Holztheater der Welt. Daneben zeigt die Galleria Nazionale Werke von Correggio und Parmigianino, zwei Malern, deren Namen untrennbar mit dieser Stadt verbunden sind. Das Viertel ist durchzogen von engen Gassen, in denen Buchhandlungen neben Delikatessenläden existieren, in denen luftgetrockneter Prosciutto di Parma und Parmigiano Reggiano in Laiben von der Decke hängen.
Der Borgo delle Colonne und die Via Cavour sind die eleganten Flaniermeilen des Zentrums, gesäumt von Palazzi aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Am Abend füllen sich die Bars rund um die Piazza Garibaldi, wo Studenten der Universität Parma — eine der ältesten Europas — und ältere Stammgäste gleichermaßen beim Aperitivo zusammenkommen. Der Centro Storico ist kein Freilichtmuseum, sondern ein Ort, der seine Geschichte täglich neu belebt.

Duomo di Parma
Der romanische Dom Santa Maria Assunta beeindruckt mit Correggios Kuppelfresko der Himmelfahrt Mariens und Antelamis Kreuzabnahme-Relief – der Eintritt ist frei.
Correggios Kuppelfresko der Himmelfahrt Mariens (1526–1530)