In einer ehemaligen Apotheke in der Via Cartoleria, zwischen alten Holzregalen und Apothekerflaschen, führt Patron Emanuele Addone seine Drogheria della Rosa wie ein Abendessen unter Freunden. Eine geschriebene Speisekarte gibt es kaum; stattdessen tritt der Wirt an den Tisch und erzählt, was Markt und Küche an diesem Tag hergeben. Das Lokal lebt von dieser persönlichen, fast familiären Form der Gastfreundschaft.
Was auf den Tisch kommt, ist klassische emilianische Küche aus frischen Zutaten: Tortelli mit Kürbis, Tagliatelle al ragù, geschmortes Kaninchen und weitere Gerichte, die je nach Saison und Angebot wechseln. Dazu empfiehlt Addone Weine der Region, vor allem Lambrusco und Sangiovese, oft mit einer kleinen Geschichte zum Erzeuger. Das historische Ambiente der alten Apotheke – die dunklen Regale, die Glasfläschchen, das warme Licht – verleiht den kleinen Räumen einen Charakter, den kein neu eingerichtetes Restaurant nachstellen kann.
Abends füllen Stammgäste und Reisende die wenigen Tische bis auf den letzten Stuhl, weshalb sich Reservieren lohnt. Die Drogheria della Rosa ist kein Ort für schnelles Essen, sondern für einen langen, gesprächigen Abend mit ehrlicher Küche und einem Gastgeber, der sein Lokal als Verlängerung des eigenen Esstisches versteht. Wer das persönliche, traditionsbewusste Bologna sucht – jenseits der großen Namen –, findet hier eine der charaktervollsten Adressen der Stadt, gleich beim ruhigen Viertel um Santo Stefano.