Seit 1985 ist die Trattoria Anna Maria in der Via Belle Arti, mitten im Universitätsviertel, eine feste Größe für handgemachte Pasta. Schon beim Hereinkommen passiert man den Arbeitstisch der Sfogline, jener Frauen, die nach alter Tradition den Eierteig mit dem langen Holzstab ausrollen und daraus die Pasta der Stadt formen. Dieses sichtbare Handwerk ist das Versprechen des Hauses: Hier kommt nichts aus der Maschine.
Auf den Teller kommen die Klassiker der bolognesischen Küche in ihrer besten Form: Tortellini in brodo in klarer Brühe, Tagliatelle al ragù – die echte Variante dessen, was im Ausland fälschlich „Spaghetti Bolognese" heißt –, und Tortelloni, gefüllt mit Ricotta. Die Wände sind über und über mit Fotos von Schauspielern, Sängern und Musikern bedeckt, die hier nach ihren Vorstellungen im nahen Teatro Comunale gegessen haben – ein Bilderarchiv der Bologneser Kulturszene.
Gegründet wurde die Trattoria von Anna Maria Monari, einer Institution der Stadt, die 2021 verstarb; ihr Team führt das Haus seither im selben Geist weiter. Die Atmosphäre ist herzlich und unprätentiös, die Küche verlässlich und ehrlich. Wegen der anhaltenden Beliebtheit ist Reservieren Pflicht. Wer die handwerkliche Seite der emilianischen Pasta erleben will, in einem Lokal, das Tradition und Wärme verbindet, ist hier genau richtig – ein Klassiker, der seinen Ruf seit fast vier Jahrzehnten verteidigt.