
◆ STADT · BASILIKATA
Matera ist keine Stadt, die man besucht – es ist eine, in die man hinabsteigt. In die Sassi, das Labyrinth aus Höhlenwohnungen, Treppengassen und Felskirchen, das sich über zwei Schluchtflanken in den weichen Tuffstein gräbt und seit Jahrtausenden ununterbrochen bewohnt ist. Noch in den 1950er Jahren galt diese Welt aus Grotten als nationale Schande, ihre Bewohner wurden umgesiedelt; heute ist sie UNESCO-Welterbe und die Kulisse, in die Pasolini, Mel Gibson und James Bond ihre Bilder setzten. Wenn am Abend die honigfarbenen Fassaden im Gegenlicht glühen und gegenüber, jenseits der Gravina-Schlucht, die kahle Murgia-Hochebene mit ihren in den Fels gehauenen Kirchen liegt, versteht man, warum Matera als eine der ältesten und eigentümlichsten Städte der Welt gilt.

Die Sassi sind älter als die Geschichte selbst. Menschen haben die natürlichen Grotten im Tuffstein der Gravina-Schlucht schon in der Jungsteinzeit bewohnt, sie über Jahrtausende erweitert, vertieft, übereinandergestapelt – so entstand das, was Materaner „ein umgekehrtes Stadtbild“ nennen: Das Dach des einen Hauses ist die Gasse des nächsten. Im Sasso Caveoso und im Sasso Barisano, getrennt durch den Felssporn der Civita mit dem Dom, lebten bis weit ins 20. Jahrhundert Bauernfamilien mit ihren Tieren in denselben Höhlen, ohne Kanalisation und fließend Wasser.
Carlo Levi machte diese Welt 1945 in „Christus kam nur bis Eboli“ zum Sinnbild für die vergessene Armut des italienischen Südens. Der Skandal war so groß, dass der Staat in den 1950er Jahren die gesamte Bevölkerung der Sassi in neue Wohnviertel umsiedelte – rund 15.000 Menschen. Über Jahrzehnte lagen die Höhlen verlassen und verfielen. Erst in den 1980er Jahren begann die Wiederentdeckung: Künstler, Handwerker und Hoteliers zogen in die Grotten zurück, 1993 wurde Matera UNESCO-Welterbe, 2019 Europäische Kulturhauptstadt.
Heute ist die Stadt eine seltene Doppelwelt: Oben, auf dem Piano, breitet sich das gewöhnliche Matera mit seinen Plätzen und Cafés aus. Unten, in den Sassi, sind aus den einstigen Elendsquartieren Höhlenhotels, Felsrestaurants und Galerien geworden – ohne dass die archaische Wucht des Ortes verloren ging. travelperfect rät, früh zu kommen, sich planlos durch die Treppengassen treiben zu lassen und einmal in die Murgia auf der anderen Schluchtseite zu wandern, um Matera so zu sehen, wie es sich über Jahrtausende selbst gegenübersteht.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel





· Sehenswürdigkeiten
· Hotels
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Die zwei Sassi
Der Kern jedes Matera-Besuchs: ein Tag in den beiden Höhlenvierteln. Vom Sasso Caveoso mit der felsgehauenen Santa Maria de Idris und der Casa Grotta, die das alte bäuerliche Leben zeigt, hinüber zum verschachtelten Sasso Barisano. Dazwischen die Civita mit dem romanischen Dom auf dem höchsten Punkt. Wer die Hauptachsen verlässt, findet stille Treppengassen, in denen kaum jemand unterwegs ist.
Felskirchen & Murgia
Jenseits der Gravina-Schlucht beginnt der Parco della Murgia Materana, eine karge Hochebene, in deren Tuff über 150 Chiese Rupestri liegen – byzantinische Felskirchen mit verblassten Fresken. Vom Belvedere dort drüben hat man den berühmtesten Gesamtblick auf die Sassi. Eine geführte Wanderung über die alte Fußgängerbrücke verbindet beide Welten.
Kino & Kulisse
Kaum eine Stadt war so oft Filmkulisse: Pasolini drehte hier sein „1. Evangelium – Matthäus“, Mel Gibson „Die Passion Christi“, und 2021 jagte James Bond in „Keine Zeit zu sterben“ durch die Sassi und über die Piazza. Eine thematische Tour führt zu den Drehorten und erklärt, warum Matera so oft das Jerusalem der Antike oder eine zeitlose Steinwelt spielt.
Lukanische Küche
Die Küche der Basilikata ist bäuerlich und kräftig: das knusprige Pane di Matera aus Hartweizen mit IGP-Siegel, die getrockneten und frittierten Peperoni Cruschi, Orecchiette mit Cime di Rapa und der kräftige Aglianico-Rotwein vom Vulture. In den Felsrestaurants der Sassi wird das alles unter Tuffgewölben serviert – Essen in Höhlen, die einst Ställe und Zisternen waren.
03 · Wann
Matera liegt im Binnenland der Basilikata, in einem Talkessel über der Gravina-Schlucht – das Klima ist mediterran, aber kontinentaler als an den Küsten. Der helle Tuffstein speichert die Hitze, weshalb der Hochsommer in den Sassi anstrengend werden kann. Frühling und Herbst sind ideal: mildes Wetter, langes goldenes Licht auf den Fassaden und überschaubarer Andrang, wenn man die Wochenenden meidet.
04 · Häufige Fragen
Zwei volle Tage sind ideal: einer für die beiden Sassi-Viertel mit Casa Grotta und Felskirchen, einer für die Murgia-Hochebene auf der anderen Schluchtseite und die Drehorte. Wer es ruhiger angehen oder eine Höhlenhotel-Nacht voll auskosten will, plant drei Tage. Als Tagesausflug von Bari aus sieht man nur die Oberfläche.
Matera hat keinen Anschluss ans italienische Hauptbahnnetz. Am einfachsten reist man über den Flughafen Bari (rund 65 km) an und nimmt von dort einen Mietwagen oder die private Ferrovie-Appulo-Lucane-Bahn beziehungsweise Busse, die in etwa 1 bis 1,5 Stunden nach Matera fahren. Auch Fernbusse aus Rom und Neapel halten in der Stadt.
Sehr. In einer ehemaligen Grotte zu schlafen, mit Tuffwänden und gedämpftem Licht, ist das eigentliche Matera-Erlebnis. Häuser wie das Sextantio Le Grotte della Civita oder das Aquatio Cave Luxury Hotel haben aus den einstigen Höhlenwohnungen stimmungsvolle Unterkünfte gemacht. Wichtig: Viele Sassi-Hotels sind nur über Treppen erreichbar – wer schweres Gepäck hat, fragt vorab nach.
Die Sassi sind zwei ganze Stadtviertel aus Höhlenwohnungen, die in den Tuffstein gegraben wurden und seit Jahrtausenden bewohnt waren. Nach der Umsiedlung in den 1950er Jahren lagen sie verlassen, heute sind sie restauriert, UNESCO-Welterbe und frei begehbar. Eine Casa Grotta zeigt eine original eingerichtete Höhlenwohnung von einst.
Matera ist eine der meistgenutzten Filmkulissen Italiens. Pier Paolo Pasolini drehte hier 1964 „Das 1. Evangelium – Matthäus“, Mel Gibson 2004 „Die Passion Christi“, und 2021 diente die Stadt als Schauplatz der Eröffnungsjagd im Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“. Ihre zeitlose Steinwelt spielt oft das antike Jerusalem.
Unbedingt das Pane di Matera, ein großes Hartweizenbrot mit IGP-Siegel und tagelanger Haltbarkeit, dazu die Peperoni Cruschi – getrocknete, kurz frittierte Paprikaschoten, die zu vielem gereicht werden. Klassiker sind außerdem Orecchiette mit Cime di Rapa und der kräftige Aglianico del Vulture. Am stimmungsvollsten isst man in den Felsrestaurants unter Tuffgewölben.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Matera und der Basilikata.
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