📍 40.67°N · 16.60°E
Zoom 4 / 5Stadt · in der Basilikata

◆ STADT · BASILIKATA

Matera.wo eine ganze Stadt aus dem Fels gehauen ist und das Licht des Abends die Höhlen zum Glühen bringt

Matera ist keine Stadt, die man besucht – es ist eine, in die man hinabsteigt. In die Sassi, das Labyrinth aus Höhlenwohnungen, Treppengassen und Felskirchen, das sich über zwei Schluchtflanken in den weichen Tuffstein gräbt und seit Jahrtausenden ununterbrochen bewohnt ist. Noch in den 1950er Jahren galt diese Welt aus Grotten als nationale Schande, ihre Bewohner wurden umgesiedelt; heute ist sie UNESCO-Welterbe und die Kulisse, in die Pasolini, Mel Gibson und James Bond ihre Bilder setzten. Wenn am Abend die honigfarbenen Fassaden im Gegenlicht glühen und gegenüber, jenseits der Gravina-Schlucht, die kahle Murgia-Hochebene mit ihren in den Fels gehauenen Kirchen liegt, versteht man, warum Matera als eine der ältesten und eigentümlichsten Städte der Welt gilt.

Matera.

Von der Schande zum Welterbe die wohl ungewöhnlichste Stadtgeschichte Italiens, in Tuffstein geschrieben

Die Sassi sind älter als die Geschichte selbst. Menschen haben die natürlichen Grotten im Tuffstein der Gravina-Schlucht schon in der Jungsteinzeit bewohnt, sie über Jahrtausende erweitert, vertieft, übereinandergestapelt – so entstand das, was Materaner „ein umgekehrtes Stadtbild“ nennen: Das Dach des einen Hauses ist die Gasse des nächsten. Im Sasso Caveoso und im Sasso Barisano, getrennt durch den Felssporn der Civita mit dem Dom, lebten bis weit ins 20. Jahrhundert Bauernfamilien mit ihren Tieren in denselben Höhlen, ohne Kanalisation und fließend Wasser.

Carlo Levi machte diese Welt 1945 in „Christus kam nur bis Eboli“ zum Sinnbild für die vergessene Armut des italienischen Südens. Der Skandal war so groß, dass der Staat in den 1950er Jahren die gesamte Bevölkerung der Sassi in neue Wohnviertel umsiedelte – rund 15.000 Menschen. Über Jahrzehnte lagen die Höhlen verlassen und verfielen. Erst in den 1980er Jahren begann die Wiederentdeckung: Künstler, Handwerker und Hoteliers zogen in die Grotten zurück, 1993 wurde Matera UNESCO-Welterbe, 2019 Europäische Kulturhauptstadt.

Heute ist die Stadt eine seltene Doppelwelt: Oben, auf dem Piano, breitet sich das gewöhnliche Matera mit seinen Plätzen und Cafés aus. Unten, in den Sassi, sind aus den einstigen Elendsquartieren Höhlenhotels, Felsrestaurants und Galerien geworden – ohne dass die archaische Wucht des Ortes verloren ging. travelperfect rät, früh zu kommen, sich planlos durch die Treppengassen treiben zu lassen und einmal in die Murgia auf der anderen Schluchtseite zu wandern, um Matera so zu sehen, wie es sich über Jahrtausende selbst gegenübersteht.

Planung

Matera: Anreise & Praktisches Anreise, Nahverkehr und gut zu wissen

Lage
Basilikata, im Südosten Italiens nahe der apulischen Grenze, über der Gravina-Schlucht
Anreise per Flug
Nächster Flughafen Bari (BRI) ca. 65 km; von dort Mietwagen oder die Ferrovie-Appulo-Lucane-Bahn/Busse nach Matera in gut 1–1,5 Std.
Mit dem Zug
Keine Anbindung ans Trenitalia-Hauptnetz; ab Bari die private FAL-Bahn, ansonsten Fernbusse (z. B. von Rom oder Neapel)
Beste Reisezeit
Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober); der Hochsommer wird im Talkessel sehr heiß
Zeitzone
Europe/Rome (MEZ/MESZ)
Vor Ort unterwegs
Die Sassi nur zu Fuß – feste Schuhe für die unzähligen Treppen; das Auto bleibt am besten im Piano oder am Stadtrand
Sprache & Zahlung
Italienisch (lukanischer Dialekt); Euro, Kartenzahlung in Hotels und Restaurants üblich
Insider-Tipp
Eine Casa Grotta und mindestens eine Felskirche besuchen – sie erklären die Sassi besser als jeder Panoramablick

Stadtviertel

Stadtviertel in Matera jedes mit eigenem Charakter

Entdecken

Sehenswürdigkeiten in Matera – Sassi, Dom & Felskirchen Von Santa Maria de Idris zum Palombaro Lungo

Die Sassi erkundet man am besten zu Fuß und früh am Morgen, bevor die Treppengassen heiß werden. Für die Felskirchen und Casa-Grotta-Museen lohnt ein zeitiges Ticket, der Palombaro Lungo nur mit Führung.

Übernachten

Hotels in Matera – schlafen im Tuffstein der Sassi Höhlenzimmer mit Blick über die Gravina-Schlucht

Wer im Tuffstein schlafen will, bucht ein Höhlenzimmer im Sasso Barisano oder Sasso Caveoso – atmosphärisch, aber treppenreich. Wer es bequemer mag, wohnt im ebenen Piano oben in der Neustadt.

Genießen

Restaurants in Matera – Pane di Matera & lukanische Küche Cucina povera aus Bohnen, Cruschi-Paprika und Brot

Auf den Tisch kommt die deftige Cucina povera der Basilikata: Pane di Matera, Cialledda, Orecchiette mit Peperoni cruschi. Am stimmungsvollsten isst man in den Höhlenlokalen von Sasso Caveoso und Barisano.

Erleben

Aktivitäten & Touren in Matera – Murgia & Höhlen Über die Gravina zur Belvedere Murgia Timone

Geführte Sassi-Rundgänge erschließen das Höhlenlabyrinth, hinüber zur Murgia geht es zu Fuß durch die Gravina-Schlucht oder per Shuttle zu den Felskirchen. Abends lohnt eine Tour zum Belvedere für den Blick aufs Lichtermeer.

Angebot

Hotels, Touren & mehr in Matera alles zum Planen an einem Ort

7
Sehenswürdigkeiten
Sassi, Felskirchen & Museen →
🛏
7
Hotels
Höhlenhotel bis Palazzo →
🍽
6
Restaurants
Trattoria bis Sterneküche →
3
Aktivitäten
Touren & Erlebnisse →

02 · Was tun

Matera nach Themen entdecken vier Wege durch eine Stadt aus Stein und Schatten

Reisezeit

Beste Reisezeit für Matera – Frühling & milder Herbst Sommerglut im Tuffstein, goldenes Licht im Oktober

Matera liegt im Binnenland der Basilikata, in einem Talkessel über der Gravina-Schlucht – das Klima ist mediterran, aber kontinentaler als an den Küsten. Der helle Tuffstein speichert die Hitze, weshalb der Hochsommer in den Sassi anstrengend werden kann. Frühling und Herbst sind ideal: mildes Wetter, langes goldenes Licht auf den Fassaden und überschaubarer Andrang, wenn man die Wochenenden meidet.

FrühlingMärz – MaiDie schönste Zeit: angenehme Temperaturen, klare Luft, blühende Murgia. Ideal zum Wandern in den Park und für lange Tage in den Sassi. Um die Osterprozessionen herum wird es lebhaft.Beste Reisezeit – Wandern, Sassi, mildes Licht
SommerJuni – AugustHeiß und trocken, im Tuffkessel oft drückend; tagsüber wenig Schatten. Sightseeing am besten früh morgens und am Abend, wenn die Fassaden glühen. Die Höhlenhotels bleiben innen angenehm kühl.Nur mit Hitze-Plan – Sassi früh und spät, mittags Pause
HerbstSeptember – OktoberZweite Top-Saison: warm, aber entspannter, mit weichem Licht und der lukanischen Weinlese. Weniger Tagesgäste als im Frühling, ideale Bedingungen für Fotografie und ruhige Spaziergänge.Sehr gute Reisezeit – Wein, Wandern, fotogenes Licht
WinterNovember – FebruarMild bis kühl, gelegentlich Regen; die Sassi wirken in Nebel und niedrigem Licht besonders mystisch. Wenig Andrang, niedrigere Preise und stimmungsvolle Weihnachtskrippen in den Höhlen.Ruhig und atmosphärisch – warm anziehen, weniger Trubel

Reiseideen

Reiseideen für Matera Drei Wege, in die Sassi hinabzusteigen

1 TagMatera an einem Tag – die Sassi und ihre KlassikerVom Felsbalkon hinab in die Höhlengassen, eine Felskirche, eine Grottenwohnung – und am Abend zurück ins goldene Gegenlicht.
  1. VormittagStarte am Belvedere und steige in den Sasso Caveoso hinab. Die Felskirche Santa Maria de Idris klebt am Monte Errone, von ihrem Vorplatz öffnet sich der erste große Blick über die Grotten.
  2. NachmittagIn der Casa Grotta nel Sasso Caveoso siehst du, wie hier bis in die 1950er Jahre mit Tier und Familie in einer Grotte gelebt wurde. Danach hinüber zur Cattedrale di Matera auf dem Felssporn der Civita.
  3. AbendSuch dir einen Tisch im Sasso Barisano und bleib bis zur blauen Stunde – wenn die Tuffsteinfassaden zu glühen beginnen, gehört Matera dir.
2 TageMatera in der Tiefe – beide Sassi und die unterirdische StadtZwei Tage, um nicht nur über die Sassi zu staunen, sondern unter sie zu steigen – in Zisternen, leere Felskirchen und stille Gassen.
  1. Tag 1Erkunde den Sasso Barisano und die Civita rund um die Cattedrale, dann hinab in den Palombaro Lungo – die riesige unterirdische Zisterne unter der Piazza Vittorio Veneto, in der du heute zwischen den Wasserstandsmarken stehst.
  2. Tag 2Nimm dir den Sasso Caveoso in Ruhe vor: die entweihte Felskirche San Pietro Barisano mit ihren ausgehöhlten Krypten und die verwinkelten Treppengassen, die kaum ein Tagesgast erreicht.
  3. AbendLass den Tag im Viertel Piano oben in der Oberstadt ausklingen, wo die Materaner selbst essen – fernab der Postkartenblicke, dafür mit Cavatelli und Pane di Matera.
TagesausflugÜber die Schlucht – Murgia, Felskirchen und der beste Blick auf die SassiRaus aus der Stadt, hinüber auf die kahle Hochebene: Felskirchen im Gras und das ganze Sassi-Panorama auf der anderen Seite der Gravina.
  1. VormittagWandere von der Stadt hinab in die Gravina-Schlucht und auf die Murgia-Hochebene hinauf – oder fahr direkt zum Belvedere Murgia Timone, dem Aussichtspunkt mit dem berühmtesten Blick zurück auf die Sassi.
  2. NachmittagErkunde die in den Fels gehauenen Felskirchen (chiese rupestri) des Parco della Murgia Materana, die zwischen Steineichen und Schafweiden verstreut liegen – einsam, archaisch, weit älter als die Stadt gegenüber.
  3. AbendPlane die Rückkehr zum Sonnenuntergang: Von der Murgia aus glüht die ganze Stadt im Gegenlicht auf, bevor du über die Schlucht zurück in die Gassen steigst.

Häufige Fragen

Matera-Reise: die wichtigsten Fragen kurz und ehrlich beantwortet

Wie viele Tage sollte man für Matera einplanen?

Zwei volle Tage sind ideal: einer für die beiden Sassi-Viertel mit Casa Grotta und Felskirchen, einer für die Murgia-Hochebene auf der anderen Schluchtseite und die Drehorte. Wer es ruhiger angehen oder eine Höhlenhotel-Nacht voll auskosten will, plant drei Tage. Als Tagesausflug von Bari aus sieht man nur die Oberfläche.

Wie kommt man am besten nach Matera?

Matera hat keinen Anschluss ans italienische Hauptbahnnetz. Am einfachsten reist man über den Flughafen Bari (rund 65 km) an und nimmt von dort einen Mietwagen oder die private Ferrovie-Appulo-Lucane-Bahn beziehungsweise Busse, die in etwa 1 bis 1,5 Stunden nach Matera fahren. Auch Fernbusse aus Rom und Neapel halten in der Stadt.

Lohnt sich eine Übernachtung im Höhlenhotel?

Sehr. In einer ehemaligen Grotte zu schlafen, mit Tuffwänden und gedämpftem Licht, ist das eigentliche Matera-Erlebnis. Häuser wie das Sextantio Le Grotte della Civita oder das Aquatio Cave Luxury Hotel haben aus den einstigen Höhlenwohnungen stimmungsvolle Unterkünfte gemacht. Wichtig: Viele Sassi-Hotels sind nur über Treppen erreichbar – wer schweres Gepäck hat, fragt vorab nach.

Was sind die Sassi und kann man sie noch besichtigen?

Die Sassi sind zwei ganze Stadtviertel aus Höhlenwohnungen, die in den Tuffstein gegraben wurden und seit Jahrtausenden bewohnt waren. Nach der Umsiedlung in den 1950er Jahren lagen sie verlassen, heute sind sie restauriert, UNESCO-Welterbe und frei begehbar. Eine Casa Grotta zeigt eine original eingerichtete Höhlenwohnung von einst.

Welche Filme wurden in Matera gedreht?

Matera ist eine der meistgenutzten Filmkulissen Italiens. Pier Paolo Pasolini drehte hier 1964 „Das 1. Evangelium – Matthäus“, Mel Gibson 2004 „Die Passion Christi“, und 2021 diente die Stadt als Schauplatz der Eröffnungsjagd im Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“. Ihre zeitlose Steinwelt spielt oft das antike Jerusalem.

Was sollte man in Matera essen?

Unbedingt das Pane di Matera, ein großes Hartweizenbrot mit IGP-Siegel und tagelanger Haltbarkeit, dazu die Peperoni Cruschi – getrocknete, kurz frittierte Paprikaschoten, die zu vielem gereicht werden. Klassiker sind außerdem Orecchiette mit Cime di Rapa und der kräftige Aglianico del Vulture. Am stimmungsvollsten isst man in den Felsrestaurants unter Tuffgewölben.

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travelperfect · Aktualisiert 13. Juni 2026