Wer Matera kennenlernen möchte, ohne sich ausschließlich in der Kulisse der jahrtausendealten Höhlensiedlungen zu bewegen, findet in Piano das eigentliche Herz des modernen Stadtlebens. Das Viertel liegt oberhalb der berühmten Sassi-Becken und bildet den urbanen Alltag Materas ab – mit breiten Boulevards, belebten Piazze und einer Atmosphäre, die weniger von Tourismus als von echtem süditalienischem Lebensgefühl geprägt ist.
Der Charakter von Piano erschließt sich am besten in den frühen Morgenstunden, wenn die Bewohner ihre Espresso-Runden an den Bars der Via Ridola oder rund um die Piazza Vittorio Veneto drehen. Hier trifft sich die Stadt mit sich selbst: Rentner auf Parkbänken, Schüler auf dem Weg zur Schule, Händler, die ihre Stände aufbauen. Diese Selbstverständlichkeit des Alltags ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal von Piano gegenüber den touristisch stark frequentierten Sassi-Zonen.
Architektonisch zeigt das Viertel ein anderes Gesicht Materas: Statt Tuffstein-Höhlen prägen hier Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Bild, dazwischen Fassaden aus der Nachkriegszeit. Die Piazza del Sedile und die umliegenden Gassen laden zum Schlendern ein, ohne dass man das Gefühl hat, durch ein Freilichtmuseum zu laufen. Piano ist der Ort, wo Matera wohnt, einkauft und feiert.
Für Reisende, die über einen längeren Aufenthalt nachdenken, bietet Piano einen entscheidenden Vorteil: Hotels und Unterkünfte hier sind oft günstiger als in den Sassi, und man ist dennoch in wenigen Gehminuten an den wichtigsten Aussichtspunkten über den Gravina-Schluchten. Die Kombination aus Alltagsnähe und kurzer Distanz zu Materas Welterbe-Stätten macht Piano zu einer klugen Basis für die Erkundung der gesamten Stadt.

Palombaro Lungo
Begehbare Riesenzisterne tief unter der Piazza Vittorio Veneto – Materas unterirdisches Wasserwerk.