Ein Stück Katalonien im Mittelmeer wo man seit 1354 Katalanisch spricht und Korallen erntet
Algheros Sonderweg beginnt 1354: Nach langer Belagerung nahm die Krone von Aragón die Hafenstadt ein und siedelte Familien aus Katalonien an. Aus L'Alguer wurde eine katalanische Sprachinsel, die alle Jahrhunderte überdauert hat – das Algherese wird bis heute gesprochen, von Vereinen gepflegt und ist im Stadtbild präsent, von zweisprachigen Straßenschildern bis zur Messe in katalanischer Sprache. Auch die Steine erzählen davon: Kathedrale und Kreuzgang von San Francesco gehören zu den schönsten Beispielen katalanischer Gotik außerhalb Spaniens, und im Palazzo d'Albis an der Piazza Civica logierte 1541 Kaiser Karl V., als seine Flotte auf dem Weg nach Algier vor der Stadt ankerte.
Das zweite Fundament der Stadt liegt unter Wasser. Vor der Küste wächst in der Tiefe das Corallium rubrum, die rote Edelkoralle, die der Riviera del Corallo den Namen gab und bis heute Algheros Stadtwappen ziert. Über Jahrhunderte machten die Korallenbänke vor dem Capo Caccia die Stadt zu einem Zentrum der Korallenfischerei; heute verarbeiten Werkstätten und Juweliere der Altstadt das 'rote Gold' zu Schmuck, und das Museo del Corallo erzählt seine Naturgeschichte. Die Bastionen, die die Altstadt zum Meer hin panzern, sind längst Flaniermeile geworden: Abends decken die Restaurants ihre Tische direkt auf der Mauerkrone, und zur Passeggiata schiebt sich die halbe Stadt am Wasser entlang.
Kaum eine sardische Stadt hat zudem ein solches Hinterland. Eine Viertelstunde westlich beginnt der Naturpark Porto Conte mit den Stränden Mugoni, Lazzaretto und Le Bombarde, dahinter stürzen die Klippen des Capo Caccia ins Meer – unten wartet die Grotta di Nettuno, erreichbar per Boot oder über die in den Fels gehauene Treppe Escala del Cabirol. Wer Geschichte mag, findet am Nuraghe Palmavera die Spuren der bronzezeitlichen Turmbauer und in der Felsnekropole Anghelu Ruju Gräber, die noch älter sind. Und die Küstenstraße nach Bosa gilt als eine der schönsten Panoramastrecken Italiens – mit etwas Glück kreisen über den Klippen Gänsegeier.
