Ein junger Ort an einer uralten Küste zwischen römischen Steinbrüchen, savoyischem Schachbrett und der windigsten Meerenge des Mittelmeers
Santa Teresa Gallura ist eine der jüngsten Städte Sardiniens – und sitzt doch auf uraltem Boden. 1808 ließ König Vittorio Emanuele I. von Savoyen den Ort am Reißbrett anlegen, benannt nach seiner Frau Maria Teresa; das rechtwinklige Gassennetz von damals prägt das Zentrum bis heute. Lange davor bewachte der spanische Wachturm von Longonsardo die schmale Meerenge, durch die seit der Antike die Schiffe zwischen Tyrrhenischem Meer und westlichem Mittelmeer ziehen – und am Capo Testa brachen schon die Römer Granit, der per Schiff über das Meer ging.
Das Kapital des Ortes ist seine Küste. Direkt unter dem Zentrum fällt die Rena Bianca in flaches Türkiswasser ab – ein Stadtstrand, wie ihn kaum eine andere italienische Kleinstadt hat. Westlich schiebt sich Capo Testa ins Meer: eine Halbinsel aus Granit, den Wind und Salz zu Wellen, Pilzen und Tierköpfen geschliffen haben, mit einem Leuchtturm von 1845 an der Spitze und dem Valle della Luna, in dessen Höhlen seit den Siebzigerjahren eine internationale Aussteigergemeinde lebt. Dazwischen liegen die stille Bucht von Santa Reparata und das nuraghische Dorf Lu Brandali, das die Bronzezeit der Gallura greifbar macht.
Und dann ist da das Gegenüber: Korsika. Bei klarer Luft wirken die weißen Kalkklippen von Bonifacio nur einen Steinwurf entfernt, die Fähre braucht rund eine Stunde – ein Tagesausflug nach Frankreich, der zu den lohnendsten Unternehmungen Nordsardiniens zählt. Wer bleibt, isst abends Zuppa gallurese oder Fischpasta, trinkt Vermentino di Gallura – Sardiniens einzige DOCG-Herkunft – und reiht sich zur Passeggiata auf der Piazza Vittorio Emanuele I. ein. travelperfect empfiehlt: zwei, drei Strandtage einplanen, einen Tag für Capo Testa, einen für Bonifacio – und den Maestrale als Teil des Erlebnisses begreifen.
