Die Glückliche an der Granitküste von der antiken Hafenstadt zum Sprungbrett der Smaragdküste
Der Name verrät die Geschichte: Olbía, „die Glückliche“, geht auf das Griechische zurück – und tatsächlich war der geschützte Golf schon in der Antike einer der wichtigsten Häfen Sardiniens. Punier und Römer verschifften hier Getreide und Wein Richtung Festland; wie intensiv der Hafen genutzt wurde, zeigte sich Ende der 1990er-Jahre, als bei Bauarbeiten an der Hafenfront gleich mehrere römische Schiffswracks aus dem Schlick geborgen wurden. Sie liegen heute im Archäologiemuseum auf der kleinen Hafeninsel Peddone – kaum eine andere Stadt Italiens zeigt ihre Seefahrtsgeschichte so unmittelbar am Fundort. Etwas oberhalb des Zentrums erinnert die Granitbasilika San Simplicio an das Mittelalter, als der Ort unter Pisa und Aragón seine nächsten Kapitel schrieb.
Bis 1939 hieß die Stadt Terranova Pausania, dann bekam sie ihren antiken Namen zurück – und wenige Jahrzehnte später ein neues Schicksal: Als der Aga Khan ab 1962 die Costa Smeralda zum exklusivsten Küstenstrich des Mittelmeers entwickelte und 1964 die venezianischen Grafen Donà dalle Rose nebenan Porto Rotondo gründeten, wurde aus der Provinzstadt das Tor zu Sardiniens Norden. Flughafen und Fährhafen wuchsen mit; heute kommen Millionen Reisende pro Jahr durch Olbia – die meisten fahren durch, die klügeren bleiben.
Denn Olbia selbst ist eine angenehm unaufgeregte, echte sardische Stadt: Abends schiebt sich die passeggiata über den Corso Umberto I, in den Trattorien kommen Muscheln aus dem eigenen Golf und im Winter Seeigel auf den Tisch, dazu Vermentino di Gallura, Sardiniens einzige DOCG-Lage. Die Hausstrände von Pittulongu liegen zehn Autominuten entfernt, Bootstouren ins Meeresschutzgebiet von Tavolara starten praktisch vor der Haustür. travelperfect empfiehlt, Olbia nicht als Transitstation zu behandeln, sondern als günstige, lebendige Basis – Costa Smeralda und Gallura-Bergdörfer liegen im Tagesradius.
