Wer Polignano a Mare jenseits der Postkartenmotive entdecken möchte, findet im Borgo Nuovo einen Ort, der dem Alltag der Pugliesi gehört. Das Viertel erstreckt sich landeinwärts von der berühmten Altstadt und wurde im 20. Jahrhundert als Erweiterung der historischen Siedlung angelegt – ein Kontrast aus breiten Straßen, Wohnblöcken und kleinen Piazzette, auf denen morgens noch der Espresso in Ruhe getrunken wird.
Der Charakter des Borgo Nuovo ist unverwechselbar: Hier kaufen die Einheimischen ein, nicht die Touristen. Auf dem lokalen Markt, der sich an den Wochentagen entfaltet, stapeln sich Tomaten, Burrata und frische Taralli neben Haushaltswaren und Textilien. Die Händler kennen ihre Stammkunden mit Namen, und das Feilschen gehört dazu wie das Salz im Meer. Wer früh genug aufsteht, erlebt eine Stadt, die noch ganz bei sich ist.
Gastronomisch bietet Borgo Nuovo eine ehrliche Alternative zu den touristisch geprägten Restaurants an der Küste. In kleinen Trattorie und Forno-Bäckereien werden Focaccia barese, Orecchiette al ragù und gebackene Polpo serviert – ohne Speisekarten in fünf Sprachen, dafür mit echter Hausmannskost. Die Preise sind merklich günstiger als in der Altstadt, die Portionen großzügiger.
Für Reisende, die länger bleiben wollen, ist Borgo Nuovo auch als Basisquartier interessant. Hotels und Bed-and-Breakfasts im Viertel liegen meist nur wenige Gehminuten vom historischen Zentrum entfernt, bieten aber deutlich mehr Ruhe und Platz als die engen Gassen der Altstadt. Abends zieht es die Bewohner auf die Corso-Straßen des Viertels, wo Gelaterien und Bars bis in die späten Stunden geöffnet haben – ein typisch süditalienisches Abendprogramm, das sich ganz ohne Touristenströme abspielt.
Borgo Nuovo ist kein Viertel für Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne. Es ist ein Viertel für Menschen, die das echte Polignano a Mare kennenlernen wollen: die Alltagsrituale, die Sprache, die Gastfreundschaft der Pugliesi. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem Blick auf Süditalien belohnt, den kein Reiseführer vollständig erfassen kann.

Lama Monachile (Cala Porto)
Polignanos Wahrzeichen: schmale Kiesbucht zwischen zwei Felswänden, überspannt von der Brücke der alten Via Traiana und gekrönt von den Häusern der Altstadt.
Das berühmteste Wahrzeichen Polignanos und ganz Apuliens