Syrakus war einst eine der mächtigsten Städte der griechischen Welt – Cicero nannte sie die schönste der antiken Metropolen, und der Mathematiker Archimedes wurde hier geboren. Wer heute an die Ostküste Siziliens kommt, findet diese geschichtete Vergangenheit überall: in einem riesigen Archäologiepark, in einer barocken Inselaltstadt und in der unverkennbar sizilianischen Lebensart, die alles zusammenhält.
Das Herz der Stadt ist Ortigia, eine kleine Insel, die über zwei Brücken mit dem Festland verbunden ist. Hier verdichten sich Jahrtausende auf engstem Raum. Auf der Piazza del Duomo erhebt sich die Kathedrale, die einen antiken Athene-Tempel umschließt – die dorischen Säulen stecken noch sichtbar in den Barockmauern. Unweit sprudelt die Süßwasserquelle Fonte Aretusa, in der Papyrus wächst, mitten am Meer. In den schmalen Gassen drumherum reihen sich Markthändler, Cafés und Trattorien aneinander, und am Lungomare bricht das Ionische Meer gegen die alten Mauern.
Auf dem Festland liegt der Parco Archeologico della Neapolis, einer der bedeutendsten antiken Fundorte Siziliens. Das griechische Theater zählt zu den größten der Antike und wird im Frühsommer wieder für klassische Tragödien bespielt. Daneben öffnet sich das Ohr des Dionysios, eine künstliche Höhle mit ungewöhnlicher Akustik, und das römische Amphitheater erinnert an die spätere Epoche der Stadt.
Syrakus lebt aber nicht nur von Ruinen. Der Markt von Ortigia am Morgen ist ein Fest aus Schwertfisch, Zitronen, Mandeln und sonnengereiften Tomaten; abends füllen sich die Plätze, und der Duft von gegrilltem Fisch zieht durch die Gassen. Diese Mischung aus antiker Größe, barocker Eleganz und mediterranem Alltag macht Syrakus zu einem Ort, an dem Geschichte nicht im Museum steht, sondern Teil des täglichen Lebens ist.