Keine andere Stadt Siziliens trägt ihren Vulkan so sichtbar wie Catania. Der Ätna, mit über 3.300 Metern Europas höchster aktiver Feuerberg, hat Catania mehrfach zerstört – und ihr zugleich ihr Baumaterial geschenkt. Aus dem dunklen Lavastein der Eruptionen entstand nach dem großen Erdbeben von 1693 ein einheitlicher Barock in Schwarz und Weiß, der Catania ein Gesicht gibt, das es so nirgends sonst gibt. Die UNESCO hat die Stadt deshalb als Teil des spätbarocken Val di Noto zum Welterbe erklärt.
Das Herz der Altstadt ist die Piazza del Duomo mit dem Dom der heiligen Agatha und dem Liotru, dem Elefantenbrunnen aus Lavastein, der ein römisches Original trägt und zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Nur wenige Schritte weiter tobt das Leben: An der Pescheria, dem morgendlichen Fischmarkt, werden Schwertfisch, Sardinen und Meeresfrüchte unter lautstarkem Rufen gehandelt – ein Schauspiel, das ungebrochen sizilianisch geblieben ist.
Die Via Etnea, Catanias Prachtstraße, läuft schnurgerade auf den Vulkan zu; an ihr reihen sich Cafés, in denen die Stadt ihre süßen Erfindungen zelebriert. Die Granita mit Brioche zum Frühstück ist hier fast ein Bürgerrecht, dazu die mit Ricotta gefüllten Cannoli und die Pasta alla Norma mit Auberginen, Tomaten und gesalzenem Ricotta, benannt nach der Oper des in Catania geborenen Komponisten Vincenzo Bellini.
Wer früh aufbricht, steht innerhalb einer Stunde an den Kraterrändern des Ätna, fährt mit der Seilbahn hinauf und blickt über erstarrte Lavafelder. Catania ist so der ideale Ausgangspunkt für den Vulkan – und eine Stadt, die ihre Nähe zur Gefahr in lebenslustige Energie verwandelt hat.