Noto ist keine über Jahrhunderte gewachsene Stadt, sondern ein Gesamtkunstwerk aus einem Guss. Als das Erdbeben von 1693 den gesamten Südosten Siziliens verwüstete, beschloss man, das alte Noto aufzugeben und einige Kilometer entfernt eine völlig neue Stadt zu errichten – streng geplant, mit weiten Achsen und Plätzen, ganz im Geist des sizilianischen Spätbarock. Heraus kam ein Ensemble von solcher Harmonie, dass die UNESCO Noto gemeinsam mit den anderen Städten des Val di Noto zum Welterbe erklärt hat.
Das Baumaterial gibt der Stadt ihren unverwechselbaren Charakter: ein weicher, honigfarbener Kalkstein, der in der Abendsonne förmlich zu glühen scheint. Die Prachtstraße Corso Vittorio Emanuele zieht sich schnurgerade durch das Zentrum und reiht eine barocke Fassade an die nächste. Ihr Höhepunkt ist die Kathedrale San Nicolò, die sich über eine breite Freitreppe erhebt – ihre Kuppel stürzte 1996 ein und wurde aufwendig wiederaufgebaut, heute steht sie wieder in voller Pracht.
Gleich gegenüber liegt der Palazzo Ducezio mit seiner geschwungenen Säulenfront, und nur wenige Schritte weiter zeigt der Palazzo Nicolaci di Villadorata, was barocke Lust an der Form bedeutet: Seine Balkone werden von skurrilen Figuren getragen – Löwen, Pferden, Putten und Fratzen. Einmal im Jahr, im Mai, verwandelt die Infiorata die Via Nicolaci in einen Teppich aus Blütenblättern.
Nach so viel Architektur lockt die Süße: Notos Eis und Granita gelten als unter den besten Siziliens, und die Mandeln der Umgebung finden sich in feinem Gebäck wieder. Die Strände der Küste und das Naturreservat Vendicari sind nur eine kurze Fahrt entfernt – Noto verbindet barocke Bühne mit der Ruhe des Südostens.