Hoch über dem Corso, am höchsten Punkt des barocken Stadtplans, wacht die Chiesa del Santissimo Crocifisso über Noto Alta, den oberen, ruhigeren Teil der Stadt. Den mächtigen Bau entwarf Rosario Gagliardi, der prägende Architekt des Wiederaufbaus nach dem Erdbeben von 1693. Seine Fassade blieb unvollendet – ein Zustand, der dem Bauwerk eine eigene, rohe Würde verleiht und an die langwierige Geschichte des Wiederaufbaus erinnert. Das eigentliche Interesse liegt im Inneren. Die Kirche birgt die wichtigsten Kunstschätze, die aus dem 1693 zerstörten Noto Antica gerettet wurden – jener alten Stadt, die nach dem Erdbeben aufgegeben und an neuer Stelle neu errichtet wurde. Am Portal stehen zwei romanische Löwen, steinerne Zeugen der mittelalterlichen Vorgängerstadt. Im Inneren befindet sich die Marmormadonna della Neve, die der bedeutende Bildhauer Francesco Laurana 1471 schuf – ein Werk der Renaissance, das die Kontinuität zwischen dem alten und dem neuen Noto verkörpert. Der Weg hinauf zur Kirche ist Teil des Erlebnisses. Er führt durch die stillsten Gassen der Stadt, abseits des Trubels am Corso, und vermittelt einen Eindruck vom Alltag in Noto Alta. Oben angekommen, öffnet sich ein weiter Blick über die Kuppeln und Dächer der barocken Stadt, der den Aufstieg belohnt. Die Kirche ist frei zugänglich und eignet sich für Besucher, die über die Hauptachse hinausgehen und die ruhigere, höher gelegene Seite Notos kennenlernen möchten. Der Aufstieg über die Treppengassen kann bei Hitze anstrengend sein; der Morgen oder der späte Nachmittag sind angenehmer.
Die unvollendete Fassade von der Gassenseite aufnehmen.






























