Palermo ist eine Stadt der Schichten. Phönizier gründeten sie, Römer, Araber, Normannen, Staufer und Spanier haben sie geformt – und alle haben Spuren hinterlassen, die heute neben- und übereinanderliegen. Nirgends wird das so deutlich wie in den arabisch-normannischen Bauten, die zum UNESCO-Welterbe gehören: Der Palazzo dei Normanni mit der Cappella Palatina vereint goldglänzende byzantinische Mosaike, eine arabische Holzdecke und normannische Architektur unter einem Dach. Die rotgekuppelte Kirche San Cataldo und die Kathedrale, ein Stilgemisch aus Jahrhunderten, erzählen dieselbe Geschichte der Kulturen.
Doch Palermo lebt nicht im Museum. Sein Herz schlägt auf den Märkten – an der Vucciria, im Ballarò und im Capo geht es zu wie auf einem orientalischen Souk: Marktschreier preisen Schwertfisch, Oliven, Zitronen und Streetfood an. Genau hier isst man Palermo am ehrlichsten: Panelle aus Kichererbsenmehl, Arancine, gegrillte Innereien als Stigghiola und das berühmt-berüchtigte Pani ca' meusa, ein Brötchen mit Milz. Palermo gilt vielen als eine der besten Streetfood-Städte Europas.
Dazwischen liegen prächtige Plätze und Theater: die Quattro Canti, der barocke Straßenkreuz im Zentrum, der Fontana Pretoria mit seinen nackten Marmorfiguren und das Teatro Massimo, eines der größten Opernhäuser Europas. Wer dem Trubel entkommen will, fährt hinauf nach Monreale, wo der Dom mit seinen Goldmosaiken die Cappella Palatina noch übertrifft, oder ans Meer nach Mondello mit seinem hellen Sandstrand.
Palermo ist nicht glattgebügelt – die Stadt ist rau, laut und voller Kontraste. Genau darin liegt ihr Reiz: Sie zeigt Sizilien ungeschminkt und mit aller Lebenskraft.