Wer Il Capo zum ersten Mal betritt, braucht einen Moment, um die Sinne zu sortieren. Der Geruch von frisch gebackenem Sesambrot mischt sich mit dem von Orangenschalen und geröstetem Fleisch. Händler rufen ihre Preise in einem singenden Dialekt, der kein Lehrbuchitalienisch ist, sondern etwas Älteres, Eigenwilligeres. Il Capo, eines der drei historischen Märkte Palermos neben Ballarò und Vucciria, erstreckt sich rund um die Via Sant'Agostino und zieht sich durch ein Netz enger Gassen, die sich kaum für zwei Menschen nebeneinander eignen.
Das Viertel trägt die Geschichte Palermos sichtbar in seinen Mauern. Die Kirche Sant'Agostino aus dem 13. Jahrhundert steht am Rand des Markttreibens wie ein stiller Zeuge – ihre Fassade mit dem geometrischen Reliefdekor aus arabisch-normannischer Zeit ist ein Werk für sich, das die meisten Besucher im Vorbeigehen übersehen. Wer innehält, erkennt, wie tief die verschiedenen Kulturen, die Sizilien prägten, hier ineinandergewachsen sind.
Der Markt selbst ist kein touristisches Spektakel, sondern funktioniert. Früh morgens liefern Fischhändler ihre Ware, Gemüseberge türmen sich auf wackeligen Holztischen, und Metzger hängen ganze Lammhälften in die kühle Morgenluft. Wer um neun Uhr dort ist, erlebt Il Capo in seiner ursprünglichsten Form: als Versorgungszentrum für die Bewohner des Viertels, nicht als Kulisse.
Abseits des Marktes zeigt Il Capo sein zweites Gesicht. Die Via Papireto und die umliegenden Gassen beherbergen kleine Werkstätten, in denen Handwerker Möbel restaurieren oder Keramik bemalen. Zwischen heruntergekommenen Palazzi aus dem Barock und frisch renovierten Fassaden entsteht ein Stadtbild, das ehrlich ist – ohne die glatte Gefälligkeit mancher aufgeräumten Altstadtquartiere. Genau das macht Il Capo für Reisende interessant, die Palermo jenseits der großen Sehenswürdigkeiten erleben wollen: Es ist ein Viertel, das nicht für sie gemacht wurde, sie aber trotzdem aufnimmt.

Teatro Massimo
Das größte Opernhaus Italiens in Palermo besticht durch seine neoklassizistische Fassade, sechs Logenränge und herausragende Akustik.
Größtes Opernhaus Italiens, eröffnet 1897