Wer Palermo wirklich verstehen will, kommt an Albergheria und seinem Herzstück, dem Mercato di Ballarò, nicht vorbei. Dieses Viertel südwestlich der Quattro Canti ist eines der ältesten bewohnten Gebiete der Stadt — und gleichzeitig das lebendigste. Schon früh am Morgen füllen sich die engen Gassen mit dem Ruf der Händler, dem Geruch von frisch gebackenem Pane di Casa und dem Dampf aus brodelnden Suppen. Ballarò ist kein Freilichtmuseum, sondern ein echter Markt, auf dem Palermitaner ihren täglichen Einkauf erledigen.
Das Viertel trägt die Schichten seiner Geschichte sichtbar im Stadtbild. Die Chiesa del Gesù, auch bekannt als Casa Professa, erhebt sich mit ihrer prachtvollen Barockfassade über die umgebenden Marktgassen — ein Kontrast, der typisch für Palermo ist. Nicht weit entfernt steht die Chiesa di Santa Maria dello Spasimo, deren offen gebliebenes Kirchenschiff heute als Konzertsaal und Kulturzentrum dient. Und dann ist da noch der Palazzo dei Normanni mit der Cappella Palatina, unmittelbar am Rand des Viertels gelegen: Das normannische Königspalais mit seinen byzantinischen Mosaiken gehört zum UNESCO-Welterbe und ist architektonisch einzigartig in ganz Europa.
Albergheria war einst das arabische Quartier Palermos, und diese Vergangenheit ist noch heute spürbar — in der Struktur der Gassen, die sich labyrinthisch verzweigen, in den Gewölben alter Fondaci und in der Atmosphäre, die sich von der gepflegten Altstadt deutlich unterscheidet. Das Viertel ist rauer, echter, weniger auf Touristen zugeschnitten. Genau das macht es für Reisende interessant, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern Stadtleben erleben wollen.
Auf dem Ballarò-Markt selbst türmen sich Artischocken, Blutorangen, frischer Fisch und Streetfood-Klassiker wie Pane ca Meusa — ein Milzbrötchen, das polarisiert, aber unbedingt probiert werden sollte. Die Marktstände ziehen sich durch mehrere Straßenzüge, die Händler sind laut und freundlich, das Treiben endet erst am frühen Nachmittag. Abends wandelt sich das Viertel: Kleine Bars und Trattorie öffnen, junge Palermitaner treffen sich an den Plätzen rund um den Markt, und die Gassen bekommen eine ganz andere, ruhigere Qualität.

Cattedrale di Palermo
Die monumentale Kathedrale von Palermo vereint normannische, gotische und barocke Elemente und birgt die Königsgräber der Normannen.
Königsgräber von Roger II. und Kaiser Friedrich II.